composample#
days of freakfull lumbalgo
Sonnenbekämpfung
SONNENBEKÄMPFUNG
oder die Ablesung zum möglichen Eintritt einer Sanktion
„Unklar, durch was wir durchgehen,
Unwissend, wonach wir suchen,
Erleben wir, dem Gewicht eines ganzen Lebens gewachsen zu sein.“
„Wer die Kunst will, schafft die Zerstörung,
Und der große Morgen, der durch Zerstörung gebahnt,
Wird immer nur zur Zukunft der anderen.“
aus `Das Poetische Theater am Synapsenspalt´
Prolog
Webbel war auf der Arbeit nichts Gutes passiert.
„Ich bin jetzt auf vierundzwanzig Wochenstunden runter “, hatte der Redaktionschef gerufen, „und in ein paar Monaten werde ich nur noch in H.“, hatte er betont, „eine kleine Stelle haben.“
Freibeuterisch hatte der Redaktionschef den Kopf eines Mitarbeiters gemobbt und Kekse aus den Händen Webbels gefressen, dann dem nächsten angedeutet, ihm die Hände an den Hals legen zu wollen.
„Und in wenigen Minuten, “, er hatte Webbel die Schreibtischleuchte in Verhörmanier in das Gesicht gedreht: „habe ich Feierabend.“
Webbel hatte sich an sein Lamento in dem Büro der Vedantin für Ehrgeschädigte durch Mobbing und Stalking erinnert, die auf der Hochsommerfeier im Garten der Redaktion zusammen mit dem Redaktionschef und einigen Musikern auf der Bühne gestanden hatte, um ein Reggae-Konzert zu geben,
der Redaktionschef hat beschlossen den Verstand zu verlieren!, bis ihm die anwesende Redaktion beleidigt genug vorkam
„Ich war vor der verspäteten Kriegsbegeisterung des Chefredakteurs gewarnt. An dem Abend des Hochsommerfestes habe ich in der kleinen Sakristei der Redaktion die Minora noch kopfüber hingestellt, weil ich kein Vlies dafür hatte, auch noch als Geschlachtete an einem `agnus dei´- Fanaten zu enden.“
wie ein Clown seiner eigenen unheilvollen Schwachheit, sowohl mich als auch die Mitarbeiter nicht gekannt zu haben, setzte er sich schikanierend auf die Rücken von Anwesenden, auch auf meinen!, hockte affenartig auf dem Versammlungstisch der Redaktion herum und vergriff sich mit der späteren Behauptung ringen gewollt zu haben an weiteren Mitarbeitern, ich selber habe heute davon ein Sonnengeflecht auf dem Leib!
„Das ist ja eine unverkündbar primitive Miniatur: innen wie außen, links wie rechts, straßauf wie straßab, ebenso zahlhoch wie zahlrunter, trotz der allgegenwärtig bedachten und angewandten Konzepte, Apparate, Automaten, Maschinen, Geräte und Systeme, - bei solchen Leuten sind Familie und Staat derart gleichgeschaltet, als ob Illuminaten und Gestapo sich noch nie in zwangsagnostischer Verschmelzung zu einer kationischen Sektiererkultur Neulandzusammenhang aus den Völkern erdrückt haben. Dieser Leviathan funktioniert bis zur letzten Ich- und Du-Despotie in Abtrunn, bis zu dem Wir und Ihr noch in grammatikalischen Plural-Singular-Schizophrenien. - Erübrigt an die Funktion der Denksubstanz verbleiben Tadel, Kritik, Protest, Demonstration, Askese, Hygiene, Aufruhr, Gleichschaltung, Amtskirche und Staatsziel. “, hatte die Vedantin gemahnt, „Ich bin ganz aus Algerien emigriert und habe dabei den Militärdienst quittiert, der mir Löcher in den Wüstensand graben gehießen hatte, welche wieder verweht waren, bevor die jungen Bäume dafür herbeigebracht wurden.“
Sie hatte das Wüstencamp verlassen und per Autostop mit verbliebenem Hasch zahlend die Hauptstadt erreicht, in der sprengstoffbeladene Lastkraftwagen an ihr vorbei in Bankgebäude gefahren wurden, paramilitärische Söldner nie gewählter Parteien die umliegenden Dörfer abgeklappert und dazu rekrutiert oder liquidiert hatten, was sie an demselben Tag in Algier ein Schiff bestiegen liess, welches durch das Mittelmeer Frankreich angelaufen hatte. Die Vedantin hatte an diesem Hochsommerabend auch von Libanesischen Bergen erzählt, in denen Wanderer immer noch DEN PILZ gesucht hatten. In seltenen Höhen und seltsamen Höhlen waren die Knollen gewachsen und das Ziel der geistersehenden Sufis gewesen. Das Pilzgift hatte ihnen als visionäre Allegorie gegolten.
„War Krieg im Zweistromland gewesen, hatten sich auf der Suche etliche gefunden. Wenn sie zurückgekehrt waren in die Städte, hatten sie öffentlich alle Pilze verspeist, die sie gefunden hatten und waren zwischen den von Gasschwaden erfüllten und von Luftangriffen zerschossenen Ruinen der Marktplatz ihrer Heimatstadt gewankt, sich speiübel auf Mahat und Brokat erbrochen und nahe Hunderttausende fliehen gesehen.“
Um die Vedantin hatten viele Mythen gerankt. Ihr Musikstudio im Pariser Exil war komplett ausgebrannt. Der leibliche Vater war ihr persönlich in das Studio gekommen und hatte mit einem Kanister Benzin dem `Werk des Iblis´ ein Ende gesetzt,
im Stillen haben sich dann erneuert Krisen und weitere Entgleitungen aller Art bei den Unbeteiligten entwickelt und regelrecht zu einer landesweiten Brandmarkung des Zeitungskollektivs geführt, denen hebelt sich dauernd der Verstand in die Halluzinationen hinaus, haben sie doch bemerkt, daß die Sache Gaffer hatte, die zu allem Unrat dadurch auch noch vom Redaktionschef durchgängig mitkriminalisiert werden
„Sind dem so gestraften Verbrechergeist damit nicht endgültig Experiment und Spiel im Exzess der Bestrafung verstummt? - Die Wurzeln dieses Trauerspiels liegen viel tiefer und weiter zurück als im Hergang des Zusammenfindens der Menschen zu demselben Ort, der gleichen Straße, dem identischen Sozialuterus, dem schon Gewirkten oder unvorhergesehen dazu Eingetretenen! Gleichgültig werden die Nachbarn jahrelang zusammen die Scherben der Schalen aufsammeln, die das Licht nicht mehr halten können und sich unaufgefangen und zerberstend in dem Abgrund der marionettierten Straßen und pampigen Pamphleten bajonettierender Regierungen versammeln; ich kenne solche Fälle zu genüge, die Unbeteiligten gehen gekränkt zu Boden und der Rest wandelt in Sopor. `Ausgerechnet der!´und so weiter!“
ich habe dem ungeachtet allen Beteiligten noch einmal geschrieben, als ich auch durch persönliche Bitten bezüglich der unbeantwortet gebliebenen Briefe nichts rekonstruiert bekommen habe, aber die geben genauso wenig Antwort auf die Briefe wie der morgendliche Röteglanz, das ist wohl eine Art zurechtgelegte Bussabsicht, Briefe unbeantwortet zu lassen und auch auf Bitte hin nicht zurückzugeben, anstatt sie die dabei entstandene Briefmarkensammlung ablösen und behalten, nein!, imago agens, sie werden auch noch zur Bereitschaft, alles gegen das Wesen und den Namen des Geschrieben-Habenden und Unbeantwortet-Gebliebenen zu konversieren, und für mich?, das Unmögliche zuerst! - wohl auch noch Sieger werden unter dem Fremdgeist der gerade Unterworfenen!, ich werde mich ganz bestimmt nicht in deren Überforderungen exhibitionieren, oder die ganze Angelegenheit zu Wahnvorstellungen, Phänogeräuschen oder Phantomschmerz verkommen lassen wollen und sie dabei auch noch unverklingend stimmenverloren wie Sterbende durch die Täler tragen, in denen brennende Reifen von den Hügeln rollen und leere entflammte Züge auf ihren Gleisen aus dem Tal fahren, sich die Wiesel und Ratten im Flackerlicht aufeinander stürzen und Flora und Fauna unter Stern und Himmel, Geflecht und Sonne, zum Feuer im Haus futurloser Pogrome werden
Webbel war sich der verwunschenen Zwecklosigkeit bewusst geworden, gegen deren Archaisierungen er argumentiert hatte,
wieso können wir denn nicht jedenfalls die Briefe zurückfordern?
„Die unverhinderten Aussetzer des Redaktionschefs sind in offensichtlich beabsichtigter Anvisierung geschehen und haben einfach jede und jeden zu Gaffenden abgestempelt. Alle retentieren natürlich in die Vergangenheit und sind damit Gescheiterte und letztenendes erzürnte und beschämte Mauerblümchen, und so ist uns jegliches weiter darüber verlierbare Wort zerbissen! Diese Sache rotiert weiter in einem Schwerefeld zusammen mit schuldstolzer Schlacke, nervengierigen Flausen, wie das zerknackte Porzellan eines Alphabets in einer Saurierlefze. Jetzt haben wir uns alle zufragen, was in den Gehirnkrippen dieses Lichtkriegers wohl vorgehen mag?“
als ich neulich zu Gast gekommen bin und bei Tisch mit seiner Frau davon berichtet habe, was widerfahren ist, hat der Redaktionschef wortwörtlich ohne hochzugucken gesagt: „Das stimmt nicht.“, aber diese Entgleisungen seitens des Redaktionschefs entpuppen sich als Stigmen an den Bäumen des Lebens und vermehren dem Unheil und Unglück viel Frucht!
„Was erhaben ist, wird wahr werden, Webbel! Wahrscheinlich behauptet er schon das Verbrechen seiner biologischen Verursachung selber zu sein und will uns damit den neongefrästen Pfauenthron verdunkeln. Du sitzt hier doch nicht auf einem Beichtstuhl und allein das ist schon kaum zu glauben. - Stehen wir nicht vor dem Thron?! - mit den Menschen, Wesen, Freunden, Feinden, dem Gesinde und Gotteskindern, wie auf einem Teppich `instant banana peel´, der sechzehn-mal-so-rutschig ist wie normale Seife?“
sein `NOLI ME TANGERE´ quirlt jedenfalls nicht proportional, und in diesen ehelichen Gesängen und fehlverkarteten Sprachgewändern zu Tisch schwingt die ganze, heile Welt zu Grab, die Ahnungslose entzündet eine Kerze, und das Buch, das auf dem Frontspitz wie zufällig meinen Namen trug, dahindrappiert im Regal: `DerWebbel kommt uns bestimmt einmal besuchen!´, und ihre Prüfung, ob ich Lust hätte mich auf der Couch auszuruhen, nach der langen Fahrt
„Nichts als vorlaute Triumphe in irgendeinem schnuffeltuchgeputzten Diot 1971 Konvertible Spitfire Coupé T7 seiner eigenen Vergangenheit! Sag mal Webbel, kennst Du Dich zufällig mit den Marktwerten von diesen Baujahren aus?“
Webbel steht unter einem rotierenden Speyer, dessen Traufe das Unwetter assimiliert. Ihm verlangt nach,
Sprache und sprechen!
Akollisionär
Webbel erschrickt milchbleich, als er aus dem Fenster blickt. Durch die Dunkelheit zieht eine alte Dampflok und scheppert unter Volldampf und tiefem Hornespfeifen auf der zwischen die Straßenschlucht gehängten Eisenbahnbrücke. Webbel erschauert gerinnend, als dieser Tross aus tösendem Konstrukt eines anderen Jahrhunderts vorbeipulsiert und ihm, dem aus dem Fenster Lugenden, tiefe Furcht einflößt. Nachts gelangen Webbel die unsichtbar gebliebenen Gestalten des Tages an den Türrahmen; sie blicken herein und gehen wieder. Wie zerbissen liegt Webbel zwischen den Laken, die Finger beider Hände sind vor seinem Gesicht ineinander verrenkt und zu einem Symbol verhakt. Webbel steht auf und bepinkelt nackt im Stehen den weichen Veloursteppich, was ihn allerdings schämt, wie er beim Aufreiben mit einem frischen Bettbezug bemerkt. Ein wenig fiebrig geht Webbel zurück zu dem Futon, eine leere Flasche auf dem Schreibtisch hat die Mütze des Tages auf dem Hals. Webbel nickt kurz ein, wacht aber erneut auf, als er davon träumt, dass eine Kerze die Matratze des Futons entzündet, auf der er schläft. Webbel kraucht an das kleine Fenster seines Zimmers, das in seiner Wohnung im Dachgeschoss liegt, die er jeden Tag ohne Fahrstuhl hindurch achter Stockwerke und den letzten, geschmälerten Treppenstufen herauf betritt und greift zu einem alten Kindheitsbuch `Der Zauberer von Amsterdam´. Der Mond scheint groß in den Raum hinein, so dass Webbel den Stadtrand mit dem alten Wasserturm sehen kann. Die Kerze auf dem Tisch im Nebenzimmer brennt noch, sie steht in einem veralteten Tannenkranz, der wiederum auf einem quadratischen Festdeckchen mit weihnachtlichen Motivindarthien,
er hat auch Schüler aus dem Volk akzeptiert, zwar nur welche, die am meisten Angst vor ihm hatten, aber tatsächlich!, ein Gildebourgeois in einer schier adynären Situation, in der mehr als zweidrittel der holländischen Bevölkerung gar nicht schreiben kann, geschweige denn lesen oder rechnen will
Der Tisch ist schwarz und kniehoch,
aber das bringt nichts her!
bemerkt Webbel,
das Volk raunt dort auf, wenn der Gelehrte als Fremder im eigenen Lande das Schiff verlässt, auf dem er als Meisterberater des königlichen Flottenbetriebs auch noch als gefährlicher Mann gilt, aber dieser Zauberer hat nicht einmal an der Vertreibung der spanischen Besatzung mit teilgenommen
Stundenlang hockt Webbel in einer Lederjacke am Tisch, deren Metallknöpfe er dabei abschneidet, und konzentriert sich an dem Licht der Kerze, kippt dann unabsent nach hinten um und liegt auf dem Boden wie frierendes Gelee in einem schweren Umhang,
der Gast des frühen Abends ist auch schon verschwunden
„Angeblich habe ich schon den älteren Brillenträger vorhin auf der Straße unten angeblinzelt.“, sagt der unruhig zu Webbel und: „Ich erzähl Dir mal ´ne moralische Geschichte: Ich sehe auf den zerrenden Stahlkugeln die letzten, ziselierten Inszenierungen der Intransparenz unausgeleuchteter Spiegelinnenräume und silberbedampfter Reflexe, die ihre eigene Gravität zu Aufführungen organisieren, in die Händen von Strafunmündigen gelegt, die mir schon bei der Handhabung mit dem Küchenmesser vor dem Schritt leichtgläubig genau gezeigt haben, was sie könnten, dabei erregt wie Krieger anfingen, schimmerlos aufzuschreien. Ich habe ihnen den runden, glatten Stahl aus der Hand genommen, damit kein Wurf geworfen wird, und unerreichbar offen für alle platziert. Weißt Du Webbel, ich bin einer, der seine eigene Musik mitbringt und dann geht, wenn ich sie gehört habe. Ich bin einer, der an Amors Keile, Dartpfeile und Gespensterpisse auf die Liebenden so glaubt, wie Luzifer an seine Verschonung auf der Venus und Prometheus an sein bekotztes Ganymed. Ich bin einer, der gesagt hat `Schreib mir mal´, nachdem ich Dir jahrelang keinen Brief beantwortet habe und bei meiner elektronischen Kurzmitteilung von Neujahrsmorgen, hallo Webbel, die lautete `Frohes Neues, Alter´, erinnerst Du Dich?, vergessen haben soll, mich als einen irgendwie gearteten Absender zu erwähnen? - Kann passieren, glaub ich wirklich nicht. Du kennst doch meine Handynummer. Ich bin einer, dem die unheilstiftenden Theorien untergegangener, doch zum Glück überbrachter Erzieherfeindschaften und der von ihnen begonnenen Revolutionen, deren autonome Enden bei mir zwar noch, de futuro, zwischen angewandter, metaphysischer Irritation und den grässlichen Irrwegen des Stressorentums treibend, die Hatz- , Hetz- , Greif- , Fass- und Fangjagden aus dem 3-D-Drucker golemisieren, die natürliche Theologie zur Selbstverurteilung noch nicht ersetzt haben. Webbel!, weißt Du, SCHON BEWEGT WORDEN ZU SEIN!, so lautet mein Motto, wobei mir gerade auffällt, das ist nicht gerade eine Bewegung gegen den Fleiß…, hm, da weiß ich jetzt auch nicht weiter, sag Du doch mal was dazu, wie siehst Du denn die Sache. Ach, hast Du keine Meinung dazu. Weißt Du, Webbel, ich bin nämlich einer, der bleibt bis das Telegramm vom Vater ruft. - Nach mir kommen nur noch die Psychiater, wenn ich gegangen bin, die auch nichts anderes tun, als an Dir herumzugaffen, Dir bei dümmlichem Kommentar Deine Weltschmerzverbände lösen und die um das Bett herumstehenden Alpha-, Omega- und Sandgefäße aus Neonglas simpel und aus Versehen zertreten, ja huppsa, verstehst Du Webbel, huppsa: Erinnerungen futsch! - Da hilft das nicht so intelligent zu sein wie das Konzil, die sparen nicht mit medicokraten Antipodien oder eigenen Gedenken, die verschreiben Dir auch gerne Atypisches! Ich bin doch keiner, der auch noch Lust hat ein römisch-katholischer Krete mit ´nem Lehmfuß und wässrigen Augen zu werden. Ich bin kein prellender Greis ohne Gefolgschaft. Sag mal, Webbel, kennst Du diese Wohnwagenkolonien an der deutsch-dänischen Grenze? Weißt du, was das für Leute sind! Ja, daran erinnerst Du mich gerade, da will eigentlich keiner enden.“
Webbel beißt in eine Kohlrabi, die seit gestern gekocht im nun kalten, trüben Topfwasser liegt, beißt in ein Toastbrot, das er auf Holzbrett und Koffer an der Wand in seinem Zimmer vorfindet, beißt in die Stulle, die seine Mutter ihm schmiert, als er zu Besuch ist, beißt in den Keks, den er vergeblich an seinen Tischnachbarn weiterreichen will, als er im Gemeinschaftsraum der städtischen Psychiatrie angelangt ist und daraufhin eine Tablette in die von dem Zivildienstleistenden mitleidlos hervorgezogene Unterlippe gelegt bekommt.
Webbel darf an Sylvester einen Pizzastand in der großen Festhalle seiner Heimatstadt betätigen und steht an diesem Abend gewinnbringend mit auf der richtigen Seite. Als die Pizza ausverkauft ist, wogt das Fest schon im Neujahr weiter. Webbel bemerkt von den oberen Rängen der gigantischen und mehrsäligen Festhalle aus die vielen Bühnen mit den Animateuren und Djs, Mcs und Orchestern, die aus unzähligen, großen Elektroniken ihre Promotion für das Neue Jahr auf die Tanzflächen schallen lassen. Ihm wird so ganz allein auf den hohen Rängen unheimlich zumute und Webbel geht in die Küche, um die in den Spülmaschinen gereinigten Gläser zurück in die Verpackungskartons zu tun. Die ganze Waschküchenluft ist mit schwülen Wasserdämpfen befeuchtet und Webbel ertönen die konischen Trinkgefässe je nach Größe verschieden,
oft touchieren sie oft mit leisem Klang
Er verbringt dabei mit einem Male Stunden, ohne dass ein Glas zerbricht.
Webbel steht auf und tritt ausgelaugt auf den Flur seiner Wohnung im achten Stock, er will sich drüben im anderen Raum auf das Bett legen,
denkbar, dass ich mich dann besser fühle!
Er nimmt den brennenden Kerzenstummel vom Tisch und tritt im zappendusteren Nassraum vor den Spiegel,
wer ist dieses grimmig verkniffene Gesicht ist, das sich mir gerade so verdichtet Leben und Sein ausleuchtend einflößt, wie albmemorativ und unbannbar für Fotopapier oder Pixel, hier spiegelt sich doch eindeutig ein imaginativ- futurdynamisches Ready-Made, werde ich das wohl ein Mal später und ganz woanders als Omen unter Omen kennen lernen?
hört Webbel sich fragen.
Webbel steht breitbeinig mit dem Gesicht zur Wand und stützt seine Hände erhoben an die Flurwand, er fühlt sich durchfilzt und zieht sich eine diaphane Strumpfhose über den Kopf,
Sonnenbekämpfung!
Er geht in die Küche, in der er mit einem Pendulum aus verwendeten Teebeuteln austarieren will, was ihn so verunsichert. Er setzt sich auf einen ausklappbaren Küchenstuhl und verknotet die Teebeutel am Faden miteinander,
nein, meine Hände zittern doch gar nicht!
Mittendrin bricht das Geräusch des Kühlschranks ab und beendet die Nachkühlphase,
Eso-Non-Sense!, keinerlei Wasseradern oder sonstigen elektroenergetischen Erdkalorien
Webbel weiß nicht mehr, was er eigentlich wirklich tarieren will,
Ehrfurcht!?
Er zieht den Stecker von dem Kühlschrank aus der Dose und bemerkt, dass dieser bis soeben Tag und Nacht, zirkulär in der ganzen Wohnung beim An- und Ausspringen zu hören gewesen ist,
der wird doch jetzt endlich aus sein, aber das kann es auch nicht gewesen sein, was mich so schubhaft durch die Nächte transformiert hat
Webbel wirft sich auf das Lager in dem Raum neben der Küche. Der Morgen beginnt. Durch das Fenster scheint die aszendierende Sonne auf eine Gummibaumpflanze mit tigerhaft schattierten, handgroßen Blättern, die auf einer Marmorsäule steht,
die Sonne scheint,
dann,
die Sonne scheint aufzugehen,
und,
macht nichts!
Einen Augenblick lang fällt Webbel zu diesem Schauspiel nichts Besonderes ein,
diese Härte!, diese brennende Unliebe einer aszendierenden, stellaren Ränke, das Kaleidoskop von Tag und Nacht so durchlöchern zu wollen und anstoßend Zepter zugleich! - diese entsittete Gedankenpolizei durchzieht Neugottesgrund wie der Lötkolben den Liter Quecksilber, wie ein Diamantschneider den Kiesel Quarzsand, der das Glas nicht wert wird
Webbel zieht sich an und kämmt sich die Haare,
weg mit der unter dem Einfluss von Zitronenwürze aufgehenden Meteorologie der Farben, dieser hoidischen und vorheidnischen Verworrenheit von Erde und Mond, König und Königin, Innen und Außen, Oberem und Unterem, der Ordnungen der Planetensysteme, aktiven und passiven Bewegung derselben, diese entflammte Sau beleuchtet auch noch dieses Wimmelbild von Raum und Verkehr, Wolke und Weltbank, nur wer astet, wird triumphieren!, nur wer sich verfloppt, hochtoppt!, in diesem abgründigen Scherbengericht des beginnenden Tages werde ich gleich einem Zwiebelschälchen Mikroskulptur in dieses limboide Kelipoth luxhenotischer Kakanien fallen, in diesen öffentlichen Befehdungen und denkmalstürzenden Disputen um Giga- und die zerbissene Nanosekunde die Anwendung von Winter und Sonntag auf die Hoffart dieses angezündeten Zentralgestirns verlangen!, dieser abfackelnde Pfuinancerstern terrorisiert sein entschlüsseltes Terrarium und seine, in unendlicher Aufgezogenheit autonom dienenden und befehlenden Gedankenpolizeistaaten, Wohnstätten, Zeremonienmeister und leviathanischen Parasiten, denen dieses flammende Hitzegeschmeiß…na ja, macht nichts!
Webbel glaubt,
jetzt wird es abends!
Er zieht einen graphiten Strich neben der Topfpflanze auf die marmorne Säulenoberfläche,
neulich
sagt Webbel sich,
der erste Strich zu einem Neulich, einem N davon, einem erneuertlichen Anfang von einem N
/
Webbel geht aus dem Zimmer, rennt aus der schon nachts unbewusst geöffneten Eingangstür in den Hausflur der achten Etage. Webbel geht los, ohne auf seine innere Stimme zu hören,
aber diese innere Stimme gehört sowieso nicht mir, Schatten werden zu Schranken vergangenen Lebens und bekommen schicksalhafte Bedeutung, wir werden mehr als einmal auf solchen Spaziergängen innehalten und neu geboren, gehst Du ohne Ziel, sei Dir sicher Dein Tod wartet!
sagt sich Webbel,
ohne Ziel wollte ich jeder Eingebung folgen, ob basierend im Hier und Jetzt oder im Dort und Später, das kleine Städtchen mit den Linien meiner Wege durchziehen, eine Zeit lang die natürlich fließenden Grenzen zwischen manischer Intuition, die wir in diesen Momenten als einzig wirkliche Freiheit empfinden und dieser wirklich wahnhaften Liebe zur Orientierungslosigkeit überqueren,
Das Gefühl der Befreiung durchströmt ihn schon ganz oben, als er sich aufmacht, die Tür hinter sich schließt und das Sonnenlicht bemerkt, das durch die Luken im Dach auf den Hausflurboden fällt,
solange ich gehe, bin ich!
Auf dem Hinterhof spielen Kinder Fußball auf der einen Hälfte des kleinen, mit einem braunen Holzlattenzaun von den Parkplätzen abgetrennten Feldes. Die andere Hälfte ist mit rot-weißem Bauband abgetrennt, auf der der Versuch einer Rasenbepflanzung ihren Werdegang vollzieht. „Na, alles klar?“, ruft der Junge aus dem fünften Stock Webbel zu und gibt ihm die Hand,
mir geht es prima und selber?
Die Unbefangenheit wirkt erleichternd auf Webbel, der anspruchslos nur der Ältere ist, was ihm der natürlichen Art von Respekt am nächst zu kommen scheint. Der Junge merkt, dass sich nichts Weiteres entwickelt, wenn er nicht Initiative ergreift. Webbel genießt den Moment des Älterseins, den er ohne Dank hinnimmt. „Tschau, wir sehen uns!“, sagt der Junge,
auf jeden Fall, bis dann!
Webbel geht weiter durch die schmale Ein- und Ausfahrt zu dem Hof in Richtung Straße. Er schreitet an dem Hauseingang und dem anliegend aufgebrochenen Zigarettenautomaten vorbei,
was hatte der Junge gesagt? - gehe ich den richtigen Weg?! ich bekomme immer wieder Kopfschmerzen davon, ob nach vorn aus dem Eingang oder durch die Hintertür in das Freie zu treten, vorn heraus bedeutet immer vorbei an einem Zeichen, einer Tür und durch einen kleinen Treppenflur, in dem die Zeitungen mit den Wohnungs- und Stellenangeboten auf dem Flurboden liegen, der dann stets direkt auf die Entscheidung zuläuft, nach der Tür links oder rechts?, wichtig ist, den ersten Weg richtigzuwählen, wenn ein wenig Inspiration aufglimmen soll
Als er sich sicher ist, weit genug von den Fenstern des Erdgeschoss entfernt zu sein, überquert er die breite, vierspurige Straße und blickt noch kurz zu den Fenstern,
hoffentlich bin ich unbemerkt geblieben
Webbel geht auf die große Eisenbahnunterführung zu
auf dieser Straßenseite scheint die Sonne, die Luft tut mir gut, sogar die Bewegung bereitet mir Freude
Webbel blickt einige, noch in einiger Entfernung stehende Menschen an,
ich habe mich gut gekämmt, das macht einen gepflegten Eindruck, ansonsten!, wie ich wohl wirke?
Er schreitet an den bei der Ampel Stehenden vorbei,
ich sehe gut aus, so wie ich bin
denkt Webbel, als er an ihnen vorbei ist,
allenfalls wie ein Entrückter oder ein gemachter Mann?
Eine Frau auf einem Fahrrad rollt die leichte Neigung der abbiegenden Straße herab und fährt, zwar blickerwidernd, aber nicht zu einem Gruß motiviert, an ihm vorbei. Webbel beschließt nach diesen doch grußlosen Treffen,
keine Menschen mehr anlächeln oder ansprechen!
So denkt Webbel. Er passiert das Haus einer wundersamen Eremitin,
angeblich gehört die zu den Toren der Intelligenz dieser alten Stadt!
„Harz IV wird Pershing Zwo,- www. meine Stadt.de!!!!!!“, schreit die in ihrem Haus, „nur Einer von Hundert hat´n PC!“
Webbel ahnt,
von den meisten Dingen, die im Sozialuterus der Kleinstadt so abgegangen sind, hat die nichts mehr mitbekommen!
„Außer dem Altrockerinnentum meiner selber als RAF-Sympathisantin und NPD-Parteibuchträgerin fährt mein Quäkerinnentum mich auf einer alten Ac/Dc-Scheibe, dessen Sänger bei mir eigentlich schon seit Jahrzehnten für seine Charles-Manson-mäßige Vulgarität durchgefallen ist, täglich hinab zu Skylla und Charyibdes.“, erklärt die Weisshäuptige. Webbel schwant,
bei der sind wir wohl Plutos Buddhisten auf den Sandbänken von B. und suchen Liebesgabenpakete
„Mein bescheidener Widerstand interessiert mich! Der führt mich dafür auch in die Supermärkte anderer Stadtteile. Jeden Abend vor dem Dunkelwerden stelle ich eine Kiste mit Plastikpfanddosen vor meine Haustür, höre dann Ac/Dc in meinem Haus. Ich frage mich seit zig Jahren, wieso der so singt? Wieder und wieder beschließe ich, dass dieser Sänger es gesellschaftlich zu nichts bringen wird. Dieser kotzige Schreihals klingt wie ein krimineller Gewaltiger.“, sagt die Alte und posiert präsent im Speisezimmer umher. „Eigentlich ist der ganz nach meinem Geschmack, “, sagt die und nippt vorsichtig an einem Bier: „aber wenn ich den einmal persönlich treffe, gibt es eine Schlägerei, dass weiß ich genau. Und vor morgenfrüh ist diese Kiste mit den Pfanddosen einfach weg entweder wegen der lauten Musik oder leichtfasslich, weil ich Recht habe damit, dass in dieser kleinen Stadt nur kriminelle Subjekte wohnen. Nichts zu machen, “, sagt sie sich: „obwohl die Kiste in achteinhalb Jahren noch nicht einmal verschwunden ist. Nichts zu machen, außer die Rabatten.“, in denen sie vor Webbels Augen eine Handvoll Unkraut jätet: „Ehrliches Ambrosia im Garten Eden. Mehr gibt es im ganzen Gelände nicht zu finden.“, erzählt sie Webbel: „Alfred Speer hatte sich keinen verdient. Der hat doch so einen guten Jungen gehabt, der ihn ja wieder rausgeholt hatte. Und dass die Riefenstahl am Ende so aussah wie der Kz-Wächter Friedrich Engel bei seinen letzten Prozessen, hat gar keinen interessiert. In die Gärten Eden der Deutschen stellen sie sich hübsch kleine Szenarien aus Tonzwergen hin, die mit den roten Mützen und weißen Bärten, gezogenen Messers, mit cholerischen Anfällen auf dem Gesicht, einäugig, thrombosebeinig oder im Rollstuhl, ein kleines, aufwertend dekorierendes Gemetzel für den Disput mit den Nachbarn, diesen beknackten Spießern!“, beschließt sie: „Die würden es nicht mitkriegen, wenn sie durch eine Arno-Breker-Ausstellung gehen, weil es da doch so imposant ist, wie bei den Tonzwergen im eigenen Garten. Ob nun mit oder ohne Zäunen zu den Nachbarn, aber diese beknackten Spießer sind Glubkewähler! Ah! “, sie zeigt Webbel die hochgewachsene Kiefer im Garten: „Ich werde sie sofort mit einer Trompete begrüßen, diese tolle Pflanze wächst und streckt sich wie das hohe Gras, aber wenn keiner anwesend ist, wird wirklich auch nichts passieren. Das wird halt nicht real, dass wir nicht existieren.“, behauptet sie gegenüber Webbel: „Ich erledige seit dem Tod meines Mannes alle Arbeiten selber, das ist jedoch kein Grund, auch nur einen Stein in das Fensterbrett eines anderen Menschen zu werfen. Das hast Du bestimmt schon oft getan.“, meint sie zu Webbel: „Das macht weiland dieses Monster in uns, dieses geile Wurstpferd, das auch in den Veden steht, das stampft so unerbittlich gefrässig: Traa-Raa, Traa-Raa.“, unvermittelt sagt sie: „So wie Du aussiehst, Mister Geldstein Jidmann, nehmen Deine Freunde alle Heroin. Nun mal keine Hast, jedenfalls bringen die Dir bestimmt dauernd etwas mit, dass sehe ich doch genau. Zeter und Mordio, aber ich will Dir nicht den Ring von Deinem Hals reißen, junger Hobbit. Indessen, prompt und preschend, “, sagt sie entschieden eigendünkelnd: „ist das irgendwie auch nicht.“ Die Alte setzt sich auf die Eingangstufen ihres Hauses und reportiert Webbel: „Die Notwendigkeit nicht zu loben, dass die einzige Kunst des Menschen seine eigene, zerbrechliche Weitsichtigkeit bleibt. Ich bin nicht Gottvater in meiner Pagode, aber der Eifer der Einzigen um ihr Eigentum erzürnt das Volk. Als Eremitin stehe ich im Bioklima von Generationen und Familien. Dieses von Gemüse durchzogene Neonthrönchen unserer herrlichen Pfauenstadt, mit ihrem migrierendem Neukleid und schönen Tüchern, wird durch diese gefräste Propaganda der Atomstreuimporte zu einem nuklearen Architekturklo gemacht. Dieser Kommerz ist unverfälscht Landfriedensbruch.“, ruft sie: „Ein apokalyptischer, kleptomaner Saurier, der einem zufrieden schon in das Tagebuch geguckt hat oder, schlimmer noch, heimlich den Code zur E-Mail-Adresse knackt. Nein, ich komm nicht drauf,“, meint die Weisshäuptige und steht auf: „Diese Neugierde einer auf Gemütspionage getrimmten und mit geschlechtsmetaphysischen Klischees blockierten Ämterbesatzung.“, sie hält sich einen imaginären Hörer zur Verdeutlichung an das Ohr: „Nimmt tatsächlich keiner mehr ab bei den Anthroposophinnen von ihrem, nicht-technisch gehobenen oder haben die nur noch drei Tage die Woche Publikumsverkehr seit ihrer Palastrevolution per Ausleseprüfung? - Platz Zweiundzwanzig von zweihundert, geprüften Bewerberinnen bei vierundzwanzig Lehrstellen. Ja, herzlichen Glückwunsch zu ihrem sozialistischen Sekretariat. Zu dem Einbürgerungstest? - Ach, in Büro Vierzehn bei den Herren Zivilbeamten von ihrer Kripo-Ausländerbehörde vielleicht! Auf Ihrem Schild steht doch `Treppenhaus´, allein wo genau fängt das denn an? Wie bitte? - Zumal auch noch eine Nummer ziehen, klicker, klicker, ssst, ratsch, oh, die Nummer Siebenhundertzweiundsechzig und dazu synchron auf der schleppendsten Lotterieuhr der digitalen Arbeiter- und Amtsgeschichte, Sechshundertelf. Zwei Arten der reinen Buttermilchhoffnung, entweder das Ticket mit dem kleineren, solidarischeren Nenner zu finden oder in einem berauschenden Klangkonzert die Tonverabreichung von der Sechshundertachtundsiebzig bis zu der Sechshundertdreiundneunzig. Die phänomenal tonale Hymne in derselben Klangart, ein achtzehnfaches Gongen von der Siebenhundertvierundvierzig bis zu der Siebenhundertzweiundsechzig, zig schon vorher geflohenen Geschöpfen zu dem Dank verpflichtet für dieses berauschende Vereinzelungserlebnis, DingDong, DingDong, Platz Elf und los, dawai dawai zu der rabotei, vorbei an dem dritten Sicherheitsbeamten, den mit eingerechnet, der oben beim Arbeitsberater im vierten Stock die Fenster geschlossen und auf Kipp gestellt hat: `Kann ich nicht kontrollieren, ob Sie die nochmals öffnen, wenn ich weg bin.´, zu Platz Elf: Bitte!, einen Termin für den Sozialbearbeiter, der sich heute schon den ganzen Tag für mich wund gearbeitet hat! - Nebenan im Gerichtsgebäude hatten sie gerade eine Rentnerin entfernt, die mit der Handgranate in der Vorhalle stand, weil ihre Sache nicht gut lief oder angeblich schon abgeblasen war.“, die Weisshäuptige zieht eine Handvoll Wartebillets aus der Tasche, wirft sie in die Luft und legt den imaginären Hörer neben sich auf einen steinernen Pinienzapfen am Treppenabschluss ab: „Ich hätte ein Stück rohes Fleisch mit Kot in eine Hakenkreuzflagge wickeln mögen, um diesen ehemaligen Psychiater, diesem Herr Dr. Schmidt, mit der Behauptung zu erreichen, eine spontane Zufallsnotiz meiner konnotierenden Fähigkeit und Bereitschaft schreiben zu können, fände darin Protokoll. Dann wäre wieder einmal allen gedient: jedem Therapeuten, der betreutes Wohnen braucht, jeder Wohnungen vermietenden Akademikerin, die für ihre Gralsbotschaft catchen geht, jeder Berufsfindungstrainerin, die die bösere Chefin machen will, jeder schutzbefohlenekujonierenden Armutspflegerin auf einem Motorrad, jeder Professorin, die sich als antifaschistischere Wir-Beraterin doziert, jedem Gerichtsvollzieher, der sich für DEN HIRTEN hält: `Gehören Sie zu meinen Leuten?´, jedem Macherverwalter und lötkolbenhaltenden Fernsehmechaniker oder Sondenbauer, der seinen Sohn noch zu dem Psychiater geschickt hat, damit der die Schule schafft; - und nach fünfundzwanzig Jahren endlich mit Bild im Heimatblatt stehen: `Geschafft, Meisterbetrieb und der Sohnemann studiert in Berlin! ´; diese ganze Liga aus gekränkten Ex-Senatoren, Chanukkasabbatisten und ehemaligen Liebhabern, die wegen der objektiv historischen Konstellationen der Vergangenheit kein Parteibuch mehr wollen, gleichwohl kommunal voll einsteigen und ihr kleines Städtchenparlament durchregieren, einfach so - rein in den Staat. Bismarck hat das allen gezeigt, der adlige Jongleur der europäischen Innenpolitik, den Zaren zertreten für Willhelm Zwo und den Beamten die Tischhöhe befehlen, was wir nicht gerade die spirituelle Reise des kleinen Prinzen durch den Kosmos seiner selber nennen. Aber seine Adelskrankheit bricht konsequent mit der demokratischen Paulskirche von Frankfurt, die er auch ganz ordentlich um die europäischen Dörfer geschleift hat für Bang, Büchse und Wotan. Da haben sich Stier und Bär auch `Gute Nacht!´ gesagt und den Geist des ersten preußischen Leviathans und Dieners des ersten Vater Staates geatmet, welcher Freundchen Stier wohl öffentlich erschiessen ließ, damit Söhnchen Bär noch etwas begreift in diesem Leben. Der ganz große, rassenstolze Phantomschmerzfriedrich Nummer Eins hoch `große Partnerschaft´ ins Quadrat für alle Hindernisse und Stolpersteine beseitigenden Mechanismen auf dem Weg in das Dritte Reich, die heute auf den Straßen das Gold fürs neue Jerusalem sind, in dem Lütskalv endlich nicht mehr zwischen Handwerk und alteuropäischem Humanismus zu einem dadaistischen Arschputzpapier gemacht wird. Dieses dicke, dumme Wurstpferd. Füttert das Monster nicht mit Zigaretten, sondern mit kaputtgefahrenen Automobilen. Der ganze, schlohe Turm wird genauso statisch reaktionär und fluktuierend konservativ auseinanderfallen, bis die Weitsicht entkoppelt aus ihm hervorrollend zwischen den am Hügelende lagernden Heeren durchkullert. Das eine Heer blind von der Weißheit ihrer Haare und das andere starrsinnig von dem sendenden Rot ihrer neuen Ewigkeiten Bibabutzemanns Republiken zu gründen, die doch bekanntlich allesamt verderbliche Ware sind.“
Webbel schwingt sich auf, gleich aus einem Wohnwagen ohne Heizung im tiefsten Winter, in dem jemand sich aus einer dezibellaut übersteuerten Anlage Krach zuschallen lässt, um sich am Einschlafen zu hindern,
die Dummheit der Genien hat auf Erden mehr guerriert, als die Schwerkraft im gesamten Universum
denkt Webbel und geht.
„Am Licht wächst das Auge und an der Weite Vollendung, am Raum wächst das Ohr und an der Weite Vollendung, an Energie, Masse, Elektron und Schwingung wächst der ganze fühlende Leib, riechend, schmeckend und an der Dauer Vollendung. Wer seinen Groll zügelt und weiß, dass ihm zu folgen Ungewissheit bedeutet, der wird nicht milchbleich erschrecken. Du psychopathisch gestörte Drecksau, feier doch Hochzeit mit Deinen Bunnies! Du schwule, katholische Drecksau! So was wie dich sollte man…!“
Webbel kommt in die Straße, in der die Redaktion liegt,
die habe ich heute noch gar nicht aufgesucht!
Webbel betritt den hölzernen Vorraum der Zeitung, an den ein Kaffeehaus angekoppelt ist, geht an dessen Eingangstür vorbei zu dem hinteren Teil der Redaktion in einen großen Raum,
ein Volontariat hatte ich noch nie gemacht!, obschon den Zivildienst nach der Schule bin ich angetreten, doch der ist nicht richtig freiwillig gewesen, um den komplett zu verweigern, hätte ich einen Anwalt von der revolutionären Juragruppe `Rote Pazif´ gebraucht, die mir auch den Prozess dazu gesponsert hätten, mit Publicity und Prominentwerdung, - ein Propagandamartyrium sondergleichen!, hm, dort steht der Bürotisch des Chefredakteurs, der mit dem Gigabyte mehr auf der Platte
Direkt gegenüber ist eine Fensterreihe, die zu dem Steingarten hinausführt, in dem gerade ein paar Frauen an verschiedenem Gemüse putzen, um dieses küchenfertig zu machen,
die Kantine von dem Café ist immer so lecker
Aber ausgerechnet heute bekommt Webbel keinen Teller Mittag ab. Webbel hat die aktuelle Versammlung verpasst, in der alles Weitere besprochen worden war. Da er unvermutet zu spät gekommen ist, besetzen auch schon andere Straßenverkäufer seinen Arbeitsplatz,
in diesem Betrieb herrscht immer ein Kommen und Gehen, die neue Ausgabe ist schon seit ein paar Tagen mit den Händlern unterwegs und alle sind daran gegangen sich Inspiration zu verschaffen, welche Themen als nächstes zu schmieden sind und welche Termini noch Erkenntnis vernetzten, in diesem Trubel will ich eigentlich rechtzeitig aufgetaucht sein, die Arbeitsplätze sind beliebt, nicht nur der Verkauf der Ware auf der Straße, sondern auch die Erstellung und Kreierung eigener Seiten, die abzutippenden Berichte von den Verkäufern und Verkäuferinnen, zu installierende Werbung
Webbel beschließt sich einen Weg in den Steingarten zu bahnen, in dem jemand schon den ganzen Tag über Schieferplatten verlegt,
der sitzt allerdings gerade im Café und erfreut sich an einem Feierabend, der Garten ist nicht groß, wir teilen uns das schon ein, wenn es wenig zu tun gibt!
Webbel betrachtet die Schieferplatten,
die liegen ganz gerade verlegt
In der Mitte des Steingartens steht ein alter Eingang zu einer Art Bunker, der sich sehr flach gemauert, steil und schneckenförmig windet als eine Eleyson in den Keller windet,
eine Warze Beton mitten im Steingarten, auf der ein paar Topfpflanzen stehen
stellt Webbel fest und kann aus dem Stand auf den breiten Sockel hinaufspringen. Die Schüsseln mit Geschältem sind noch darauf abgestellt. Durch die geöffnete Hintertür hört er aus dem Küchenraum ein angeregtes Kochen. Zwischen chromen Küchenmöbeln wird das Zubereitete hin- und hergetragen und in große Edelstahltöpfe versenkt. Von der Küchendecke hängt an unzähligen Haken jeglicher Größe allerlei Gerät, das beim Angestoßen-Werden leise klirrt. Die ersten Dämpfe steigen aus den Pötten und quellen durch die Herdnischen, die Spülmaschine läuft bereits mit rotierendem Sprühgeräusch,
Spektakel und Verhängnis!, sogar bei dem fortwährenden Betrieb in der Redaktionskantine des Cafés werde ich heute tatsächlich nicht gebraucht, die Küche ist offensichtlich voll ausgelastet
bemerkt Webbel an der offenen Küchenhintertür und löst sich von dem gastronomischen Konzert. Gegenüber in der Mauer realisiert Webbel ausgestoßene Steine, die in einem großen Stahlcontainer aufgeschüttet liegen zu Schutt und Raum geben für ein komplettes Hoftor,
gegenwärtig droht kein Verhängnis, wenn wir an das Hoftor schlagen, nicht wie in diesen Geschichten, bei denen ein kleinstes Klopfen eine Heerschar bewaffneter Raubritter heraustoben lässt oder die ganze potemkinsche Fassade ländlich und einrahmend umfällt, auch ein Schmetterling kann mit seinem Flattern das Wetter der ganzen Erde beeinflussen, aber die Menschen sind wohl offensichtlich nicht so chaotisch, wie diese Frühlingsboten mit ihren Stürmen!
Webbel geht beim Durchbruch aus dem Garten und passiert den Container mit dem Schutt,
wenn ich momentan nicht gebraucht werde und auch nicht volontär, dann passiert der Tag, wenn, geschieht das Gegebene ereignisreich
Webbel fühlt,
jetzt wird es Nachmittag, einer von diesen Nachmittagen, der seit sechstausend Jahren den verdorrenden Zeniten folgen will, um die Menschheit auszutrocknen, ich will an den Fluss gehen
Webbel quert in den nächsten Straßeneingang, in dem ihm unvermittelt eine Karnevalsmusik entgegentrommelt, die von weit aus dem Ende der Straße heranschallt. Er erreicht den Umzug, als dieser fast vorbei in einer Nebenallee verschwunden ist, und sieht schon einen der letzten Wagen, auf dessen Ladefläche unter Plastikplanen schwarzvermummt Kostümierte eine Art improvisierter Musik üben. Ein Mädchen an einem Megaphon zitiert Texte, die sich Webbel nicht gleich erschließen. Sie scheint unentwegt die Namen von Feier- und Festtagen zu verkünden, die schon vorbei sind oder dieses Jahr noch gar nicht stattgefunden haben. Sie beschließt bei jederlei erwähntem Feiertag zu sagen, dass dieser heute auch gar nicht sei. Sie rezitiert erneut einen Festtagsnamen. Die Musiker intonieren ein festes Thema, das sie repetieren und wippen mit ihren vermummten Körpern, von denen Webbel nur die Augen sieht. Die Sängerin psalmodiert: „Wegen der Wiedervereinigung vielleicht.“ Webbel bemerkt, dass eine Hundertschaft Beamteter mit Schlagstöcken, Großkalibrigem an den Gürteln und gezogenen Helmes unter den Armen dem Wagen in scheinbar vorgeschriebenem Abstand hinterherzutrotten scheint,
als Schlusshut, sozusagen geschlossen als Pulk und eher verdammt zum Zuhören, sogar irgendwie auch Eingeladene zu einem freien Festival zugleich
Der Jazzrock vom Planwagen wogt weiter.
„Nein!“, spricht das Mädchen in das Megaphon: „Auch nicht wegen des Führergeburtstages. Aber das wird nicht wichtig. Kann ja auch wegen des Welt-Aids-Tages sein.“, vermutet sie singend. Webbel hört die Lyrik des Tages an sich vorbeiziehen,
weswegen eigentlich wirklich?, ich habe auch gerade keinen Kalender zugegen!
Webbel läuft zügig an dem Umzug entlang zur Spitze, um an der Front eine Avantgarde mit beschriftetem Plakat zu suchen, das darüber Aufschluss geben kann,
bestimmt bekomme ich heraus, was diese autonome Versammlung hier momentan bedeutet, vielleicht Frühlingsbeginn!
Doch auch dort nur Wagen, aus denen Musik und Rhetorik hervorbricht. Von einem berichtet eine Jungenstimme Zuhörenden: „ ….und des Krieg sie essen, des Mut sie stehlen. Der Polizeistaat und die Logik des Kapitals manifestieren weiterhin Unterdrückung und Ausbeutung!“
Die Stimme des Jungen scheint nicht älter als die eines Zehnjährigen. Webbel versucht zu erspähen, wer spricht, aber auf dem Wagen, dessen Ladefläche mit Zeitungen collagiert ist, kann er niemanden entdecken: „Die Globalisierung bricht nicht mit den Grenzen alter, imperialer Strukturen. Die freie Migration hat die Monopole der Koexistenz von Privilegierten und Eliten, Etablierten und Vorrechtlern zu assimilieren. Statt traumatisierender Flüchterei - wirkliche Reisefreiheit für alle. Wir haben uns in die Produktionsverhältnisse der Weltrevolution zu integrieren und mit der arbeitenden Bevölkerung zu solidarisieren, “, ruft die Stimme den Anwesenden zu: „Der intellektuelle Staat verbrüdert sich gegenwärtig doch nur mit der Vergangenheit, das Volk artikuliert seine Meinung eh nur auf dem Fußballplatz. Ansonsten horten die kapitaldynamischen Klassen weiter, bis sie reich genug sind, sich auch noch bedienen zu lassen. Das ist die Koexistenz der zufriedenen Herren, der zornigen Männer und grauen Eminenzen. Sammeln statt handeln! Scheren statt Akten! Archivieren statt machen! Bürokratien haben keine Hautfarbe, Parteien keine Konfession, Weltkultur muss nicht alteuropäisch sein, Lebensfreude kennt keine Historie!“, erklingt die Stimme aus dem bedacht dahinziehenden Wagen. Webbel weiß nicht weiter,
das ist hier doch zu ergreifend
Auf einem Transparent leuchtet ein Symbol. Webbel merkt auf,
zwei Männer oder ein Wesen mit, letztmöglich, zwei Frauenköpfen, hm, ein siamesisches Krokodil, das in einem roten Fluss schwimmt oder Geldeintreiberinnen mit Baseballkeulen vor kryptischen Bunkerrunen, nein, so darf ich mich tatsächlich nicht gebärden, als ob ich ganz betulich im Schloss einer mystagogen Halbgottheit aufgewacht bin, die dem Volk Demokratie gewähren will, um dann auf ausgemusterten Flugzeugträgern Logbucheintragungen zu studieren
Webbel schwenkt in den kleinen Park, der rettend mit einem Sandweg einlädt und setzt sich auf eine verwitterte Holzbank. Während die Sambatrommeln des Umzugs allmählich verklingen, beginnen Jogger und Joggerinnen, Runde um Runde im Park zu drehen. Sie laufen reihenweise, sich unterhaltend an Webbel vorüber, entfernen sich zu den hinteren Gehwegen des Parks und kehren zurück, sich scheinbar immer neu formierend. Ein eindeutig älterer Mann setzt sich neben Webbel und knistert bedeutungsvoll mit einer Plastiktüte, aus der er eine Dose hervorzieht, faltet die Tüte vorsichtig und legt sie knisternd neben sich auf die Bank. Eine bunte Gruppierung Joggender trabt heran. Webbel erzittert an der beginnenden Abendkühle. Die Dose öffnet sich geräuschvoll. Webbel steht auf und beschließt zu Aris Imbiss zu gehen,
der Nachmittag ist gelaufen, passiert sozusagen, gerade gegen Abend kann ich bei Ari Hekmek jedenfalls ruhig nachdenken
Auf dem Weg dorthin begegnet er einem bekannten Pessimisten seiner Heimatstadt. Wie zufällig steht der, recht verdrießlich dreinblickend, vor den Ruinen eines alten Hauses und hält eine Reihe von Wachs- und einen Weichplastikohrstöpseln in den Händen, die er sich gerade aus den Ohren gezogen zu haben scheint. Webbel, eben auf der Straße noch in den Abwägungen statt Ari Hekmek Imbiss, den Einkaufsladen an der Ecke aufsuchen zu wollen, tätigt beim Erblicken dieses prestanten Mannes die Überlegung,
…ob vor oder hinter diesem entlang?
Webbel erscheint das von außerordentlicher Wichtigkeit,
oftmals entscheiden solche Feinheiten über das Gelingen einer Begegnung
Rastlos im Abwägen nähert sich Webbel dem Menschen auf einige Schritte, als dieser ihn unvermittelt anblickt. Webbel hält es augenblicklich für ratreich, einen
Guten Abend!
zu wünschen, um der Höflichkeit der Begegnung zu entsprechen. Die Entgegnung stellt sich als eine günstige heraus, auch wenn Webbel an diesem Abend überhaupt kein weiterer, guter Gedanke zu diesem einfällt. Jener entgegnet ihm nicht und hinterlässt Webbel nichts, als die Befremdung gegrüßt zu haben,
auch der beste Kerl der Welt spekuliert nicht mit dem Rings
Erst als er nach dem verlegenen Weitergehen dann vor Ari Hekmek Imbiss halt macht, streift ihn eine Ahnung. Er tritt ein und bestellt,
einen Tee und Pommes zum Mitnehmen, bitte
Webbel beginnt dem Koch, dessen Name Ari Hekmek lautet, bei seiner Arbeit zuzusehen. Ari Hekmek vollzieht ein Ritual schneller, geübter Griffe. Kurz geht er in die hintere Küche, um etwas Besonderes zu holen, erscheint aber sogleich zurück. Die restlichen Plätze sind fast leer, mit Ausnahme zweier, junger Mädchen, die offenbar kichernd ihre ersten Zigaretten rauchen und einem alten Mann, der stoisch über seiner Flasche Bier in eine Zeitung blickt. Sein Kopf scheint zu qualmen, aber Webbel bemerkt die Pfeife in seinem Mund. Ari Hekmek dreht sich um, ruft die albernden Mädchen zu sich, die schnell ihre Zigaretten ausmachen und schüchtern an den Tresen treten, gibt ihnen ihre Bestellung, kassiert und dreht sich wieder um an seinen Herd, als die Mädchen den Imbiss lachend verlassen. Webbel bemerkt die Regale, die unterhalb der Decke angebracht sind, in denen zerlesene Buchexemplare stehen, große Bildbände und Romane. Er zögert und fragt,
ob ich mir die Bücher mal ansehen und vielleicht in das eine oder andere hineinlesen darf
Ari Hekmek wendet sich um, kommt hinter der Theke hervor und geht mit Webbel zusammen zu den Regalen. Dabei fordert er ihn auf, sich die Bücher anzusehen und, wenn Webbel Geduld habe, darin zu lesen.
„Dafür stehen sie ja hier, “, sagt Ari Hekmek, „auch wenn selten ein Gast hinter der scheinbaren Zier den Wert erkennt.“
Webbel dankt und fängt an, die Buchrücken zu studieren. Er entdeckt einen Bildband über Pablo Picasso, den er herauszieht. Das Buch zeigt eine Ausstellung des Künstlers in seiner Heimatstadt. Angeregt blättert er in dem Band, der Skulpturen zeigt, und verharrt über einer Abbildung, die ein auf langstieligen Beinen stehendes, in Gold gegossenes Pferd darstellt. Vom Nachbartisch ertönt eine Stimme zu Webbel herüber.
„Sehen Sie, ich bin Arzt in einem Krankenhaus. Ich schneid die Leute auf, hol etwas aus ihnen hervor oder pack etwas andres hinein, dann näh ich sie wieder zu. Und nach Feierabend sitz ich hier gelegentlich und trink Kaffee oder rauch eine Pfeife. - Was gibt es denn noch zu erzählen? Wir haben die Schwerkraft. Eine Tasse fällt auf den Boden, auch wenn Sie sich auf den Kopf stellen und falls Sie ihren Finger zwischen die Tür legen, tut der Finger weh.“
Er trinkt einen Schluck. Bevor Webbel etwas erwidern kann, sagt er: „Eine Kette ist immer so stark, wie ihr schwächstes Glied.“
Webbel schaudert, er will der Stärkste, der Erste und der Schönste sein.
„Gucken Sie sich die Leute gegenwärtig doch genau an, die laufen ein Leben lang wie die Hamster in ihren Käfigen und sind auch noch blind wie die Schleichen, können sich nicht mehr an die Augenfarbe ihrer Ehefrau oder ihres Ehemannes erinnern, noch wissen sie von der Maserung auf ihrer Tapete zu Hause. Das ist jedoch die Wirklichkeit, oder?!“, ihm geht die Pfeife aus. Er beginnt, sich eine Neue zu stopfen. Webbel schweigt, während der Alte nochmals murmelnd sagt: „So ist doch die Realität, ja sicher.“
Er nimmt seine Zeitung auf und vertieft sich darin. Ari Hekmek ruft von seinem Tresen, ob Webbel hier oder außer Haus essen wolle. Webbel steht an dem Tisch des Arztes auf, wünscht noch einen schönen Abend und geht zu dem Tresen,
zum Mitnehmen, bitte
Ari Hekmek packt das Essen in Papier ein und überreicht es Webbel. Der zahlt und geht. Draußen auf dem Rückweg erblickt er auf der anderen Straßenseite den pessimistischen Herrn, geht hinüber und fragt diesen mutig nach seinem Befinden. Dieser glotzt ihn an, als ob er knurren will, greift nach Webbels Packet, entreißt es ihm und knurrt ihn zudem dann doch so laut an, dass Webbel davonläuft. Vollkommen außer Atem erreicht er die Eingangstür seiner Mietskaserne,
Fußball spielen wäre wahr gewesen
erinnert sich Webbel und tritt zur Eingangstür hinein, vorbei an den Zeitungen, dem Zeichen, die kleine Treppe hinunter zu dem Hof, in dem die Kinder auf ihrer Rasenhälfte wieder Tor spielen.
Nachts hat Webbel einen Traum. Ein metallenes Pferd fängt an, ihn traumgleich zu einem Baum der Erkenntnis zu tragen, der sich vor ihm auftut; ein vielwegiges System von Kether und Malkuth. Webbel konzentriert sich und versucht, die Bedeutungen der verschiedenen Stationen auszubalancieren. Als er für jeden der Punkte eine Vorstellung entwickelt, verschwindet das Bild. Webbel sitzt im Imbiss. Das Licht hat sich verändert, es scheint nur noch aus Farben zu bestehen. Webbel sieht eine Gestalt hereinkommen, die er sehr gut kennt, ihr Gesicht ist fohlenhaft, mit langem, rotem Haar, das als Zopf aus dem Hinterkopf wächst; ein glühendes Horn steht auf der Stirn. Die Schultern sind mit einem Tuch aus diversen, gelben Mustern bedeckt, der Kopf mit einer alltäglich anmutenden Bedeckung, wie Webbel sie nur aus Nepal kennt. Ari Hekmek ist auch verwandelt, ist preußischblauer Körper in flimmernder Bewegung garnelengleich mit Rüssel und Fühlern, die ihm aus dem Kopf gewachsen scheinen: „Sie wünschen?“, schnäuzelt Ari Hekmek hinter dem Tresen. Das Einhorn bestellt aus dem Gedächtnis: „Zweimal Paranoia mit Orientierungslosigkeit, dazu ´ne schöne Ladung Selbsterkenntnis! Und die Rechnung ohne die Wirtin, bitte!“
Ari Hekmek wendet sich um und geht flink zu Werke. Von hinten kommt der alte Mann an den Tresen, wie eine Schildkröte streckt er den Hals hervor. Sein Kopf raucht tatsächlich, jedenfalls ist alles schwadenerfüllt: „Erdnusscreme, bitte.“, sagt die Schildkröte und schlackert mit den Halsfalten.
„Sie sollen doch nicht soviel davon zu sich nehmen.“, ermahnt Ari Hekmek ihn. „Erdnusscreme, bitte.“, sagt die Schildkröte erneut, blickt zu dem einhornigen Wesen und sagt: „Der beste Stoff, der zur Zeit auf dem Markt ist.“
Ari Hekmek kommt hervor und bringt der Schildkröte eine Portion Erdnusscreme aus der Küche, mit der sie an ihren Tisch zurückkehrt. Ein genüssliches Stöhnen hallt durch den Laden, als sie davon kostet.
„Sie sitzt bei mir Stunden an einer Portion Erdnusscreme.“, sagt Ari Hekmek. Das Einhorn wendet sich Richtung Webbel und wünscht einen: „Guten Abend!“
Ein grünlicher Schatten reflektiert auf dem, in gelben Tönen, gemusterten Tuch. Webbel antwortet nicht und ringt nach Luft, ist fast so beklemmt, dass er sich nicht traut, seine Stimme zu erheben oder gar an sich herunterzusehen. Das Einhorn tritt an ihn heran, immer näher kommt sein glühendes Horn. Webbel, den mit einem Male wohlig, warm und lichthell Kraft durchströmt, findet sich zu seiner Surprise vor dem alten Mann mit Pfeife stehend wieder.
Das Ungelenk
In H. fährt Webbel seine Gewissheit für ein Ziel in einer U-Bahn für immer davon. Webbel steigt ohne seinen Koffer aus, dreht sich um und beobachtet die Leute beim Einsteigen, sieht seinen Koffer noch, als die Türen sich schließen und die Abteile sich in Bewegung setzen. Webbel fällt auf,
oh, ich habe mir die Wagonnummer nicht gemerkt, aber die kreisen doch eigentlich in ihrem Netz und nach einer gewissen Dauer muss doch dieselbe Bahn mit demselben Wagon genau da, in Höhe der Anzeige zum Stehen kommen, die Hydrauliktüren werden sich nach links und rechts aufstemmen und, wie verschwunden- so gefunden, wird er wieder auftauchen!
Ungezählte Male oft halten Wagons in Höhe der Anzeige. Webbel beschäftigt sich mit einem Pappbecher Kaffee ohne Zucker, tappt ein wenig den Bahnsteig entlang und tigert zu dem offenen Koffeintresen zurück. Er äußert die Frage,
worauf wir hier warten?
und blickt sich um. Webbel beginnt nun, sich jede der Wagennummern zu merken, die in seiner Höhe an dem Bahnsteig hält,
wenn eine doppelt kommt, ohne dass der Wagen mit dem Koffer dazwischen auftaucht, kann ich auch niemandem erklären, warum ich hier warte, aber nicht einmal das passiert, keine Wagennummer wiederholt sich
Webbel verlässt den Bahnsteig,
den Tag durchlebe ich in der Odyssee!
Am Hauptportal begegnet er einem Mann, der nach einem Groschen fragt: „Um zu telefonieren, bitte!“, sagt der. Zwei von seinen Bekannten, die sich dazugesellen, wollen auch einen. Webbel gibt allen beiden einen Groschen,
alle, die auch noch einen wollen, gruppieren sich dazu bitte um uns herum
Als keiner mehr kommt, geht Webbel Richtung Zentrum,
ich will warten, bis die Banken öffnen, um in einer Filiale meines Unternehmens Zugang zu dem Hauptkonto zu bekommen.
Gegenüber der Filialbank, die noch nicht geöffnet hat und deren Angestellte peu a peu eintrudeln, steht ein Mülleimer; als Webbel hineinblickt, entdeckt er eine Getränkeflasche, die halbleer und verschlossen darin liegt. Vorsichtig nestelt er den Weichkunststoff-behälter aus dem Mülleimer, ohne ob der Vorbeigehenden zu erschrecken. Mit einem lauten `Pffftlop´ öffnet sich der Drehverschluss,
bei der Morgensonne!
Dämpfe steigen aus der Öffnung. Als er hineinblickt, moussiert und sprudelt alles recht pelzig und gegoren vor sich hin. Er schwenkt den Recyclingpokal mit dem Gebräu, verschließt ihn dann doch wieder und stellt die Flasche zu sich auf den Fußgängerweg. Webbel legt sich in Bauchlage daneben und hat die automatischen Bankschwingtüren genau im Blick,
gleich wird die reguläre Öffnungszeit in Kraft treten und die allmorgendlichen Besucher durch ihre Pforte hereinlassen
Ein Auto fährt heran, parkt an dem Straßenrand und versperrt ihm die Sicht. Webbel robbt ein wenig zur Seite und beobachtet weiter. Die Türen öffnen sich für den Publikums- verkehr. Webbel springt auf, geht über die Straße, hinein in den Tempel. Er durchquert eine große Eingangshalle und betritt die noch größere Kundenhalle, um sich an einem Tresen nach einer Auszahlungsmodalität für sein Konto zu erkundigen. Ein herbeigeholter Bankbeamter nimmt Webbels Ausweispapier und verschwindet in den hinteren Büroflächen. Er kommt kurz darauf zurück und erklärt: „Das wird jetzt - so mir nichts, dir nichts - nicht möglich.“
ich fühle mich wie ein Kuriositätensammler, der DEN FUNK nicht entschlüsseln kann, die Unterschrift wird doch alles bezeugen und beweisen, ein Telefonat mit meiner Heimatfiliale wird doch ausreichen, ich bin doch dort bekannt auf meiner Bank
Unverrichteter Dinge zieht Webbel ab. Erst aus dem marmornen Kundensaal und dann durch die Eingangshalle hinaus auf die Straße. Vor den Schwingtüren wird Webbel beinah von einem Pferd umgeritten. Der junge, stadtbekannt werden wollende Student B. Eugla hat offensichtlich sein Vieh aus dem von vaterschlosseiten her finanzierten Stall geführt, welches er damals schon bei D. in die Elbe gesetzt hatte. Webbel erinnert,
acht Meter freier Fall und ein Haufen verletzter Passanten auf der Promenade
Eine Fotographie flattert vor Webbel zu Boden. Er bückt sich und hebt sie auf,
hm, das Bild einer ungefähr sechzehnjährigen Mutter, hochschwanger und ein buntes Mövenpickeis in der Hand, im Hintergrund der Bau des Wasserturms, auf dem gerade die zweite, eiserne Schale eingefügt wird, lauter Kräne, die die untere und obere zu einem Überlaufsystem drapieren
Berthold Eugla ist vom Pferd gestiegen und tritt an Webbel heran. Er will sich entschuldigen und vielleicht sogar die Photographie seiner Mutter zurückverlangen. Berthold Eugla verweist auf den Hintergrund des Bildes und erklärt: „Rings um diese Baustelle ist der heute noch beformelte Pegasus Park, Rock it Freudenstadt, bestellt mit diesen Pegasus-Spark-Maschinen, graniten Pferden, bronzenen Hirschen und Beaglen aus Holzschnitzwerk, angeblich soll der ja an eine Fuchsjagd der Partnerstadt Arveston von 1834 erinnern, die eine gewisse Mrs. Sarah Passit damals mit einer Trooper Machete geschwind beendet, als sie amazonisch von ihrem Pferd springt und in einem elfischen Hatzfieber siebzehn der neunundzwanzig Jagdhunde, sämtliche apportierten Fasane und Rotfüchse nachträglich zu Kadavern zerhackt, woraufhin die Jagdgesellschaft ein besänftigendes `Oh, no, Mylady, not our hunting dogs!´ - Hornkonzert anklingen ließ, um den allgemein entstandenen Aufruhr in andere Bahnen zu lenken, und Mrs. Sarah Passit dann überwältigt wird, als sie versucht, dabei ihr eigenes Pferd abzuschlachten, was ihr zum Glück nicht gelang, denn den Anblick eines zugrunde gerichteten Reittiers hätte die Jagdgesellschaft Arvestons schlicht nicht dulden können.“
Auf einer Stadtbank schläft ein Clochard im warmen Sonnenlicht des Vormittages. Webbel nähert sich vorsichtig dem Schlafenden. Webbel entdeckt noch zwei Zigaretten in seiner Jackentasche und klemmt der von ihrer Bank herunterhängenden Männerhand eine zwischen Zeige- und Mittelfinger. Webbel gibt der Zigarettenspitze des Clochards mit dem letzten Schwefelholz einer daraufhin leeren Streichholzschachtel Feuer. Die verbliebene klemmt Webbel sich in den Mundwinkel und lötet dann freihändig mit Bedacht von der Glimmenden die spendierende Glut auf die eigene. Er blickt auf den simultan schlafenden und rauchenden Clochard und geht dann weiter, um in Ruhe allein zu Ende zu rauchen. An einem Hoteleingang bleibt Webbel stehen und betritt das Etablissement, um sich an der Portiertheke nach einer neuen Packung Streichhölzer zu erkundigen, die dazu meist in großen Behältern deponiert sind. Stattdessen gibt es eine Schale mit auffällig kleinen Äpfel, von denen Webbel sich
einen, zwei,…?!
mitnehmen darf. Kurz entschlossen greift Webbel die verabredete Menge aus der Schale und tapst ein wenig auffällig im feudalen Foyer umher, aber die Rotationsschwingtüren laden ihn ein und schieben ihn sanft weiter an die frische Luft. Webbel steckt sich einen Apfel komplett in den Mund und erahnt malmend den stillen Frieden der Nilpferde im Jordan,
gut! , nun zu einem Anwalt, vielleicht bevorstehende Erbschaften oder eine Vermögensverwaltung?, wegen einer Betreuung vielleicht, aber das ist nicht so wichtig!
Die Sekretärin bittet Webbel im Warteraum Platz zu nehmen. Webbel steht im Sonnenlicht, das durch das Fenster hineinfällt und den leichten Staub aufzuwirbeln scheint, der auf den wohlgeordneten Regalen mit den großen, schwarzen Pappakten und braunen Umschlägen liegt, die das kleine Universum des Warteraums mitbestimmen. Aus einem Lautsprecher ertönt die Aufforderung der Vorzimmerdame, jetzt die Kanzleikammer zu betreten und dabei noch einen Augenblick Geduld zu haben. Webbel setzt sich in einen bequemen, knautschigen Couchsessel vor einem Schreibtisch, auf dem diverse, in Glas gegossene Tiere und Pflanzen stehen. Das Telefon neben der ledernen Schreibunterlage fängt an zu summen. Der Anwalt betritt das Büro und entschuldigt sich kurz, um zu dem Hörer zu greifen: „ Bitte, bleiben Sie ruhig sitzen.“
ah!, ich bin ein Eingeladener und unfreiwilliger Zuhörer eines Telefonats und darf hier in der Couch warten
denkt Webbel.
„…dieses langsame Mietwohnwesen dient doch der politischen Unvernunft, in der die rücksichtslosere Funktion die weniger rücksichtslose durchkreuzt. Und was die weniger Unsozialen an unsozialeren Zwecken auf ihren Wegen zu den Quellen der Heiligung nicht aufhalten können, wird den Hirten und Hirtinnen an die Wurzel gelegt, was der Gemeinschaft lediglich Zweifel in das Zeitalter des Katzenauges bringen wird.“
In dem weichen Einersofa versunken, fängt Webbels Geduld an zu phantasieren. Er beginnt sich auf einem kleinen Papier, das er in der Tasche findet, einige Assoziationen zu notieren und seine Ruhe vor dem Gespräch zu haben.
„Diese schwarze Galeere will noch hunderte von Jahren so fahren, auf der dieser graue Schneehund `Volunta´ dieses vertragswerkgeknebelte Zweitbüroenvolk bewacht.“
Webbel zeichnet einen Bug mit Galionsfigur.
„Beim gläsernen Televisor des Zyklopen, dieses Antiauge des technologischen Cherub ist wohl eher der infantile Voyeurismus subtiler Entweihung, fast schon eine Preisgabe der durch Beraubung Entzündeten und durch Sättigung Erkalteten, die sich selber in ihrer Einäugigkeit schon zum König ernannt haben und die ganze Hochhäuser rechtfertigende Besatzung wohl schon augenlos. Am besten die Formel: `Schwerkraft plus Vertragswerk gleich Kraftfahrwesen´, als Patentrezept und Erfolgsgeheimnis oder Biowetter verschreiben. Allen!, den Distrikten der durch Tanz überwundenen Gravität, der durch den Einfluss der Geschwindigkeit entstandenen Herrschaft der Mechanik, an deren Regenbogenende Dromologines sich immer noch aus seiner kollektorengebauten Hütte bei Prothese und Parabel beschwert, endlich aus dem zweiten, solaren Zeitalter zu verschwinden. Genauso dieser sprachbegabte Einzeller `Häckl & Häckl´, der entcodifiziert in den stellaren Konstellationen der Virenschwärme, plipp plopp, plipp plopp, angeblich mit der Mission betraut, jedem Keim und jeder Spore Identitätspapiere zu erstellen. - Ja, die erbauen eine da oben eine Weltraumstation und sind bei den Versuchen, in den potemkinschen Bürowelten ihrer dyskratischen Sternenkarten nach Leben zu forschen, ohne dass sich Silizium- und Plastikstoffallergien in die Genstruktur assimilieren. Aus diesem Odditty-Infernal in Rundfunkwellenform erklingen doch jetzt schon die Gesänge der sich Paarenden aus dem Äther, die sich in den künstlich angelegten Floral-Botaniken umherrollend in Befruchtung vereinen, während die Sauerstofflieferanten von ihrer Mondstation die Biosphären auffüllen und sich die Entropien der Vereinigung wohl eher zu einer Besatzungsorgie kosmischen Ausmaßes entwickeln werden, bevor die Bewohnerinnen auf den weiblichen Weltraumstationen statt des universellen Aktes in der artifiziellen Flora auf Nummer sicher gehen und zu den Reagenzgläsern Maturanas greifen, um sich auf ihrem kolonialbiologischen Stammzellenimporttrip mit den letzten Urtrieben ausgerotteter Stämme, hochstehender Intelligenzen und entschwundener Leihväter donogen vollendet aufzuwerten.“ Er legt den Hörer auf den Apparat zurück und sagt unvermittelt zum Webbel: „Wissen Sie was! Wir zerreiben Elmshorn in einem Mörser und nehmen die Forellen der Regenbogenschamanen, kochen sie im Eschensack zur Verköstigung postmaoistischer Satreanität und anderer neoprimitiver Mutmaßungen, panieren dazu den Schweinskopf, den wir mit der Kettensäge geöffnet haben und der die Megaseren des Lichtgelees dieser Gehirnkrippenkaballa preisgibt. Das wird ein leckeres Theater an dem poetischen Synapsenspalt. Serum für Serum im Geldzirkus `Quantenschaum´! Ich werde mir doch für mein drittes Kochbuch nicht in das eigene Fleisch schneiden. Diese restrikten Provokationen sind doch schnurstracks Ausdruck einer Halluzination unheimlicher Primitivität und eindeutig Anzeichen einer Bekehrung zur Rückständigkeit in Entscheidungen und Einredung.“
Webbel verliest dem Anwalt seine stenographischen Notizen, die ihm während des Telefonats entstanden sind,
Peniskuppen , -kappen, -kuppeln , -kuppel, -gnubbel, -knuppel, -gnuppel, -knubbel, -knupper, -knopper, -gnubber, -pinökel, -pömpel, -kappe, -aufwurf, -eustasie, -entfaltung, -auffaltung, -drachen, -aquilone, -cerf volonte
Am Abend erreicht Webbel einen großen Platz, auf dem eine Gruppe Maler und Malerinnen bei laufender Musik ihre Waren produzieren. Mit Spraydosen entstehen, gekonnt und zielsicher, Bilder auf verschiedenen Folien, die flink dazu mit Glitzerpulvern bestreut werden. Namenszüge werden auf Zuruf mit eingeflochten. Um die Straßenkünstler und Künstlerinnen steht die ganze Zeit ein Pulk Menschen, die sehr angeregt miteinander kommunizieren. Webbel schreitet über den Platz und bleibt stehen, zieht seine Jacke aus und breitet sie als Vorhang vor zwei sich Unterhaltenden aus. Webbel kniet und gibt keine Antwort auf ihre fragenden Blicke oder diese ablösenden Fragen. Er verharrt, bis er das Gefühl empfindet, geduldet zu sein, steht dann auf und imitiert eine vorbeigehende Passantin, stellt sich klügelnd in Distanz und Beobachtung der passierenden Menge. Gelegentlich erschnuppert er die rege Atmosphäre der Koloristen- und Koloristinnentruppe, lauscht ein wenig den Klängen der Musik und turnt wieder los, geht ein paar Schritte rückwärts, bleibt unverhofft stehen und blickt einen Passanten an, der ihm gerade entgegenkommt, lässt ihn passierend gewähren und ist schon erneut im Woanders. Gegen Abend steht Webbel bewegungslos mit verschränkten Armen vor dem Oberkörper auf dem Platz. Ein lauer Wind weht um seinen Kopf,
allmählich wird es dunkel!
Die Aktionstruppe packt ihre Zeichenutensilien und das Kassettengerät ein, verabschiedet sich bei Webbel und zieht weiter. Bei einer Tasse Tee in der Bahnhofsmission nennt man Webbel auf Anfrage die Adresse des Obdachlosenasyls: „Das ist zwar recht weit draußen, aber ein anderes gibt es in H. nicht.“, erklärt die Aufsicht. Spät und im Dunkeln entdeckt er das Domizil und wird von einer Eingangspfortenloge durch dunkle, unbewohnte Gänge in eine dunkle, unbewohnte Stube geführt, in der vier unbelegte Stahlrohrbetten stehen, deren Matratzen zusammengerollt und gebunden auf den Drahtrosten liegen. Webbel kartiert kurz und offen das Interieur,
alle Arten von Inneneinrichtungen sind doch unter dem Strich gleich, immer wird alles genau dort platziert, wo die Inneneinrichtung das seit eh und je her beformelt, das Bett auf dem Boden, darauf die Matratze, der Tisch an dem Fenster, die Stühle im Raum, die eine Tür in der einen Wand
die Webbel erst am nächsten Morgen öffnet.
In den Torfkanälen von Northeim-Finndorff
Webbel legt sich hin und träumt, dass, von ihm beurkundet, einst auf einem Papier geschrieben steht, dass das Leben ihm sowieso nur noch eine Unwahrheit sei; gleichzeitig erscheint Webbel das, bis zur heutigen Nacht heran, nicht als sein Werk, weder dass das Leben selber wirklich so sei, noch er überhaupt so etwas je aufgeschrieben habe. Aber in den Betrachtungen von allabendlichen und morgendlichen Tassen heißen Tees erscheinen diese Zeilen still und erneut auf deren Oberfläche.
„Diebe waren alle, auch der eigene Vater! Sogar die Ex-Frau, die so anspruchslos mit der Tochter ausgezogen war.“
Webbel ist noch nie verheiratet gewesen,
ich habe auch keine Tochter, wer ist denn früher hier in diesem Gang einquartiert gewesen, warum auch immer!
„Dampf und Glanz offenbarten Dir also das an den Vater verkaufte, männliche Prophetentum; genug, um der ganzen Menschheit die Antipathien hineinzuprügeln.“
„Und alle Visagen, die in dem kleinen Antiquariat aufgetaucht sind, als Dieb zu richten. Doch, der Vater hatte mir alles finanziert, den ganzen Diebstahl mit den gebrauchten Büchern! Der hatte mir den Laden doch erst gekauft.“
„Eine öffentliche Person wolltest Du sein, seit Deinem Abschluss an der Universität!“
„Aber diese Hanseatenpatrizier mit ihrem Rathausparlament…“
„Waren Dir dieser Beamte Müller mit seiner Arbeitsagentur, der Dir ja mit einem Male die Stütze nicht gewährt hat, oder dieser Bulthaupt, der mit seinem heroinverkifften Schallplattenladen, nicht Feinde gewesen und ungeheuer vorgekommen. Du ahntest noch nicht einmal genau warum!“
„Die nehmen einen sowieso alle nicht ernst. Die wollten nur Geschäfte machen. Ich kaufe mir bei denen am besten auch nichts, auch dann nicht, wenn ich das vorhabe.“
„So war Deine Entscheidung.“
Webbel träumt sehr deutlich von einem Mann, der nun in einer Kneipe zwischen Rockern und Hippies sitzt, und hört ihn in einem Gespräch denken.
„Diese Drogenfreaks hier sind gar keine Akademiker, so wie ich es geschafft habe.“
„Und mit deren Kindern willst Du auch nicht sprechen, seit die Ex-Frau aus dem Haus ist.“
„Das sind auch keine Propheten, diese Gören von den Kneipenrockern. Die hätten ihr Medizinstudium auch abgebrochen. Das kann ich gleich sehen, dass die nichts drauf haben, als die RAF und die Araber gut zu finden. Und die Musik aus der Jukebox, die kann ich auch zuhause haben. Diese ganze Geschäftemacherei ist doch eine elende Abhilfeleistung!“
Auf einer Regalzeile zwischen Protemen, Webbel findet sich in einer Gruppe aus Statuetten wieder; aus dem Mineaturpantheon blickend, zusammen mit Zerberus, einer ägyptischen Nofretete, Cicero und einer marianäischen Kore bemerkt Webbel in dem verbliebenen Raum einen mit orientalischen Teppichen gekleideten Diwan, auf dem dunkelbunte Kissen liegen.
„Hatte sich hier nicht der Pöbel versteckt, von dem Le Bon und Y´Gasset immer geschrieben hatten.“
„Überall diese jungen, zufriedenen Herren und jungen, zornigen Männer in diesen kulturellen Salons, aber auch in diesem verderbten Rotlichtquartier sind wir ja zahlende Kunden. Für irgendetwas taugt das schon zu studieren.“
„Und die Rollos an den Fenstern des Hauses hattest Du also noch nicht hochgezogen. Unsere sind ja auch noch unten. Restlos ehrlich, hatte Ladilaus Boros Dir geschrieben, der ganz Andere wolltest Du sein.“
„Der Laden hatte tolle Öffnungszeiten, - da wollte ich halt die Beine breit machen, bis die Ärztin wiederkommt.“
„Und Frau Schmidt antwortete also: `Ich heiße Doktorin Schmidt, nicht Frau Schmidt, sondern ich bin Doktorin Schmidt für Sie.´ und sie hat: `Ist das klar! ´ gesagt?“
„Und wieder spiegelten sich mir die verbrannten Zettelchen in der Tasse. Als sie leer war, ja, da war ich auch noch gegen Luftpachtrechte, denn in einer dachlosen Wohnung will keiner leben, ganz gewiss, nein.“
„Du setztest Dir manchmal das Tässchen auf den Kopf, als es leer war!“
„Und ich war endlich Niedersachse und bin durch die Straßen gehetzt gegen die Zugezogenen und durch das Städtchen geschritten, zielstrebig wie die Wandlung des Täters zum Opferkämpfer. Der Weg hatte mir bewiesen, dass alle teilnehmen an diesem unausgesprochen Nie-Anhaltenden und in ihren Büros enden. Ich brauchte endlich auch keine Amtshilfe mehr von irgendeinem Beamten Müller dieser Erde.“
„Der war doch auch gegen Okkultismus und fester Schriftenleser, aber bei Dir im Laden hat er sich nicht blicken lassen wollen?“
„Egal, wo sein Klub war, allenfalls, ob Rosenkreuzer oder gar Guttempler, aber ein echter Niedersachse muss doch heutzutage mindestens Kreuzfahrer sein oder andersrum, Raubritter!; und das Kreuz auf dem Fenstersims oder die Minora, dass gehört doch zum richtigen Ton, das tragen ja alle, auch wir. Diese Anträge auf dem Amt haben ja mit einem Male überhaupt gar nicht gegolten.“
„` Sie kommen doch aus einer reichen Familie! ´, hatte der Beamte Müller zu Dir gesagt!“
„` Wieso ich momentan, als der Zu-Ende-Studierte, den Schmarotzer machen würde? ´, hat der mich gefragt! Na ja, so direkt hatte dieser Schweizer Freikirchler das nun auch wieder nicht gemeint. Der braucht gar nicht vorbeikommen, auch nicht in meinen Laden, denn ich bin nämlich seit diesem Ämtergang selber Calvinist. Der Müller aus dem Amt hatte eh nur eine einfache Beamtenprüfung abgelegt und ist wohl eher von minderem Konfessionscharakter. Bestimmt durch Korruption oder allenfalls durch Bestechung an die Lehrstelle gekommen. Bei dem sehe ich doch, dass sich alles wirklich nur noch um sein paganes Neuschamanentum dreht.“
„Der Vater konnte also nicht mehr machen und hat den Laden finanziert, damit das endlich aufhörte mit diesem Studentsein.“
„Haushälterei fing an und je mehr Häuser umso gemachter.“
„Dein Vater ist doch auch manchmal vorbeigekommen und hat Dir zum Beispiel ein paar Regalzeilen in den Keller gebastelt.“
„`Chivas Regal´, war sein Spruch, `Für neue Schriften! ´, dabei haben alle den Laptop. Aber wenn keiner kam, um zu kaufen, fing ich halt an die Freizeit mit all diesen Suizidfällen, die ich in den Schriften finden konnte, in einen Kalender einzutragen. Ich habe mir lange Listen von Titelverzeichnissen mit meinen, eigenen Lieblingsautoren angelegt: Zweihundertdreiundvierzig Veröffentlichungen bei Siegmund Freud und ich habe noch lange nicht aufgegeben.“
„Mittlerweile warst Du also auch noch zu einer emotionalen Intelligenz verkommen.“
„Nämlich zu einem Numismatiker! Ich kann jetzt am Geld erkennen, ob einer ein Dieb war oder nicht! Und tatsächlich diese Studenten, das waren Diebe. - Studentinnen wissen jedenfalls nicht, was sie überhaupt von mir wollen, außer zu stehlen. Sind ja auch zu viele Bücher um mich herum, als dass das feststellbar ist. - Dadurch ergab sich, dass ich natürlich stets genauso viel so viel wert war, wie diese alten Bücher, die eigentlich jede und jeder stehlen will.“
„Und diese intimen Gespräche mit dem weiblichen Geschlecht?“
„Kundinnen, die wollen auch gerne schöne Bücher sein. - Am liebsten so wie diese Jugendstilbücher aus Anfang des letzten Jahrhunderts mit diesen tollen Verzierungen und Ornamenten oder die schlichten Nachdrucke des Neuen Testaments der amerikanischen Militärregierung in diesen etwas rauen, olivfarbenen Einbänden. Ansonsten halten die sich andauernd für so wertvoll wie Erstausgaben oder Originale, die mein ganzes Interieur eigentlich erst zu einer Tradition sich in Fotografien und Exlibris schmückender Bücher und possierlicher Wärmespeicher gemacht hatten. Ja, das ist doch das Joch, das waren doch auch Wärmespeicher.“
„Der gerade gekauften Lenin-Büste hattest Du den Kopf eingeschlagen und im selben Regal das selbstverfasste Gedicht gegen den ersten Weltkrieg aufgehängt.“
„Diese Bildbände der Kriegsopfer waren schlimmer als die der medizinischen Anatomie. Nein, so etwas zugerichtetes, das war ja übler als im Zweiten Weltkrieg oder bei Friedrich dem Großen zusammen. Das sollte die Studenten auch beeindrucken, die momentan vorbeikommen. Die sind doch eigentlich auch nur Kriegsgegner aus dem postmarxistischen Lager, sowie ich selber früher auch.“
„Na, jedenfalls dürfen die Dir nichts tun.“
„Diese ganze Kriegsbegeisterung ist ja eigentlich eine rein niedersächsische Irenik. - Der heroinsüchtige Neomarxist neulich auf der Straße, der darf mir auch nicht querer kommen, der gehörte eher wohl zu dem Ku-Klux-Klan mit seinen pazifistischen Vorstellungen, denn der kennt ja nichtmal die Asta. - In der Asta sitzen sowieso nur Schweine, die über Bafög und Politik reden.“
„Und Du selber musstest auch alles zurückzahlen!“
„Einen jeglichen Groschen, obwohl ich in der Asta mal rhetorikert habe, - da hatte ich doch an dem Tag zu Hunderten gesprochen.“
„Die Politik, die die machen, war Dir nicht gut genug?“
„Weil das Studieren immer teurer wird und zurückzahlen müssen trotzdem alle.“
„Das erhöht doch die Bindung an den Proff!“
„Im Saal hatte einer behauptet, die Proffs im Iran kommen in den Knast, wenn sie zu profan sind, aber so krumm kommen die einem auf ihrem `pater semper incertus´- Religionstrip.“
„Dann dürfen die Studenten doch dagegen demonstrieren!“
„Plötzlich war allgemeiner Tumult in der Aula des Audimax-Auditoriums, ja, ja, die höhere Anbindung an den Proff, aber diese Vaterrechtler spinnen doch, klipp und klar, diese liberalen Spinner ticken doch nicht ganz richtig!“
„Und diese `Kreaturen´ von der Straße, die einen immer so mit zynischer Stimme ansprachen?“
„Die fixen sich ihr Geld auch noch in die Adern, vor denen hat mein Vater mich allzeit gewarnt, das war auch kein schiefer Turm von P., aber diese Junkies können gar nicht lesen, nein, die wollen auch noch mit Heroin bezahlen.“
„Wir vergessen dadurch vieles wieder, was wir gelesen haben! Also! , gegen Drogen durften wir wirklich nichts haben seit Huxley und Orwell?“
„Ja, als die Ex-Frau mit der Tochter sowieso endlich aus dem Hause war, konnte ich so richtig anfangen zu experimentieren, genau wie diese Prophezeier aus England. An der Uni hatten alle, nur ich nicht und ganz bestimmt nicht auf Lunge. Revolutionär ist mehr als Drogen. Das habe ich allen in der Asta gesagt. Diesen ganzen Politkiffer mit ihrer laschen Politpop-Revolution hatte ich die Rückzahlungen schließlich zu verdanken. Die sollen endlich kommen und nicht dauernd stehlen, jedenfalls wegen der Asta oder des PPppp, Pop des Pop, des Poppatriotismus-Flop!“
„Du warst doch endlich auch Magnat! `Das ist ein Schuldentitel! ´, hatte der Angestellte auf der Bank zu Dir gesagt.“
„Aber ich durfte mir auch gleich ein Sanatorium aussuchen, das niemand findet. Diesen Weltflüchtlingen aus der Mensa habe ich gerne einen Bildband mit richtig harten, geschlossenen Einrichtungen gezeigt. JA! , dort muss ein Mann hin, der was auf sich hält, zum Beispiel nach S., ganz alter Jugendstil-Bau oder Ochsenzoll-H., schlug ich einmal vor, - gerne auch Conny Island in B. Aber ich bin doch nicht pervers, die kommen da sowie hin. Alle, die in der Asta oder Mensa waren, landen da, wegen ihrer Revolution und diesen Drogenexperimenten.“
„Prophetentum ist demnach also männlich und die Revolutionen auch?“
„Das war objektiv historische Konstellation. Frauen haben ja auch Wahlrecht im `Hunni-Klub´ von diesem Beamten Müller. Die Freimaurer werfen da sowieso nur mit ihren Hundertern durch den Klub, im `Hunni-Klub´, im `Hunni-Klub´! , die reden sowieso von nichts Anderem. Denen sollte ich mächtig das Schnitzel gegen die Wand nageln, im Wände-…, im `Wände-Klub´! Nein, nein, Frauen haben das Recht genau da, wo es wehtut.“
„Also wenn Du Deine Tochter schwanger beten willst, ziehen die beiden wieder aus. Deine Frau hatte doch damals gesagt: `Reflektier bitte, dass Kind kein Krankheitsbegriff sein kann! ´ “
„Ich hatte ihnen damals nicht hinterher geblickt. - Aber dafür bin doch kein feiger Idiot.“,
er bemerkt ja nicht einmal das Straßenfest!
träumt Webbel, das die beiden Ausziehenden durchqueren. Im Traum zieht Webbel mit Frau und Tochter über das Straßenfest. Er schwebt in der Luft nah bei den Köpfen der Ausziehenden gleich einem mit Heliumgas gefüllten Ballon. Webbel glaubt im Traum zu spüren, dass ein feiner Faden um sein Fußgelenk gebunden ist. In dem Nachbarhaus gegenüber sieht Webbel einen afrikanischen Nachbarn mit einem Koffer aus der Tür treten. In der Strasse tönt eine Ansage: „Aus dem Detektivclub `Goldene Göre´ kommen die Darbieter und Darbieterinnen dieses Songslams, eine grosse Ehre und stolzerfüllte Gnade diese talentierte neuplatonische Kameradschaft anzukündigen, Bitte heissen sie willkommen heute Abend, hier in dieser Strasse: Die Singing Slammer von der Detektei `Goldene Göre´!“ Vier - von ihren Eltern mit zwölf Jahren und einem Zehn Euro-Schein in Tokio ausgesetzte Wesen - betreten die Bretter der niedersächsischen Strassenbühne. An den Bürgersteigen: Messehosts aus Thüringen, die Lederhandtaschen per Megaphon feilbieten und sexy Hardselling Models aus Stade, die die Ananas promoten, Stände mit Give aways, Adressgerierung, dazu Rolex, Diplome, Viagra und Gewinnspiele mit bunten umherwehenden Hochglanz-Flyer für den absolut neuen, prosexoiden Intelligenztest durch Dating-Online-Verträge: „Yeah, yeah, the dianetics just do it for the money…”
„Ich habe geglaubt, die wollen mich wohl erwünscht und zugleich ohne Bewusstsein gleichgeschaltet und ich schwor an der Ziehharmonika unter meinem Fenster rüttelnd, dass ich dafür das vollkommen weltgeldrassistische Karriereprogramm zum evolutionären Ökolicht mit Dildos, Gummipuppen und plastene Körperrequisiten aus Polyurethan und mit echtem angenähten Körperhaar für den kommenden Glamour und- Horror filmalchemischer Nächte fahre. Ist ja eh Sommer, sagte ich mir, können die ja auch Platte machen.“
Der Kulissenbauer auf der Bühne vom Strassenfest fängt an zu singen:
Ben ser ben
„Ich bin ich-
Und ich spreche, also bin ich.
Wenn ich wirke, bin ich Wirkung.“
Chor: „Tut etwas, was keine Wirkung hat! ibn dabn dibn dubn, schuapp schuaah.“
„Nicht real wird, dass wir nicht existieren
Wir werden, was wir sind.
Im Sinne ja, ja im Sinn können wir auf uns selber kommen
Bedankt Euch bei Euch, alles andere wird von uns erzählt.“
Der Chor: „Gut das wir existieren, wir bedenken uns bei uns selber! ibn dabn dibn dubn schuapp schuaah.“
„Unser Leben ist so wunderschön,
Tolle Sachen erlebe ich
Und Du, Du bist mir so egal- ein wunderbares Lebenssignal.
Grüsst Euch, und die Generationen in Spe
Gut, dass wir diese Möglichkeiten haben dieses zu empfinden.“ (Bühnenbauer ab.)
Der Solo-Rapper betritt die Bühne!
(In der Beleuchtungszentrale am anderen Ende der Strasse werden die Scheinwerfer angeschmissen, Roadies, Hievies, Handlanger und freiwillig Helfende improvisieren eine galaktische Laserorgie. Aus ihren Kanonen fliegen die Photonen druckvoll durch die Mengen, während die Nebelmaschinen dabei komplett durch den luxelektrischen Effekt ausgefallen sind, und in der Atmosphäre starwarsartig unbekannte Flugobjekte gesichtet werden):
„Bei Rehen und Hasen läuft das anders, nur im Denken befindet sich eine neue Welt, und darüber kann ich keine Aussagen treffen, denn eine innere Welt, die eine äussere ansieht, sind zwei innere Welten, die die äussere Welt des jeweils anderen ansehen.”
Der Chor singt das Extro, ohne Hintergrundmusik - (A capella mit Applausmaschine):
„Allgemein sind wir alle auf unserem Lebensweg
Wie nahe liegend, dass wir nicht erkannt werden, weil wir damit keine Ausnahme sind!
ibn dabn dubn dibn schuahh schuaah schwuap.“
Tumultartige Szenen des Strassenfests mir Feuerkrachern, Popcorn Behältern XXLsized und Kaffee gefüllten Pappbechern bedruckt mit „to go“ - „No go“ - „NGO“ - „N´n`N“ -„FF“- „AA“- „HH“ - Emblemen und den kartierten Arealen von Krisengebieten und den offenen Rollen altverdischer, polytheistischer Fragmente.
„Von der Emilie Rose Familie aus dem Süden hattest Du doch alles gelesen in dieser Zeitschrift für kriminalsoziologische Studien!“
„Ich war so eine knautschrote Sofaphage in einer mahagonigetäfelten Hitchcock-Christie Sammlung der zentralen Leihbibliothek.“
„Ihre Eltern waren auf Bewährung raus gekommen aus dieser sehr unschönen Sache.“
„Kann nicht klappen, auch nicht, wenn einem der Nachwuchs geschenkt wird.“
„Die Nachbarin von gegenüber, die hatte also Kinder von einem Afrikaner, - und der war verschwunden?“
„Sind ja auch das stärkere Volk. - In hundert Jahren sind auch alle Afrikaner aus Afrika verschwunden!“
„Und die Rollos jedoch hochzuziehen, kommt Dir verfrüht vor?“
„Gerade gibt es erst recht kein weiteres Mitleid mehr mit dieser Frau Nachbarin. Die hatte ja auch ihren Job im Orchester aufgegeben für DEN. Die hat mich sowieso noch nie richtig gesehen; das geschieht ihr ganz recht, dass der Afrikaner endlich weg ist. Wegen Voodoo und so, den kann keiner in der Straße gebrauchen.“
„Die eigene Frau ist doch auch schon weg gewesen und die Nachbarin war in den Laden gekommen, um etwas zu kaufen!“
„Wozu mit der noch mehr sprechen, die kann doch nochmal kommen, falls sie was lesen will. Wenn der der Afrikaner wegläuft, braucht sie natürlich etwas zu lesen, logisch. Die Nachbarin kann ich nun nicht mehr schwanger beten. - Bestimmt will sie auch keine Kinder mehr, von einem Europäer sowieso nicht. Die will nur Ausländer, um ihren Eltern zu beweisen, dass sie selber keine Ausländerfeindliche ist. Und nun ist es zu spät für Deutsche und Niedersachsen oder Preußen. Angeblich hat sie in einem Orchester Cello oder Kontrabass gespielt und manchmal, jedenfalls seit der Afrikaner weg ist, bekommt sie Besuch von diesem Typen, der auch einmal im Laden war und gar kein Buch kaufen wollte. Aber hatten wir nicht ungefähr dasselbe Alter und dieselben Schulbücher gehabt? Da geht der wortlos aus dem Laden, ohne zu stehlen oder zu kaufen!? Ja, der war neulich mal wieder bei ihr zu Besuch. Der macht nichts anderes, so ein normaler Irrsinniger, der ihr im Garten den Kirschbaum besägt, damit kein Ast auf die spielenden Kinder fallen kann.“
„Also die späten Öffnungszeiten für Deinen Laden hattest Du beschlossen?“
„Weil diese Diebe von der Uni, die können ja vormittags nicht einkaufen. Und wenn danach auch noch alle in die Bibliothek gehen!“
„Du wolltest einen Laden, der ein wenig mehr im Zentrum lag. An der Bischofsnadel oder im Schnoorviertel!“
„Dort sind dann ja auch schon Touristen im Quartier, von denen kennt ja kaum einer die Geheimnisse Niedersachsens!“
„Deinen Großvater hattest Du nicht gemocht?“
„Ging schlichterwegs nicht. - Deshalb kann ich ja auch kein Friesisch. Seit Berlin Hauptstadt ist, ist es sowieso besser, propreußisch zu sein, nicht nur wegen der Schlösser mit diesen Fassaden, die auf den Sozialismus raufgehören. Die propreußische Alternative ist ganz spendabel, auch wenn Friedrich der Erste der erste Nazi Deutschlands war. Aber an der Fassade ist nichts zu machen und jedenfalls die sollten sie auf Berlin raufstellen.“
„Seit Frau und Tochter weg waren, kam Dir Kattenturm so friesisch vor wie das Patriziat, das im Stadtparlament regiert.“
„Diese Streber mit Parteibuch ohne Mumm zu dem Austritt aus dem Austritt hatten bestimmt alle abgerollt auf Glanz und Gloria, Regierung und Ordnung. Jedenfalls hatte mein Vater sein eigenes friesisch revolutionär genug für die Uni genannt. Es gab zwar noch Schleswig-Holsteiner, aber von denen war sowieso noch nie einer in Niedersachsen. Für diesen Nordstaatenbund bin ich irgendwie auch nicht, nein, nein, diese föderalen Nationalinteressen gehören natürlich beschnitten. Die sitzen sonst alle im Parlament, kommt keiner vorbei, um etwas zu kaufen. Die haben wohl alle ihren Abgeordnetenwatch zu beantworten, die brauchten ja gar nichts von mir, nicht ein Mal den Babylonischen Talmud, der seit Jahren im Schaufenster steht und den hatte ich noch nichtmal selber abbezahlt.“
„Du wolltest den Betrieb eines eigenen Mediums in Angriff nehmen, einen Apparat gegen Apartheid und Pogrome.“
„Ja, ein eigenes, hilfreiches Amateurpsychiaterblättchen veröffentlichen, verkaufen und nach einem dieser antiken, hellenen Stämme benennen, die noch Menschen geopfert haben, die sich freiwillig dazu berufen fühlten. Die wurden damals nämlich in die Luft geworfen und mit Spießen wieder aufgefangen, wenn sie es nicht geschafft hatten, die Obergottheit zu erreichen und ihr die verabredete Botschaft zu verkünden. Das ist doch zum Schenkelklopfen lachhaft. Die ganzen, psychischen Probleme zwischen den Menschen lassen sich damit völlig einstellen und im Laden verkaufen. Ja, dann braucht ja auch keiner mehr Probleme zu haben. Mit Literatur und Kultur kannst du sowieso gar nichts erreichen. Die kommen besser auch nicht mehr vorbei. Der ganze Rest geht dann durch Telepathie, die ganze Gemeinschaft lässt sich metaphysisch abkontrollieren. Briefe zu beantworten, braucht auch keiner mehr. Dieses Yoga des freien Geistes löst die materielle Bereicherung durch Yoga einfach ab. Das war zwar eh alles Maklerei, aber die Rollos will ich gar nicht mehr hochziehen, wegen der Fenstersteuer!“
„Waren Dir Ausbeutung und Unterdrückung wirklich viel eher das wahre Sein?“
„Ein Volk, das nicht teilen lernen will, rennt in die Kalaschnikoff. Jahrelang habe ich Yoga zur materiellen Bereichung betrieben, dabei geht auch alles durch Telepathie, wie bei den Illuminaten mit ihrer SS damals.“
„Dieser ganzen Zeitungsidee mit den Leserbriefen, dient die nicht der Klärung zwischenmenschlicher Miss-Stände?“
„Hauptsache, ein Faksimile tragen und in den Kopiershop. An der kleinen Auflage wird eh keiner reich. Vielmehr kommen die auch noch und beschweren sich übereinander und gegenseitig. Was die nur wollten? - Mal in meine Zeitung, denkbar! Die waren ja schlimmer als die jesuitischen Okkultisten aus dem Freundeskreis früher.“
„Der Nachbarin, der der Ehemann weggelaufen war, hatte das Jugendamt die Kinder weggenommen. Wollte die bei Dir nicht in die Zeitschrift?“
„Aber die hatte dafür auch keine verdient, ohne Job, als studierte Musikerin, die wollte nichtmal ein Photo oder ein bisschen Personenkult abliefern. Und dieses ganze Material, dass sie damals in meinem Laden gekauft hatte, was soll die damit, die hatte doch den Afro zum Mann und auch noch die Kinder dazu. Geschieht ihr ganz recht, dass der Afrikaner endlich weg ist. Soviel Geschrei um einen Eierkuchen. Das ist schlimmer als alle Aufstände auf den Dachböden dieser Welt zusammen. Glück und Schwäche der Frau sind nur ihr Aberglaube.“
„Du wartetest auf die Reaktion der Nachbarin von gegenüber!“
„Die wollte wohl nicht! diese Afro-Jean D´Arque will mich wohl unter den Tisch beten!?“
„Du fühltest also, dass Du immer unbeliebter geworden warst und halluziniertest den ständeklassischen Kitsch?“
„Die Proteste auf den Straßen wurden zunehmend heftiger. - Feinde sprayten in ihrer kryptischen Unbewältigtheit Glyphen an die Wände. Während meine restlose Zukunft sich im Zwischenraum der Doppelverglasung ruinierte, spuckte ich enthusiastisch auf meine nachbarschaftliche Hilfswilligkeit aus. Deshalb zerbrechen die mir auch noch ihre Findlinge im Steingarten vor der Tür. Harb und harm, ich werde ihr ein Signal aufbürden, die soll sich nicht so anstellen. Ich spuckte aus dem Fenster der ersten Etage meines Hauses, wenn sie die Wohnung gegenüber verließ. Vorsichtshalber habe ich mir eine Gitarre gekauft. Vielleicht muss man der etwas beibringen, jetzt, wo von ihr auch endlich alle weg sind. Ich erwartete eine Reaktion von der Nachbarin gegenüber, aber die wollte nicht! , verstehen Sie?“
„Zum Glück war die Nachbarin doch weggezogen und war die Gegend da endlich mehr entlastet?“
„Monika, meiner Frau, der würde das nicht passieren, und meine Tochter, die darf halt nicht an Ausländer geraten. Die beiden brauchen bei mir auch keine Miete zu bezahlen. Das ist bei mir kein Hotel mit Muckibude und Mitgliedsbeiträgen. Da kann ich denen was spendieren. Die Nachbarn in der Straße sind ja auch so gleichgültig, wenn es um Politik geht. Die Minora im Schlafzimmerfenster ist ein gutes Aushängeschild, wegen der Aufklärung.“
„Die ganzen Nachbarn waren die nicht ungefähr so revolutionär wie damals die Kommilitonen?“
„Die richtige Flagge zeigen, das war propreußisch, das zahlt sich aus, auch beim Vater obwohl ich das Antiquariat eigentlich innerlich schon aufgegeben habe. Das rentiert sich nicht richtig.“
„Nach Jahren gehörten Dir also erneut Frau und Tochter. Zwar wirst Du seitdem zunehmend dicker und fett, aber das passt wohl ganz bestimmt zu den Wohlstandshüften dazu!“
„Statt spektakulärer Glücksschriften in eigener Regie publizieren zu wollen, bin ich mit dem Motorrad gefahren. Das war groß Reinemachen - das hat für Sozialhygiene gesorgt. Ich fühlte mich wie der Armutspfleger der Straße, als sie wieder bei mir einzogen. Ich weiß nicht, ich hatte damals plötzlich die Macht zu der absoluten Widersache begriffen: die Zertretung des Kopfes der Jungfrau Maria zu Salz und Licht - die Verleitung aller zur Destruktivität durch deren Bestehlung: und hier!, mit Vergeltung zurückbankern!“
„Solche Momente glimmen oft in Dir auf!“
„Mir ist mehrfach eine alten Ausgabe von `Wille zur Macht´ von der Nietzsche, die den Stock ihres Bruders persönlich beim Führer abgegeben hatte, schier schlichtweg zerfleddert. Seitdem hilft auch die aufgehängte Totenmaske des Zorrotoasterpoeten nicht weiter. Nietzsche, Sie wissen doch, das ist doch der, der in Venedig nach seiner langen Zugfahrt so orientierungslos gescheitert ist, ohne auch nur ein Hakenkreuzchen an der futuristischen Schamhaarfrisur Sarfattis entdeckt zu haben. Ich hab einmal seine Exkrementenkosterei ausprobiert und mir den eigenen Knast mit Schlüssel zurechtpsychiatrisiert. An dem Telefon hatte ich zu meiner Frau gesagt: `Ich habe leichtfasslich keine Kraft mehr auch noch zehn Jahre lang IHM folgend, im Bett zu liegen und dazu wie ein Geisteskranker nach Dir zu schreien, Monika! ´ , wie ein Geisteskranker! Ich vermutete ja mit einem Male, dass ihr der große Anthroposoph beim Nasting-up für den Wolf wohl persönlich zu Besuch erschienen sein müsste, dieser `oh-hör-doch-was-der-Mond-sagt! ´, wohl um ihren astralen Lichtleib in mystischer Verklärung zu bewundern. `Kann ja sein! ´, ich legte den Hörer auf. - Nein! Der Berg kommt bekanntlich sogar barfüßig selber zu dem Einzigen und seinem Eigentum. Ach ja, weswegen ich eigentlich auch noch gekommen bin. Einen Titel hätte ich gerne noch für so ein sozialpsychiatrisches Journal. Er sollte ein bisschen griechisch sein, jedenfalls der Titel.“
„Ein griechisches Wort für eine Idiotengazette?- Einer Beknacktenzeitschrift mit Pfandwertsymbol? - Oder nicht lieber Magic-Eso-Drinks für Energie-Aktive-O2 mit retrogeflügelten Provitaminen und alternativen Schwindequellen für hundertneunundzwanzig Abende, angereichert mit feigekaktus-orangeingwer und Gunpowder aus dem `Salon de the´, der gesamt eher links-noch-rechts-drehend hochkalorische Wachmacher, Abpepper, Wegnepper, Durchpreller, praller noch als die Getränke aus den unausgepoften und unausgegorenen Laboratorien von Tante A. Fraid Isaaks Dogma durch die Ingredientienpforte: Forte hoch rein damit, was das Zeug hält ins Quadrat, meine Damen und Herren!, aus Politpop derivieren wir soeben den Alkopop! - und aus beidem extrahiert: der humorlose Revisionismus, die witzlosen Bronzegussphantasten im Fantum Görings, die ewigen, schwarz-weiß-roten Antiflaggen der Piktographie, die holocaustleugnenden Stroboflausen für die prosexoide Herzattacken- und Diskoapartheid zwischen den Mahnmallagerbesuchen mit glänzendem Posing und Swastikayoga vor den KdF-Eingängen und natürlich die `Alpha, Omega und Sand´ salbadernd retardierende `hidden führer´-Liebe, - zu einem Einmalwöchentlich-Injizieren, bitte, vorn im Patientenzimmer bei der Schwester!“
„Was? Wissen Sie, die Tresenkraft aus dem Internetcafe `Am Brill´, die hat AIDS.“
(Allgemeines Händeschütteln aller Anwesenden, die nicht mehr mit ihm schlafen wollen und auch noch nicht haben.)
„Wir haben doch gar nicht mit dem geschlafen!“
(Gelächter.)
„Und von wem?“,
keine Ahnung!
Webbel, im Schlaf halluzinierend, fährt hoch, als ihm in dem frühmorgendlich halbbewussten Wachzustand ein Schreien anhebt in einer leeren, kalten Weite eines fernen Landes.
Endstation Kleinstadt
Webbel zündet sich eine achte Kerze an,
die Bücher hätte ich besser nicht im Antiquariat verkauft, aber die Wohnung ist endlich leer genug, nun kann ich meine Sachen packen, die Wohnung verlassen und verreisen
Gleichgültigkeit durchzuckt ihn neuralgisch an den Schlüsselbeinen,
woanders hin habe ich den Horror, aber ewiglich den Koffer auf das Bett werfen und für-die-Reise-packen spielen
Die Nachbarn rufen sofort: „Feuer!“, als er noch einige Zettel bei offener Wohnungstür in einer ofenfesten Glasschale verbrennt. Aber Webbel kann die aufgeregte Nachbarsfamilie beruhigen. Während er noch im Flur steht, öffnet sich die Tür, hinter welcher die dritte Flurpartei lebt. Webbel sieht eine Frau die geschmälerten Stufen in den achten Stock hinaufkommen. Der Nachbar tritt auf die Fußmatte und erwartet Besuch. Die Frau guckt Webbel und ihn unentschlossen freundlich von ihren Treppenstufen aus an und weiß nicht genau, wer ihr nun die Tür unten durch den Summer geöffnet haben könnte. Vor einigen Tagen hatte Webbel selber per Telefon bei einem Ladyservice angefragt, als er dazu die Nummer zufällig in einem Werbeblatt inseriert gefunden hatte. Er hatte dabei die allgemeinen Honorarvorstellungen erfragt, sich aber keinen Damenbesuch in den achten Stock gerufen, als er den Hörer wieder aufgelegt hatte. Webbel geht in seine Wohnung zurück,
der Nachbar wird definitiv einen gut bezahlten Job haben
Webbel jedenfalls nicht. Der hat einen Maler zu Besuch, der ihm nebst zwei Ölbildern, die er im Rausch geschaffen habe, wie er bestätigt, auch einen vollkommen mit Ölfarben verschmierten Veloursteppich zurücklässt. Als Webbel endlich auch bei ihm zu Besuch sein darf und unzählige Bücher und an ihn geschriebene Briefe aus seiner alten Wohnung wieder entdeckt, weiht ihn das Zusammenleben in die depressiven und acceleranten Lebensweisen seines Freundes ein. Der hatte, offensichtlich im Duett, einen Schuldner bei einer Geldeintreibung verprügelt, der die beiden auf Lebenszeit abstempelt, als die Anklage unvermittelt und verbindlich mit der Behauptung, das Opfer zu schützen, zurückgezogen wird.
Eines der Bilder in dem Wohnbüro des Malers heißt `New York´, das er selber besucht hatte. Er behauptet Webbel gegenüber, dass die beiden senkrechten Regalzeilen in dem Wohnbüro eine exakte Ankündigung seiner Innenausstattung gestaltenden Art gewesen sei, dass Welthandelstürme Ziele von Anschlägen werden würden. Er hatte oft die Orte bereist, nach denen er die von ihm gemalten Bilder benannte: „Und allda sind später auch noch Terroranschläge passiert!“ Der Maler hatte flink die lateinische Zahl I X I mit Latexfarbe neben die Regalzeilen an die eh weiße, mit Raufaser tapezierten Wände geschmiert, wie Webbel heute noch am Glanz ablesen kann. Der Maler vermutet: „Vielleicht die Art einer nostradamen Stochastik am Seidenfaden durch das kollektiv Unbewusste, das Lüneburg-Argomtron, sozusagen mehr als achronologische Retroabgleicherei durch extraopto-unsynchrone Quasimantik!“
Eines Tages schlägt der Maler Webbel unvermittelt auf die Hand, als Webbel sich von dem gemeinsamen Wohnbürotisch eine Zigarette herunter nehmen will, und flieht kurz darauf ohne Hab und Gut aus der Wohnung. Webbel fängt an, Schachbretter an die Wand zu malen: Sieben, acht Spiele verschiedener Situation, die Felder dazu schraffiert, klaglos, um den Fernseher ganz auszulassen und ihn zu einem organischen Technolith auf den Balkon zu verbannen.
Zwei von Webbel an die Wand geschriebene Worte in Kreide mahnen ihn zu dem Vorhaben, dieser anonymen Wohnung zu entrinnen und sie für immer zu verlassen,
Weltflucht vs Gleichgewicht
Er arbeitet dafür zwei Monate in einer Paketfirma an einem Fließband und stapelt zahllos Pakete in stählerne Ungetüme, schichtet Mauer um Mauer zu den Ausgängen der vorgefahrenen Container. Auf den alltäglichen Besprechungen im Betriebsflur feuern die Logistikmanager die Arbeiter und Arbeiterinnen an und entfachen den Teamgeist in der ökonomischen Lyrik des Betriebswachstums: „Gerade jetzt zu Weihnachten, wenn alle ihre Päckchen zuhause haben wollen und die Körbe, Laden, Fächer, Fließbänder gegenwärtig Überstunden machen, steht der gesamte Ruf und die Konjunktur des Unternehmens auf dem Spiel. Wenn wir uns nun alle richtig ranhalten, bleiben wir wettbewerbsfähig. Macht mit! Wir werden alle schöne Feiertage haben, im Bewusststein tatsächlich zusammen im Werk das Bestmögliche gegeben zu haben.“
Beim Blick auf die zwei Quadratmeter große Betriebshallenuhr bemerkt Webbel,
all die anwertende Begeisterung veralltäglicht sich!
„Im Klima dieser Tauwetterperiode werden wir alle durch die Werkhallen stürmen und in der Verpflichtung zu den Missionen eines gemeinsamen Fleißes an dem großen Weltideal eines authentisch non-monetären Archivs der Kapitalformen als Gerechte unter Gerechten mitbankern.“
und vom eigenen Eifer gerührt werden wir in den inneren Aufwallungen unseres Engagements in die wohl mögliche, metaphysische Verlängerung der Arbeitswelt zu den Abendstunden finden und Weihnachten wieder bei der Familie sein und gefüllte Pute haben!
Webbel lässt den Schlüssel zu der Wohnung im Bodeneinlauf eines angebrochenen Regenrohrs zurück, tut ein paar Steine darum und wartet auf den Abendbus, der ihn über Land in die nächste Stadt fährt. Dort wartet Webbel eine Nacht lang an einem Bahnhof und erwirbt sich morgens ein Ticket nach B., einem Ort, der ihn an seine Vorfahren erinnert und von dem Webbel sich schon lange erträumt, ihn zu erreichen.
Webbel wird in einem Zug durch B. gezogen und rutscht in den Sitzen des Abteils hin- und her, während die beginnende Stadt gleichartig an ihm vorüberzieht. Im Bahnhof von B. steht Webbel am geöffneten Zugfenster und blickt in eine graue Stadt hinein, als er aus der weiten, grauen Umgebung eine laut Rezitierende sich nähern hört. Schritt für Schritt wie vorwärtsfühlend, unentwegt stehenbleibend und anwesend laut eine Art auswendig gelernten Text sprechend, zetert sie streng und klar ihren Monolog den Bahnsteig entlang. An dem anderen Ende des Zugs stehen entstiegene Passagiere mit ihren Koffern. Los und Bestimmung gesinnen sich ihm aufmal ungelenk und verzogen. Kurzerhand beschließt er, doch nicht auszusteigen. Dozierend mit sich selber erklingen ihre Beschwerden Webbel sacht und ungerichtet. Webbel hat ein Buch in der Landessprache mit dabei, das er aus dem Antiquariat in seiner Heimatstadt erworben hatte und ihm hier weiter helfen soll. Webbel überlegt, einen Geldschein in der Landeswährung hineinzutun und an sie, die Jeremiadierende, weiterzureichen. Aber Webbel weiß nicht, um was es inhaltlich überhaupt geht,
die Rede ist nicht an noch gegen mich gerichtet
Die Lamentierende und Webbel fühlen sich durch Blicke schon insgeheim begegnet, dennoch sie sich nicht ausgetauscht haben, sehen sie sich gegenseitig ebenso beachtet genug, dass ein Frieden gesichert scheint, der offensichtlich auch die Bahnbeamtin in der Menge der Reisenden anspricht, denn die hat sich gerade umgewendet und eine offen auffordernde Geste gemacht,
ihr gilt die Rede
realisiert Webbel,
der Uniformierten, der Zöllnerin, der Fräulein Judas - dieser Diensttuenden!
Stolz verschweigt sie ein nächstes Lamento und geht zügig mehrere Meter auf die Gruppe zu, bleibt stehen und ruft der ihr auffordernd zuwinkenden Schaffnerin erneut etwas zu; das Procedere wiederholt sich noch einmal, beide stehen sich jetzt sehr nahe. Sie geben sich unverhofft die Hand und von Sieg gepackt läuft die mit Vollendung Beschenkte in das Bahnhofsgebäude.
Webbel steigt nicht aus. Der Zug fährt über eine ockerrostige Brücke, die sich hunderte von Metern über einen Fluss konstruiert. Er sitzt allein im Speisewagen und begnügt sich stundenlang mit einer kleinen Flasche Sprudelwasser. Das Personal, das nicht Webbels Sprache spricht, stört das nicht. Der Zug fährt mehr als zwei Tage und erreicht an einem Abend die Grenzen des Landes. Alle haben herauszukommen und an einem Häuschen Schlange zu stehen, ihre Dokumente vorzuzeigen und wieder einzusteigen. Doch der Zug fährt nicht nochmal los. Alle im Abteil sind plötzlich wach davon. Die Schaffner aus der Zollstelle betreten den Zug. Webbel wird heraus gebeten und in das Büro der ersten Etage geleitet. Dabei erklären sie Webbel, er habe keine Durchreisevisa für dieses Land und müsse zurück mit dem nächsten Zug in die Stadt B., um dort auf einer eigens für solche Fälle eingerichteten Kommandantur ein Transitvisum zu erwirken. Webbel erklärt daraufhin,
ich will gegenwärtig nur durchreisen und nicht bleiben, um Arbeit aufzunehmen, friedlich nur durchreisen, wie alle im Zug, ich will keinerlei Devisen in Ihrem Land unterbringen,…..ich will doch gar nichts in Ihrem Land, auch kein Transitvisum!
Ein Schaffner bringt Webbel zu dem Gleis Richtung B. und auf dem Gleis gegenüber steht immer noch der Zug, mit dem Webbel gekommen war und der mit laufender Lokmaschine wartet. Der Schaffner betrachtet unschlüssig Webbels Dokument und wieder den Zug,
Ihr Land ist doch weder Ende noch Ziel meiner Reise!
erklärt Webbel und der Schaffner betrachtet unschlüssig den Pass, zieht einen mechanischen Metallstempel hervor, der an einer Kette befestigt in der Umhängetasche liegt und stanzt die Tusche, die zu der Weiterfahrt berechtigt, in Webbels kleines Büchlein. Im Abteil wird nicht mehr gesprochen. Webbel fühlt sich isoliert durch die Sonderbehandlung und die noch nachwirkende Befragung will nur langsam abklingen.
In R. steigen alle zusammen aus. Webbel geht zu Fuß weiter, er hat genug von der Reise und wünscht sich zurück in die Gefilde seiner Heimatsprache. Webbel trampt. Erst wird er von Holzfällern in einem Lastwagen aufgenommen, bei denen er auf der Pritsche durch waldreiche Strassenabschnitte mitfahren darf. Einige frisch geschlagene Tannen liegen entzweigt und festgezurrt auf der Ladefläche. Aus ihren Rinden quillt das Harz. Mitten auf der Strecke setzen die Arbeiter Webbel ab und queren in die Wälder. Nach einiger Zeit kommt eine Taxe und hält an. Der Fahrer erklärt, er fahre eh gerade die Richtung nach Hause zurück und nimmt Webbel zunächst für lau mit. Als sie am Ziel ankommen, haben die beiden einen kleinen Betrag ausgehandelt. Als Webbel dort aussteigt wird er von einigen Jugendlichen bemerkt, die an einem Wagen stehen. „ Hippie!“ hört Webbel jemanden sagen, und er betritt ein kleines Postamt um Landeswährung einzutauschen. Bevor Webbel den Schalter gefunden hat, wird er angesprochen. Die Währung des Landes war aufgrund eines Regierungsumsturzes gerade neu herausgebracht und inoffiziell Währung mit Touristen tauschen war zum aktuellen Volkssport der Einwohner geworden. Webbel kann die Sprache des Mannes nicht richtig verstehen, aber die Konditionen scheinen annehmbar, und die beiden fangen an, auf einem Stück Papier Rechnungen anzustellen, um die Sprachbarriere zu meistern. Mitten im Gespräch kommen zwei Beamte an den Posttisch und bitten den Mann aufzustehen und führen ihn ab. Webbel ist baff ob dieser Entwendung seines Handelspartners und kommt sich auch noch vor wie der Dumme, den man zur moralischen Belehrung sitzen lassen hat. Webbel fühlt sich demoralisiert und straucht durch die Strassen der Stadt. In einer Apotheke versucht er einen Krankenwagen zu organisieren, aber keiner versteht, worauf er hinaus will. In einer Kneipe bestellt er Pommes und verlangt zu telefonieren. Er will einen Bekannten in seiner Heimat anrufen, um ihm von seinem Aufenthalt zu berichten und sich zu Besuch anzumelden. Am anderen Ende springt ein Anrufbeantworter an und Webbel spricht ein ihn ankündigendes Kassiber auf den elektronischen Speicher. Als dies gelungen ist, setzt er sich an den Tisch und erwartet seine Bestellung. Die zwei Beamten von der Post betreten die Kneipe setzen sich zu ihm und verlangen seine Abreise aus dem Land. Er habe sich jetzt schon zu auffällig benommen, dass sei nicht erwünscht, die neue Demokratie brauche keine umherstreichenden Elemente, die alles nur begaffen wollen. Sie werden nach einer Absprache mit Webbels heimatlichen Behörden einen Rückflug in die Heimat oder unabhängig davon eine Transferierung in ein Interimsland vorbereiten, dass sei in diesem Falle vorgeschrieben, auch für ihn sei dies das beste, hier nicht so weiter zu scheitern. Um einer Inhaftierung zu entgehen, nimmt Webbel das Angebot an, in das vorgeschlagene Interimsland einzureisen und sich vor den heimatlichen Behörden so Unannehmlichleiten zu ersparen. Die beiden Beamten begleiten ihn zu einer Fähre, die in über den Sund in D. absetzt. Bei der Fähre handelt es sich um ein Schnellschiff, das trotz bewegter See die hohe Fahrtgeschwindigkeit beibehält. Die Menschen sprechen kaum miteinander, alle scheinen ausgewiesen worden zu sein. Schon wenige Minuten nach Abfahrt kann man die gegenüberliegende Stadt erkennen. Ein starker, frischer Wind weht über das Deck. Gischt sprüht brausend an der Reeling hervor,
bei dem Motorenlärm kann sich eh keiner unterhalten
Webbel blickt sich um
alle wirken auf einmal, als ob ihnen in Wahrheit kotzübel sei
Im hellen Gang und auf dem Boden des zugigen Aborts wehen Papierhandtücher im Kreis umher. Webbel wischt sich den Schweiss von der Stirn.
In D. ausgestiegen liegt eine seltsame Stimmung auf dem Ort. Die Wetterfront scheint negativ aufgeladen und glimmt in bedrohlicher Couleur. Die Gegend des Hafens ist hauptsächlich ein Industriegebiet, das aus alten Rotklinkerbauten besteht. Webbel erinnert, neulich erst sind ein Teil der fremdländischen Truppen aus diesem Ort abgezogen, aber die Strassen gelten immer noch als sehr unsicher, hiess es damals in der Radiodokumentation.
Ein Wagen aus einer am Kai anlegenden Fähre hält an und der Fahrer bittet Webbel einzusteigen, denn als Tourist hier alleine herumzustehen, sei zurzeit gefährlich. Ob er Katholike sei, wird er gefragt, und dass dies die richtigen seien, wenn man auf die Lösung des Konfliktes kommen will,
ich habe nichts gegen Konfessionen
antwortet Webbel
mir ist die Taufe erspart worden, verstehen Sie, ich soll selber entscheiden, ob ich überhaupt getauft sein will, wenn ich mich danach fühle, alle haben damals zur Kommunion oder Konfirmation Geschenke erhalten, doch ich habe das abgelehnt, das hat doch nichts mit Glauben zu tun, so geneppt zu werden, schien mir irgendwie zu käuflich
„Die Kirche ist eine große Sache.“, sagt der Mann am Steuer und sie fahren zusammen in das Inland,
Richtung nach Hause
freut Webbel sich.
Ein nächster Mitnehmeer erklärt Webbel den Sinn des Lebens: „ Wenn Du einst Deine Enkel auf dem Schoß haben wirst, und sie Dich fragen, ob du irgendetwas in diesem Leben zu bereuen hättest, dann darf keine Sekunde der Trübung dich beschatten. Erst dann kannst Du sagen, dass Du dein Leben gelebt hast. Stell Dir vor, “, er weist auf seinen im Lenker versenkten Air-Bag, „ wir bauen jetzt einen Unfall. Ich habe einen Air-Bag und Du nicht. Was willst Du jetzt sagen?“
Ein nächster doziert über die verschiedenen Schweißarbeiten, die er in den letzten Monaten und Jahren am Auto vorgenommen. Er zeigt auf den Rahmen Webbels Türseite. „Komplett selber repariert, meine Frau lag ein halbes Jahr im Krankenhaus nach dem Unfall. Und vorne die Seite vor einem Jahr, total eingedrückt. Alles wieder ausgebeult ein paar neue Ersatzteile und fertig.“ Sie rauschen in eine regenglatte Kurve und der Fahrer verliert kurz die Kontolle über den Wagen, bekommt ihn dann aber doch wieder in den Griff. „Kann nichts passieren, Die Kiste hat Überrollstangen im Dach und in den Seiten. Das wäre ja beinahe schief gegangen.“
Wenig Kilometer vor der Grenze steht Webbel am Strassenrand. Er will weitertrampen. Von weitem nähert sich ein Wagen. Webbel erspäht vier Leute in einem offenen Cabrio, von denen zwei sich auf die flache Kofferraumhaube gesetzt haben. Der Rücksitz dient ihren Füssen als Fläche. Sie fahren auffällig zügig an Webbel vorbei. Ein rohes Ei schlägt Webbel an die Jacke und zerplatzt. Die Nicht-Anhaltenden brausen johlend von dannen, ohne die Geschwindigkeit verändert zu haben. Webbel fühlt die Wut des Wehrlosen und will die Steine um ihn herum vom Boden aufsammeln, für den Fall dass der Wagen umdreht und zurückkehrt. Zu Fuss passiert er den Grenzposten. Webbel ist der einzig Querende. Ein Zollbeamter kommt aus seinem Häuschen, tritt auf Webbel zu und kontrolliert sein Dokument.
Webbel erwirbt sich einen Walkman und wandert an dem aufkommenden Abend entlang in die Nacht hinein, bis er in der Stadt Z. in einer Nachtkneipe drei Limo und ein Taxi bestellt, das ihn in das nächste Dorf fährt,
eigentlich ist das mein gestecktes Wanderziel, das ich heute noch erreichen will
Der Fahrer ist kein Dorfsansässiger des Ortes. Webbel blickt aus der Taxe. Die Straße in der er einen Bekannten besuchen möchte, beginnt in der Dunkelheit hinter dem Dorfende mit den letzten Hausnummern und dem beleuchteten Strassenverlauf zu verschwinden. Kilometerweit kein Licht. Um das Taxameter niedrigzuhalten, steigt Webbel aus, allein weiterzusuchen. Webbel wendet sich von den Hausnummern ab, die an dem Dorfende mit der Bebauung aufhören,
die Adresse mit dieser Hausnummer existiert gar nicht
Webbel klingelt bei jemandem in der Strasse und fragt nach der Hausnummer.
„Die ist hier nicht bekannt und kommt wohl noch weiter oben im Verlauf.“
Webbel sucht ein Handtuch aus seinem Handgepäck, um hineinzuschreien, aber eine Streife kommt vorbei: „Jemand hat im Dorf eine sozial auffällige Person bemerkt, die uneingeweiht planlos nach irgendetwas sucht.“
Die Streife identifiziert Webbels Personalien, lädt ihn ein und liefert ihn vor der Dorfherberge ab, in der kein Licht mehr brennt und auf Webbels Klingeln hin auch niemand aufmacht. Er verbringt den Rest der Nacht im Freien, erst morgens öffnet ein Mitarbeiter der Logis die Eingangstür. Webbel darf Quartier beziehen und ruht ein wenig aus. Als er nachmittags das Dorfende aufsucht, aus dem die Straße in das Land verläuft, kann Webbel nicht viel ausmachen,
die Adresse existiert tatsächlich nicht unter dieser Hausnummer, weit und breit kein Gebäude, nicht ein Mal Laternen, lediglich windschiefe Zaunpfähle mit wirren Stacheldrahtbefestigungen und zahllos mannshohe Buschreihen verblühender Rhododendren
In einem Supermarkt findet Webbel an einer von den Informationstafeln einen Zettel mit einem Vermietungsangebot im Birkenweg. Dort hat eine frischgeprüfte Goldschmiedegesellin Wohnraum und Werkstatt. Sie sei gerade Gesellin, erzählt sie und wolle in eine andere Stadt ziehen. Webbel und die Goldschmiedegesellin wickeln den Papierkram zu der Übergabe in der Küche ab. Webbel will der Nachmieter sein, das verspricht Befreiung aus lästigen Verpflichtungen. Die Gesellin erklärt, sie werde gleich noch Besuch von ihrer Freundin aus der Stadt bekommen. Webbel dürfe gerne bleiben und sich hier schonmal akklimatisieren. Die Gesellin greift zu einem Handy und ruft bei ihrer Bekannten an, die sich schon auf den Weg gemacht hat. Sie beschließen zusammen in die Stadt zu fahren. Auch Webbel will mit in die Stadt und einige von den Orten aufsuchen, von denen er weiß, dass sich sein Bekannter aus dem Dorf daselbst gerne aufhält. Die Gesellin zieht sich eine neongrüne Perücke auf den Kopf und tingelt zwischen den gepackten Kartons umher, um sich eine Garderobe zurechtzusuchen. Ein Auto fährt vor. Bei der Bekannten im Wagen sitzen noch zwei weitere Gäste. Webbel und die Gesellin setzen sich mit auf den Rücksitz, Aufregung und Trubel begleiten die erste Strecke des Weges,
alle haben sich schon lange nicht gesehen und viel zu erzählen!
Auf dem Boden des Wagens entdeckt Webbel eine Ausgabe von `Alchemie und Mystik´ und findet darin, nebst der Historie der Darstellung christlicher Gnosis, ellenlange Kritzeleien über Kräuterkunde verzeichnet. Die Wirkungen von Aberhunderten von Kräutern und Gewürzen sind darin, gender aufgeschlüsselt, hineinnotiert und bedecken eine Unzahl an Abbildungen oder zieren die Freiräume. Die Gesellin zieht zwei indische Pfefferminzbiddies hervor, die ein baumwollfadenumwickeltes Ende als Filter haben. Eines gibt sie Webbel, das andere sich selber. Der Beifahrer im Wagen zündet die Tabakwaren an.
„Wir besuchen noch meine Schwester Sina!“, sagt die Gesellin: „Die muss unbedingt auch mitkommen heute Abend. Die verbringt ihre Leben nämlich zurzeit zusammen mit so einem Pharmazieparasiten und die beiden tun nichts anderes, als ihre negative Beziehung auf den allgemeinen Sozialuterus abzuwälzen.“
„Voll krank!“, ruft die Bekannte an dem Steuer.
„Später können wir in meinen Geburtstag reinfeiern, “, erzählt der Beifahrer: „ meine Eltern haben voll fett Torte eingekauft und sind nicht zuhause heute Nacht.“
Der Afrikaner neben Webbel hat ein Saxophon und spielt ein paar Töne: „Vorhin auf der Herfahrt bin ich gefahren. Da wurden wir angehalten, weil ich bei Rot über die Ampel bin. Nun bin ich die Fahrerlaubnis los, dabei habe ich die nichtmal mitgehabt!“
Er spielt eine Komposition, ein Sequenz einfacher Töne in dem Kopf und Herz mitklingen. Er nennt sie:„Hey Islam, where can I put my Afro-Head?” und musiziert sachte weiter. Webbel wirft einen Blick auf die Fahrerin. Auf ihrer Ablage liegen Haufen verschiedener Kaugummisorten und Dragees von der Tankstelle.
„So, hier wohnt Sina! “, ruft sie plötzlich aus und stoppt den Wagen. Alle öffnen die Türen und steigen aus, betreten den Hausflur durch den offenen Eingang und gehen ein paar Treppenstufen aufwärts. Obwohl niemand anklopft oder die Klingel betätigt, öffnet Sina und bittet alle hereinzukommen. Sie ist allein in der Wohnung, die vollkommen mit Abfällen vermüllt und an den Wänden restlos beschmiert, bekritzelt, bespuckt und befleckt ist. Ein Bukett frischer Räucherstäbchen fällt Webbel auf, das schön drapiert auf einer Fensterbank steht. Eine Katze schnurrt durch die Räume. Sinas Schwester wirft Webbel warnend zu: „Die Sprache der Katze genau zu respektieren, bedeutet, die Sprache der Katze zu verstehen und folglich auch mit ihr kommunizieren zu können. Und das können nicht alle!“, meint sie.
Webbel gibt zu begreifen,
wir müssen wohl alle mächtig studiert sein, um uns mit dieser Katze zu unterhalten
Die Katze faucht bösartig auf, als Webbel sich ihr mit der Hand nähert und ihre Krallen unsanft mit der Pfote in Webbels Hand schlägt.
„Die mag keine Männer.“, urteilt die Gesellin und erzählt, wie Sina und ihr Freund die Katze zusammen aus dem Tierheim geholt hatten. Sie trägt immer noch ihre neongrüne Perücke und erinnert Webbel dabei ein wenig an Nina Hagen. Zunächst gehen alle in ein Billiardlokal das `Die Pyramiden´ heißt und spielen Runde um Runde. Die Gesellin steht mit einer Flasche Wein im Arm an dem Tisch und sagt: „Ich bin die Hüterin des Alkohols, dieser Kindergarten darf nicht dauernd trinken.“
Webbel ruft ihr vom Tisch zu,
wenn ich für die Wahrheit lügen muss, werde ich das tun, sonst wird die Wahrheit nicht siegen!
schlussfolgert Webbel.
Der Abend endet in der Wohnung des Geburtstagskindes. Die Eltern sind tatsächlich aus. Die Küche ist mit leckerer Torte bestückt. Die Gesellin steht an einem Bücherregal und studiert die Einbände. Frühenmorgens greift Webbel nach einem Feuerzeug und versucht, ihre neongrüne Perücke anzuzündeln.
„Lass dass, spinnst Du!“, sagt sie und nimmt die Perücke von ihrem Kopf, die sie seit Beginn des Abends nicht ein einziges Mal abgesetzt hatte. Webbel und die Gesellin schließen Frieden.Ihre Bekannte, Sina und der Saxophonspieler sind bei dem Geburtstagskind geblieben und eingeschlafen. Webbel und die Gesellin fahren zusammen durch die frühe Landschaft. Er sitzt angeschnallt auf dem Beifahrersitz und ihm wird wohlig warm. Sie unterhalten sich über ihre Familien und Bindungen an das Elternhaus. Als sie bei der Wohnung im Dorf angekommen sind, löst Webbel den Gurt, öffnet die Beifahrertür und lässt sich akrobatisch aus dem Wagen auf die Erde rollen, liegt mit dem Rücken auf dem kühlen Boden und blickt in den Himmel. Die Gesellin sammelt Webbel auf. In der Wohnung entdeckt Webbel eine Packung Lakritze auf der Fensterbank und nimmt sich einen schwarzen Stein heraus. Die Gesellin legt sich auf ein malariazeltverhangenes Bett, das noch aufgebaut steht, und dreht einen Sender mit klassischer Musik im Radio an: „Du verstehst die Sprache der Katzen gar nicht. Wie kannst Du nur so arrogant sein. So viele Menschen sind so gefühlskalte Wesen. Wittgenstein hatte das doch allen genau erklärt mit dem Netz der Liebe und der universalen Grammatik der Sprache, außerdem gehören die Lakritzen meiner Schwester Sina. Schade, Du bist genauso ein Dummgruft wie sie und glaubst an blutbefleckte Hochzeitskleider wie Hamburg an Obstbäume.“, ruft sie aus, steht auf und geht in das Bad, um sich die Zähne zu putzen. Als sie wieder herauskommt, beginnt sie Webbel anzuschreien, sofort die Wohnung zu verlassen. Er setzt sich gegeißelt auf die Treppenstufen, um ihr Gezeter zu erdulden.
„Ich werde jetzt allein“, wie sie betont, „zu meiner Freundin in die Stadt fahren.“
Webbel entdeckt in dem unglaublichen Augenblick einen Moment DER RUHE in seiner Innenwelt, die ihn in einer Anwesenheit höherer Geduld hält und Webbel Gewissheit bereitet. Er beginnt den Gartenweg zur Straße hinunterzugehen. Die Gesellin schließt die Tür hinter ihm und schluchzt in einem lauten Aufschrei auf, so dass Webbel zurückkehrt, klingelt und an der Tür fragt,
brauchst Du einen Krankenwagen?
Die Tür öffnet sich und die Gesellin erklärt, sie brauche keinen Krankenwagen, aber zu ihrer Freundin in die Stadt wolle sie trotzdem fahren. Webbel darf nicht nochmal mitkommen. Er geht die Strecke zu der Herberge zurück. An der Straße spürt er ein Motorengeräusch im Rücken, die Gesellin fährt vorüber, an ihm vorbei. Die einsetzenden Tropfen des Regens werden Webbel zu den Steinen der Weisen.
Beim Lichtkrieger +*
Das große, schwarze Herz liegt immer noch auf dem Boden, aber Webbel bringt den Zaubermantel der Ungemütlichkeit dennoch zurück. Er pinselt ein paar Ölfarbflecken darauf,
im Sommer malt es sich so gut im Zaubermantel der Ungemütlichkeit
Aber der will ihn gar nicht zurücknehmen: „Der hat doch früher so gestrahlt wie Kreons Auge beim Erblicken von Ödipus.“,
ich bin nicht verliebt und trage jetzt einen Pelz der Königin, ich brauche den Mantel nicht mehr, der Pelz ist zwar nur eine Spore von dem Pelz der Königin, doch ich nahm ihn von ihrem tätowierten Leib und als es Winter wurde, hatte ich es doppelt schwer
Er schenkt Webbel ein paar Birnen. Webbel bemerkt, dass der Lichtkrieger sehr ehrgeizig ist und bald sein Abitur nachmachen will. Die Birnen sind schon gegoren und sehr lecker. Die letzte aber will Webbel nicht essen und er ersticht das arme Brot auf dem Küchentisch.
„Armes Brot! Dem Webbel, dem rät kein Sonnenschein.“, singen die Medusen und erheben ihr Lamento. Sie haben schon so viel gelobt, die wachsenden Pflanzen, die atonale Moderne und die Notwendigkeit, dass niemand zu Besuch erscheinen will. Lange Nesseln von den Wundbändern der Keres verhängen ihre Halle: „Bald kommt ein Maler von der Lukasgilde. Der hat sich angemeldet, die Tuchstreifen auf einen Bilderrahmen zu spannen.“
Webbel denkt aufmal,
mein Körper besteht aus Disteln
Er verlangt, Ameisensäure zu trinken. Zersiedet blickt er zu der Metropole, die luxuriert wie ein Tross aus unzähligen Televisoren und verspricht Erleuchtung.
„Allda ist heute Abend auch eine Sitzung.“, sagen die Medusen. Da Webbel sehr konfliktscheu ist und kein Manager, macht er sich auf den Weg dorthin.
Der Weg liegt wie ausgerollt und dahinmäandert. Reisen haben ihn von einem Pfad zu dem Weg ausgetreten. Er ist oft selber seine Wege gegangen, aber nach einer Kartierung sesshaft geworden und hat sich eingependelt ergeben zu einer langen Schwelle. Auch Webbel - dem unter die Medusen Gefallenen - bietet er Übergang, verschafft er Gelegenheit zur Reise und gewährt seiner unbewussten Psyche Pilgerschaft und Station. Die näheren Umstände, in welche der Weg sich einbettet, ist Sozialuterus, ist Wanderung von Wehe zu Wohl, ist Geburt, Beginn und unanzügliche Begleitung zugleich. Webbel begleitet den Weg, er ist ergiebig und Webbel Sänfte für den optischen Wandel von Theorien und Lehrer erwiesener Erfahrungen. Der Tross aus Televisoren wird zu Türmen aus Fenstern, in denen bronzene Gongscheiben hängen.
Webel bezieht ein Bett in einer Unterkunft, deren Schlüssel den Bewohnern ausgehändigt wird, aber der Zimmernachbar lässt sein Essen auf dem gemeinschaftlichen Tisch verschimmeln, so dass Webbel nach dem Duschen nicht mehr im Bett liegen kann, um seine Haare zu trocknen. Zudem gießt er Webbel auch noch Blumenwasser in das Bett, damit Webbel gar nicht mehr kommt. Vorsichtig spielt Webbel einen Ton von dem Gong heran, der im Fenster hängt. Im Televisor hatte Webbel einen ostdeutschen Mann gesehen, der im Garten eines mecklenburgischen Dorfes einen überlebensgroßen Gong aufgestellt hatte, um den universellen Energieaustauschsatz von Gong und Musiker zu beweisen. Dazu hatte er drei Tage lang ohne Unterbrechung Töne aus dem Gong hinausgespielt. Gelegentlich waren Bekannte gekommen und hatten ihre Geigen oder Gitarren mitgebracht, um mit ihm ein Konzert zu musizieren,
das ist ja großartig konform, wirklich kongruent im System der Harmonie
Webbel verlässt das nach Schimmel riechende Zimmer mit dem auf Bepinkeltheit gepimpten Bett. Auf der Straße fischt Webbel sich ein aktuelles Tagesblatt aus dem Mülleimer, in der die von an dem Nordpol lebenden Bären untereinander verübten Verbrechen zu einer kriminalsoziologischen Reportage geführt hatten: „Eine riesige Eisscholle ist von der Platte gebrochen. Ein Riss auf zweiundzwanzig Kilometer Länge hatte dazu geführt, dass die Spannungen auf der Scholle und auf dem Resteis gestiegen sind. Eine Bärin ist offiziell Opfer dieser Rudelpanik. Einen weiteren Braunbären im bayerischen Wald haben die finnischen Wissenschaftler erlegt und den Jungbären im Leipziger Zoo, den auch: `Ihn mit der Hand aufzuziehen, ist grundlegend widernatürlich. ´ “, werden die Anstaltsdirektoren zitiert,
das ist schon auswegslos, wenn die Schutzbefohlenen einen so früh ablehnen
Im Elbpark verfolgt Webbel die Dreharbeiten zu `Auf Wiedersehen, Bismarck! ´. „Unsere Pyrotechniker haben die Statik der Statue mit Sprengstoffen bestückt und ein doppelrotoriger Hubschrauber mit Tauen und Ketten steht bereit, den Torso aus dem Park zu heben.“, erklärt die Regisseurin: „ In einer spektakulären Sonnenuntergangsszene wird die Skulptur durch die Prachtstraßen Hamburgs fliegen und so nach außerhalb verfrachtet werden.“ Webbel kommt das gefährlich vor und erinnert,
sind in dem Sockel der Statue nicht noch Runen und sütterline Fresken von damals?!
„Ja, die liegen dann auch noch unreflektiert offen da, das stimmt “, sagt die Regisseurin zu Webbel. „Aber der Denkmalsturz ist auch gleich eine Einladung für dieses Wimmelbild von Mahler- und Irvinggläubigen, die hier zur Offenlegung sicherlich ihre Versammlungen abhalten und dazu Reisepässe verbrennen werden, weil sie ja auch nicht mehr zu den Holocaustkonferenzen in das Ausland dürfen. Normalerweise gehört das Denkmal sowieso zumindest eingehüllt, solange die NPD noch demonstriert statt die RAF-Akten aufzumachen, jedenfalls, um diese Kriegsverherrlichung zu entschärfen. Ich bin gegen Mahnmale für Gefallene überhaupt, hat doch ein jeglicher den Grabstein, das ist doch feierlich ermahnend genug. Auch noch Reiseverbot wegen Völkerverhetzung!? - Endlich werden doch Moscheen gebaut, die wirken doch so schön gen-ethisch! “, flunkert die Regisseurin und aus einem Impuls innerlicher Überzeugung: „Der Film wird das Aus für eine Reihe übler non grata Musikgruppen, deren Sänger wohl nur zu dem Stimmenkauf auf den Schulhöfen taugen. Die Enttäuschung war groß.“, sagt die Regie noch, doch Webbel verliert sich ad finis mundo im dem Labyrinth der Wildnis gewordenen Neonthrone,
die emanieren nichts, keine Willenskräfte, keine Allmächte, überall nur adressierte Telepathie und luminose Waffen irgendwelcher massenzerstörenden Informationen, eher eine luxurierende Käseglocke eines elektrokalorischen Pfaus in einem diaphan lupenreinen und karatlosen Kaleidoskop okularorthopädischer Tyrannei, ich schnapp mir die Knarre!
Webbel steht an einem mannshohen Videoautomaten und befreit Guatanamo von seinen Wächtern, Ghettos von ihren Söldnern,
eine Welt aus Flucht im abregnenden Klima, Lebensformen und Menschenwesen, Psychen- und Empfindungsgestalten, Geistfiguren eines nicht gerinnen wollenden Geysirs aus dem Füllhorn einer polytopen Metropole im gender Disput, da!, auf dem Golfplatz, Sphingen, Orakel, Khomenie Ödipus und Jokaste am Loch Siebzehn, offentsichtlich bei ihren Debatten, den pfundschweren Rohdiamanten mit dem Neuner einzulochen, und hier!, die Entlassenen aus den eisernen Jungfrauen, Masken, Spießrutengassen, Angelhakenwelten und Hexenhammervierteln, Junggesellen, Singles, Monos, Eremiten, Zölibatäre und Einsiedlerinnen, Desintegrierte und diskriminierte Alleinunterhalterinnen, die in ihren Einredungen und Galimathien den beschworenen Spuk leben, während die Nullen und Einsen auf meinem perimedischen Introideomaten, knarz slot: oh!, `nichts geht mehr´
Bingdddinfantil Bing
Bing Bing
Bingdkjhysterisch
Bing Bing
Bing Bing Bing
Bing34kastisch Bing
Webbel hält die Plastikwaffe in der Hand, an der am unteren Ende, von woraus ein Verbindungskabel zur Konsole verlief, ein paar Drähte herauslugen.
„Hey, hallo, lass den Daddelapparillo an der Wand, hm!“ Ein Sicherheitsbeamter des Hauses will das elektronische Schaustück ausgehändigt haben,
gut geräuspert, Dein`hm´ ist Dir bestimmt schon am frühen Morgen entsprungen, um zu verkünden, besser nicht aufgestanden zu sein
„Lass diese Kiste an der Wand, ok!“
und meine Alimente vom Amt?, die für die Familie daheim bestimmt waren?
fragt Webbel,
die sind wohl gerade auf dem direkten Umweg an die hausinterne Protegierung irgendwelcher multituden Pershing-Zwei-Projekte weitergeleitet! , soll ich etwa den Tag brav als Thyrsos und Cacus in Bauchdecke und Hoseboden, Ohrmuschel und Augenhöhle verbringen?!? ihr wollt mich hier durch die Gegend platzieren, dorthin, hierhin, was? , - mit auf die Wache? ICH WILL IN EINE KLAPSE, JA!, BRINGT MICH IN DIE ANSTALT - sagt mal, könnt Ihr mir einen Zehner leihen?
„Der Kiez hier der Horror ist zu jeder Stunde!“ murmelt einer der Sicherheitsbeamten, die hinzutreten,
dieser kationische Kiez ist der Horror zu jederlei Stunde, wie ein lobender Methusalem in medusischen Kathedralen, ein Eins zu Eins von Licht und Sein ausgeleuchtetes Leben, das hypetral geistgewordene Abbild des adynären Rätsels einer megalopathen Psychokloake mehr, in der Sonnenenergie und Erkenntnistheorie, DNA und Sozialuterus, der Oberbankier im Atelier, genauso wie das Kollektivlicht aus dem Kollektorstrom, der Besser-Esser im Kullinargewässer der Nationalküchen mit der ohrverköstigenden Sphäre und den Wurstpferden Apollos, ebenbürtig, schnörkellos und schon partiell geblendet von der sittlichen Wirklichkeit der bioklimatischen Architektur, einem Jugendstil aus Umnachtung in bergischem Chloroform und Dichterzirkeln opiumsüchtiger Achtklässler, die am Wandertag bei Humpen von Hopfen und Malz ganz Männerpflicht und Offiziersrang um Angebot und Nachfrage sind, während der verwundete Soldat bedeckt mit Pharmazien im delfischen Thule-Theater zur Auflösung gegenwartloser Diktaturen liegt
Einige Vorübergehende treten heran. Webbel registriert vor dem Eingang stehen bleibende Passanten,
wir sind doch nicht mit unserem offiziellen Sicherheitsinstinkt aus den Mannschaftswagen entsprungen, sind wir Brechmittelfahnder! und? , gibt noch genug Fußballfans, Prostituierte, Waffenhändler und Drogendealer? , vielleicht auch noch auf den Radwegen die Fahrradbotschafter verfolgen, die auf dem Weg in das limboische Nirgendwo ihrer sensiblen Entscheidungen die Gefahren suchen?!
Webbel bemerkt ein zunehmendes Anschwellen der Menschenmenge um sich herum, während auf der Straße ein erster Übertragungswagen anhält,
wir sind doch keine eddaäischen Kretins und schon genau so gemergelt wie die Feinde des Flieders auf den Pfaden der Erleuchtung, sind wir nicht übersäht mit den Symbolen verstoßener Tabus? - hauchdünne Schnepfenaale sind wir, mit ultraprivilegierten Bußabsichten, einfach und gedoppelt zurechtgelegten Werten, behelligend beschattet von einem zurechtgefrästen Neonthron, der an dem Rückgrat der Nacht zu den Ossuarien des Ungelenks selber kriecht
Webbel sieht einige Mikrophone, die hinweg der sich ansammelnden Menschen zu ihm ausgerichtet vorragen. Hier und da floreszieren Blitzlichter aus der Umgebung.
im mineralischen Moment der Wahrheit sind wir Sonne und Volk zugleich, und frei von antiken Gewaltmythen! Weder Anti-Helden noch Nicht-Täter, sondern unerreicht von den Dogmen leviathanischer Gottesstaaten sind wir Teil der Vermischung, der Wanderung und der Migration, konfliktscheue Ex-Bohemien und Kinder der Kirche der letzten Kriege! genau!, hosianna
verkündet Webbel,
kein Ding kann der Mensch sein, das Du Dir nimmst und kein Pferderücken, auf den Du Dich setzt, was uns an Sonne entgeht, erfahren wir als Kraft!
ruft Webbel zu der Peripherie der Menge. Ein Mann, der Webbel nicht wahrnimmt, bahnt sich einen Weg durch den ihn umschließenden Menschenpulk. Webbel fühlt sich auf einmal ungehört und glaubt sich in der Gruppe und im Gewusel seiner beschworenen Welt verschollen. Einer der Sicherheitsbeamten entwendet Webbel das Konsolenbesteck und verweist ihn des Geländes. Webbel geht und strauchelt in ein Kino, stolpert durch die Propaganda von `Deep Blue´und Jarmuchs `Coffee & Cigarettes´. Aus `Krieg der Welten´ kommt Webbel eine junge Frau entgegen, die anfängt Kippen von ihrer Straße aufzuheben, deren Inhalt sie im Ofen oder auf der Herdplatte trocknen will. Sie sammelt gerade in der Nähe eines alten Motorrads, welches noch eine heiße Auspuffanlage hat, so dass sich ein Ahnungsloser wirklich daran die Finger verbrennen kann, und verwickelt Webbel in ein Gespräch über die psychologische Wirkung des Motorradfahrens im Straßenverkehr.
„Nein, nicht wie auf dem Hockenheimring, wo jedweder seine Gegner ebenbürtig, ja sogar gleich bewaffnet antrifft.“, sagt sie: „Sondern hier in den Straßen dieser Stadt. Ob die Fahrt mit diesem Joghurtbecher, wirklich den Engeln gleich macht, die doch bekanntlich auf Thronen sitzen, Willensmächte ausströmen und dadurch die Materie manifestieren?“,
ob das wirklich so gut ist, wie dem Zen zu meditieren?
fragt Webbel sie laut.
„Ja, werden die Grenzen, “, sie wird plötzlich sehr juristisch: „der gesellschaftlich aufoktroyierten Konvention auf diesem Plastikstier wirklich überall zu Freiheit und Globalisierung, Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit entfliehen?“
Danach beginnt sie Webbel die Zukunft leistungsstarker Laserwaffen, als der Schöpfung heilsplaninnewohnend zu deuten. Webbel wird das zunehmend zu kompliziert und verabschiedet sich,
die Laserwaffen sind doch keine Heilsbringer für die Rotlichtmilieus dieser Erde, diese Engel, die sie vorgibt zu kennen, tragen Kanonen, nein, in den Maschinen sind keine Messen zu finden!
Er bekennt,
wenn wir erst den Kern einer solchen Sache haben, verfluchen wir auch ihr Tun und Handel
Webbel will so ein Ding auch nicht erwerben,
keine Ahnung, auf was für Gedanken wir noch kommen, wenn wir mit zig Sachen durch die Straßen brausen und einen Bekannten auf einem Fahrrad treffen, ich könnte dem ja nichtmal die Hand geben, geschweige denn bei diesen Lautstärken ein verständliches Gespräch führen
Gebannt steht Webbel vor dem Kinosaal zu `Riddicules´ Griechischstunde auf Krematorion und findet draußen vor den Sälen des Cinemas eine orphane Megapackung Popcorn, die Besucher ungenossen auf die Straße in den Niesel gestellt haben. An der Kreuzung auf dem Stromkasten liegen die letzten vier Rosen des Rosenverkäufers,
so ein Dreck
Webbel klemmt sich die Blumen unter den Arm,
das wird das Ende der Läuterung im Unbehagen der Irrealität
Statische Aussicht
Webbel rennt an einem kleinen Demonstrationszug vorbei, der gegen die offenen Koffeinszene protestiert und dazu: „Alle in den Knast!“ skandiert. Das alte Polizeipräsidium mit der Unterkunft taucht in der Strassenflucht auf. In dem Zimmer brennt noch Licht. Unberechenbarkeit breitet sich Webbel im weiten Sinne der Umgebung aus. Webbels Nachbar schnarcht laut und rechthaberisch. Unwidersprochen steht Webbel in dem dunklen Zimmer, dessen Beleuchtung er gleich beim Betreten gelöscht hat. Leisen Schrittes, Webbel staunt auf,
der bronzene Gong im Fenster, das versiegelte Vakuum des Televisors, matt und grau, wir werden ganz empathieentfaltendes Individuum, stets konspirierend mit jemandem, der das Schlimmere getan hat, nämlich mit uns selber!
beschliesst Webbel,
res et verba, diese philosophische Ungeburt!, ich bin den Göttern böse, aber Apollos Wustpferde sind ausgeritten, diesmal werde ich nicht in Herden von Wölfen oder Einhörnchen erwachen, beim Aufstehen nicht Schrat noch Drölver sein
Er schliesst die Tür hinter sich ab, als er das Zimmer verlassen hat, verbringt zwei Stunden damit, aus dem ersten Stock in die Parterre zu gelangen und drückt minutenlang und zeitlupenhaft die Klinke herab, um die Ausgangstür zu öffnen. Sie ist verschlossen,
hatte ich keine guten Vorsätze zu Neujahr gefasst?
fragt sich Webbel und überlegt,
nein!, die habe ich schon vergessen
Aber Webbel weiss, dass da doch welche gewesen waren,
arbeiten!
denkt Webbel noch,
logisch, aus dem Niedriglohnsektor hinauf und Geschäftsmann!, als Schüler hinaus und Lehrer!, vom sich durch Workoholität entledigenden Studenten zum sich durch Maloche vernichtenden Professor oder schlichterwegs, als Tagger zum Rembrandt werden!
Jemand schlurft aus einem Zimmer den Gang zu dem Nassraum hinunter und verschwindet hinter der Tür. Der Zettel mit den Posteingängen am Klappbügel ist zu einem Teil ausgerissen und entwendet. An den Wänden hängt noch das Weihnachtsdekorum des Festes. Webbel tigert zu dem kleinen Flurfensterkasten mit den Hausverboten,
nichts zu machen, ich stehe nicht mit drinnen, mein Nachbar auch nicht!
Ein leiser Gongton ertönt fern in einem Zimmer, ein Televisor springt an,
wir dürfen bleiben!
Der Mensch schlurft aus dem Nassraum zurück auf das Zimmer,
das alte Polizeipräsidium, herrlich, nicht unausmalbar, was hier schon alles abgegangen ist, bevor der Laden zur Unterkunft umgemodelt wurde, die Wände sind gelb, die Leisten blau gestrichen, jemand hat unten angefangen, die Wände mit Weiß zu bemalen und den Handlauf, hm, beige mit hellkhaki oder leicht altoliven
Das Tor von dem Hinterhof ist auch verschlossen. Webbels Schlüssel passt nicht hinein,
also nicht unterkriegen lassen, sondern die Ausgangstür nach vorn hinaus aufschliessen
Webbel geht vorbei an dem Klubtelefon mit dem Datum und der Uhrzeitenanzeige zu der Ausgangstür, die er erneut zugesperrt vorfindet, schliesst diese auf und findet ins Freie,
ein gerechter König sorgt für genügend Geheimniserforschungsmittel, das bringt Mut und Demut
Allmählich wird der Morgen hell, gefiederte Freunde tätigen ihre Zurufe,
alle Menschen, die allein leben sind obdachlos
mutmasst Webbel,
egal, ob auf einem Schloss oder in einer Unterkunft
Er erinnert sich an eine Bäckerei mit warmer Backstube,
in der darf ich Brötchen kaufen, dahin!
beschliesst Webbel nach einem sorgfältig recherchierten Indizienprozess,
zu dem Ende der Entropie, weg von den Membranen der absehbaren Nacht, oh, wehe mir Schön-Ich
graust Webbel die Ahnung. De Morgen ist verkündenswert, ein sich bedächtig entfaltender Drache des Tages. Eine unmodische Sackgasse ohne jegliches Symbol behält Webbel inne. Ein potemkinsches Dekor urbaner Wildnis, ohne Graff und Glyphe, beginnt ihre ungewollten Domestizierungen. Webbel wendet sich um,
dieses Labyrinth will mich nicht erleuchten!
Webbels Gedächtnis konstruiert eine Gegenwelt hervor, in der sich Präsidialdiktaturen aus Amok und Counterstrike zu einer imaginierten Vergangenheit verdichten,
so ein abscheuliches Miasma
Er blickt durch das Schaufenster in die Auslagen, die Bäckereiregale sind ihm gefüllt mit erstochenen Broten und gemeuchelter Kuchenware, die von Zeichen bestäubt, betupft und so neigungslos vor dem Morgen gescheitert sind. Webbel fängt an, die Anzahl der vorbeirauschenden Autos in Summen zusammenzuzählen,
skoda mercedes zweiter mercedes vw zweiter vw dritter vw vierter vw fünfter vw ford dritter mercedes fiat sechster vw audi zweiter fiat honda saab saab zweite mercedes vierte zweiter audi fiat dritte siebter vw unbekannt zweiter unbekannt achter vw ford zweiter simca neunter vw dritter audi dritter unbekannt volvo zehnter vw einman fiat vierter magirusdeutz erster saab dritter unbekannt zweiter volvo zwei man, diese hedonistische Mathematik eines fluktuierend neorealen Schlachtfeldes ehrfurchtslos mobiler Pferche, die sich in geräuschvoller Kumpanei ihr Pfrund-Sein gassifahren lassen, dieser dschungeloide Furor verlangt meine volle, urkinetische Virilität!
Webbel geht ein paar Schritte weiter und empfängt mit jedem Meter Umformung aus der Urbanität: Webbel ist Wesen vom Stier, vor Jungfrau, vom Zentauren, vor Faun, alert zu dem unabwendbaren Befehl zu den Konversionen und Rettungen durch Umkehr,
wollte ich mich nicht wandeln, heraus dieser differenzlosen Wiederholungen?
fragt sich Webbel und fängt erneut an, die Straßenbefahrungen zu zählen,
blau zweiblau silber grau gelb dunkelgrün zweigelb rot dreiblau bordeaux vierblau weiß zweiweiß zweisilber schwarz zweischwarz dreischwarz vierschwarz dreisilber fünfblau hellblau zweirot orange dreirot dreigelb zweigrau dreiweiß bordeauxzwei fünfschwarz zweihellblau zweiorange viersilber vierrot viergelb dreigrau sechsschwarz bordeauxdrei vierweiß dreihellblau siebenschwarz pink fünfweiß achtschwarz fünfrot sechsblau sechsweiß vierhellblau zweidunkelgrün bordeauxvier neunschwarz fünfgelb sechsgelb siebenblau dreiorange achtweiß
Webbel schließt die Augen, dreht sich mit dem Rücken zur vierspurigen Straße und geht los, im Glauben an eine gedankliche Energie, bis er mit dem Rücken gegen eine Häuserwand stößt und öffnet die Augen. Webbels Aufregung ist enorm und Euphorie,
niemanden hat es interessiert, der Tag kann nicht klappen
So unbemerkt hat Webbel sich mit Pech aufgeladen,
soll ich mich auch noch von den Hausflurtreppen stürzen, wenn die Nachbarn kommen, oder einbeinig über Bahngleise hüpfen, bevor der Zug eintrifft?
Webbel hat eine Verletzung an dem Knie, die Hose ist aufgefetzt. Er weiß nicht wieso, das Fleisch ist blutig und an einer Stelle leicht aufgeplatzt. Webbel humpelt los,
ich bin ein freier Mensch
Im nächsten Straßenzug trifft er eine Bekannte, die hatte Webbel früher oft geliebt. Er fragt sie,
einen Kaffee trinken? auf ein Gespräch, nach all der Zeit, die wir uns nicht mehr gesprochen haben!
Aber sie will nicht, denn sie hat einen unaufschiebbaren Friseurtermin. Webbel betritt das Kaffeehaus allein, bestellt einen Tee und lässt sich mit einer Taxe zu einem Krankenhaus fahren. Die Notaufnahme ordert eine Injektion gegen Wundstarrkrampf und örtliche Betäubung an. Nach ein paar Nadel- und Fadenaktionen ist Webbels Knie verarztet. Webbel kann sich nicht mehr schnell bewegen, alles läuft ihm auffällig träger ab,
hyperlethargisch
sagt Webbel zu dem Personal, als er auf der mobilen Operationstrage sitzt. Einer Ärztin kommen die Tränen: „ Mein Gott, was haben wir denn mit dem gemacht.“
„Doktorin Schmidt, “, ruft einer der Ärzte im Behandlungszimmer der Ambulanz: „Wir sind doch kein Einstellungsbüro für arbeitslose Medizinlehrlinge. Den behalten wir besser hier, hm, zur Beobachtung!“
„Wie sie ihr Frühstück wollen!?“, hört Webbel die Bereitschaftspflegerin fragen,
psychosomatoform
antwortet Webbel im Gruppenraum. Die Pflegerin füllt einen vorgefertigten Zettel für den Dateikasten aus: „Brötchen morgens, zwei oder drei? Kaffee, Tee?“,
zwei
„O-Saft zu dem Frühstück. Konfitüre, Butter oder Schwarzbrot?“,
Tee
sagt Webbel und nickt.
„Das Patientenblatt für Mittag und Abendbrot füllen wir Morgen aus!“
Webbel ist klar zu schleppend, um wirklich dankbar zu sein, und sein neuer Mitbewohner Robert zu larmoyant, um je wieder normal genannt zu werden. Bei all der Langsamkeit und dem Gejammer verlangt Webbel einen Walkman mit klassischer Musik. Robert erklärt, dass jeden Tag Mozart auf den Lauschern auch nicht das wahre Leben sei. Webbel ist alles abgenommen, auch das Feuerzeug und die Schnürsenkel. Auf dem Flur liegt eine Fixierte im Krankenbett.
„Die haben sie gedüst.“, sagt Robert. Sie beschließen, in den Gruppenraum zu gehen. Ein älterer, wuchtiger Mann sitzt an dem Tisch und der Mann schnieft schwer. Er scheint auf irgendeine Art finster betrübt. Robert fängt an, ein Bild zu zeichnen. Webbel schlägt vor, eine Partie Schach zu spielen. Der schniefende Mann und Webbel bauen die Figuren auf das Spielfeld und fangen an. Aus unersichtlichen Gründen lässt sich der schnaufende Mann im Mittelspiel alle Offiziere entwenden. Als er nur noch den König und die acht Bauern auf dem Feld hat, steht er auf und verlässt den Gruppenraum. Er kehrt nach ein paar Minuten mit einem Hut auf dem Kopf zurück, schnieft wie erneuert vor sich hin und sagt: „Diz hippishite from Crusties wasteland is smashing urban alertniz. The Sunbeam Kids will beam all dat shitluck six yards forward to NOWHERE! - and me, I´m a real pioneer.“
Das Spiel ist zu Ende und das nachts um Halbdrei. Der Mann schläft ein und fängt an zu schnarchen. Der Nachtarzt schaut in den Gemeinschaftssaal herein und sagt, dass er nun gerne ein paar einfache Gehirnstrommessungen machen möchte.
„Mit unseren Gehirnen.“, sagt Robert und zu dem Eingeschlafenen: „You understand, with our brains!“
Webbel fragt nach einer Tablette,
alles ist gerade sehr schlimm, irgendwie genau wie prophezien, undeutbar!
aber anstelle dessen fängt der Nachtarzt an, Dioden und Elektroden auf Webbels Kopf anzubringen: „Idee entsteht, Zahl vergeht.“, sagt er zu Webbel,
das klingt nach einem gewinnbringenden Weg, immerhin ist diese mitternächtliche Verschonung, ohne dass einem jeder quer über die Beine läuft, undurchkreuzt von irgendwelchen, zurechtgelegten Dauerabsichten
Während die Gehirnströme gemessen werden, vermutet Webbel,
bunter Stress, dunkelbunte Hochzeit…
Die Verschonung läuft routinemäßig und ohne Resultat ab. Webbel bekommt noch eine Schlaftablette und ist befreit, zu seiner alten Agilität erwacht. Ein lahnfädendurchzogener Gardinenvorhang am Flurfenster fluoresziert Webbel ein unsichtbares Abendmahl und lädt ihn zu einer Verteidigungsrede ein. Webbel wendet sich um. Ihm erscheint der Vorhang als ein Geflecht aus Drahtfiguren. Webbel halluziniert,
scheußliche, dünne goyanische Gespinste, an jedem ein kleiner Streifen Papier
Eins der Wesen löst sich aus dem Vorhang und fliegt auf Webbel zu. Auf dem Zettel steht `luxoria´. Webbel wird klar,
auf jedem Zettel dieser dünndrahtigen Kreaturen steht dasselbe Wort
Pikiert fährt Webbel hoch. Die Dioden haben kühle Flecken auf der Kopfhaut hinterlassen.
Robert will nach Wedel ziehen, um Maler zu werden, und auf Webbels Nachttisch liegt eine Ausgabe von `Die Leute von Swabedo´,
ich fühle mich monochrom und gradiert von dem Pakt der Choreographie der medizinalen Audienzen!
erkennt Webbel und Robert fragt: „Wer hat Dir denn diese Ausgabe dahin gelegt?“
Webbel wird entlassen, das Knie ist verheilt, der Schock der örtlichen Narkose und dem Wundstarrkrampfgegenmittel verflogen. Webbel darf gehen, er besteigt ein Bahnabteil, in welchem er Richtung Norden fährt. Plauschlos, nichtmal der Schaffner ist vorbeikommen, um die Fahrkarten zu sehen, sitzt Webbel in einem Abteil aus Wänden und Rädern. Webbel wird durchgezogen und nickt ein. Als er erwacht, steht der Zug still und mitten auf der Strecke,
kein Vieh auf den Weiden, kein Vogel über dem Wald, nicht ein Mal Durchsagen aus dem Lautsprecher, wir fahren nicht weiter!
bemerkt Webbel, rüttelt das Schiebefenster bis zu dem Anschlag abwärts und blickt hinaus,
vermutlich überhaupt keiner mehr im ganzen Zug!
hier und da sirrt eine elektrische Mechanik, knackt eine Spannung im Konstrukt. Geräuschvoll öffnet Webbel Schiebetür für Schiebetür, quert Wagon für Wagon, entriegelt eine Außentür und blickt an der Flucht des Zugs entlang. Das Nachbargleis liegt matt und glänzend als unverrostete Parallele. Einige lange Bahnen Klopapier wehen zusammen mit Zettelfetzen den Schotterdamm hinauf,
die wirken ganz frisch
denkt Webbel bei sich und hört, dass die Stahlstränge angefangen haben zu singen.
Er betritt die ankündigenden Gleise und läuft zu dem vorderen Teil des Zugs. Ohne zu stolpern, öffnet Webbel eine Zugaußentür und betritt das Abteil mit dem Messer- und Gabelemblem, in dem eine schweigende Gruppe von einigen Menschen sitzt
die Gleise singen
stellt Webbel sich vor,
und ich denke, momentan bekommt man hier bestimmt ein Getränk
„Gleich kommt ein Zug aus dem Norden, eventuell hält der ja an.“, sagt einer der Teilnehmer,
wird das vielleicht eine Art Seance, die wir noch abhalten?
„Nein! “, lautet die Antwort: „Dies ist eher ein unplanmäßiger Halt.“
Webbel geht zu dem Getränkeautomaten und wirft eine Münze ein. Der ist auffällig riesig und anscheinend das größte Stück Inventar im ganzen Wagon. Ausschank und Trichter sind vollkommen verkrustet von allerlei festhydriertem Pulver und Gewürz, die Anwahletiketten nur noch zu erahnen und teilweise von dem Abgriff der Benutzungen unleserlich,
ein Koloss, ein Kokon
Webbel drückt einen Knopf in dem Bereich, wo eine mit Zitronentee gefüllte Porzellantasse abgebildet ist. Die Tasten weiter unten, scheinen auf bekannte Suppentüten hinzudeuten,
schade, nichts passiert
Webbel drückt erneut auf einen Knopf und der Apparat fängt an zu surren, kocht dampfend aus allen Fugen. Entriegelt fällt ein braun-weißer Plastikbecher klappernd in die Halterung der Ausschanköffnung,
Sankt Pauli und Pik-As, der glänzt ja ungebraucht, wie ein Kelch von den Gefäßen höherer Ordnung, die auf irdische Erfüllung warten
die Ausschanköffnung quillt plötzlich über vor aufdampfendem Wasser. Präzis füllt die Maschine kochendheißes Wasser in den Becher, der sich dazu fast so vollständig verbiegt, dass er kaum Getränkinhalt auffängt. Auf dem Nachbargleis knallt ein Zug vorbei, minutenlang schleppt sich ein Gütertross lärmender Containerelemente vorbei. Webbel trinkt vorsichtig einen Schluck. Das tösende Spektakel zieht vorbei, verhallt im Dopplereffekt. Ein Tappen vom Zugdach wird Webbel hörbar.
„Das ist er wieder!“, ruft jemand. Die Sitzflächen klappen hoch. Ein Pulk von den Teilnehmern kommt auf Webbel zu und drängt an ihm vorbei.
„Das ist hier keine Teestube!“, sagt eine zu Webbel und der geht auf die Verbliebenen im Abteil zu,
neulich bin ich in einem Wagon vor der Ausgangstür ausgerutscht, und aus Unsicherheit, weil sich anliegend innerlich etwas verkrampft hatte, bin ich liegen geblieben, als die Leute aussteigen wollten, stiegen sie über mich hinweg und murrten:` hier liegt ein Sturztrunkener herum´, der Zug fuhr weiter und ich stand auf, immer noch unruhig von dem Zufall
Das Tappen auf dem Dach kehrt zurück.
„Vermutlich hatten Sie kein Ticket?“, rätselt eine Teilnehmerin,
zu dieser Zeit
antwortet Webbel,
hatte ich nichtmal eine Wohnung!
Die Leute, die nach draußen gestürmt sind, laufen links und rechts an den Zugfenstern vorüber.
„Den Tropfen auf den heißen Stein.“, ruft ein Teilnehmer aus dem Fenster.
Webbel erfüllt eine knabenhafte Vorahnung. Er erkennt jetzt deutlich die schönen Gewänder des Abituriententages. Mit einem Ruck fährt der Zug an, alle im Speisewagen sind wie angestoßen. Sachte rollt der Zug los. Die Leute draußen laufen an den Wagonfenstern vorbei Richtung Lokomotive. Ein paar Teilnehmer erklimmen noch die Stiege in das Abteil.
„Dem Steuermann schmeckt das Essen wieder.“, sagt eine Teilnehmerin, die gerade noch mit einsteigt. Alle verlassen erbaut das Bordrestaurant, um in ihre Abteile zurückzukehren. Der Zug durchfährt einige Bahnhöfe, ohne Stopp zu machen, an anderen dagegen macht der Zug Halt,
die Endstation
entnimmt Webbel einem Informationsaushang,
ist ein Kopfbahnhof, dann kann eigentlich nichts schieflaufen
Endlich an Land!
ruft Webbel aus und steht mitten im Bahnhof. Von den Decken rieselt und rinnt Wasser in Auffange jeglicher Form und Farbe tropfend, schwappend, sprenkelnd, spritzend und sich Ausbreitung bereitend. Der Bahnhof ist ein sparkender, benässter Katalysator, der seinen staubigen Zementstein liquidiert. Webbel hört unter dem Boden der Hauptstation eine Megadiskothek ihren beatenen Nachtpuls klopfen und entdeckt einige Risse an dem Drahtgeflechtbeton, der sich stetig flutenden Böden, während Feuerwehrmänner und- frauen in Reihen, kreuz und quer Eimer durchreichen, Pumpen installieren, Abflüsse legen, dabei Baulampen durchknallen und Stromschläge durch die Sicherungskästen bersten. Von den riesigen Gerüsten, die für Werbezwecke zu der kommenden Sportweltmeisterschaft nah an das Außengemäuer gebaut sind und meterweit über das Dach des Gebäudes hinausragen, flattert der letzte Fetzen Werbefläche als Friedenssignal der verarbeiteten für die geschaffene Materie. Das stählerne Gerüst stürzt von der Bahnhofsaußenfassade knarrend in tiefen, urigen Tönen gegen die neoreale Fassade des Operettenhauses auf der gegenüberliegenden Seite der Straßenschlucht, während sich die Menschen aus den sich flutenden Tiefgaragen retten und der neongefräste Unterhaltungsthron, die Schießbudenplätze des Kirmes, die Manöver der Kirchweih und Schützenvereine stromelektrifiziert und funkenflugs der Witterung anheimfallen. Vom Wasser des dunklen Morgens erreichen der Containerfrachter RT Deutschland und die Queen Mary II lotsenbootgezogen die Stadt. An die Landungsbrücken wogen die Töne der Schiffshörner bis weit nach Gaarden hinein; ein erster mammutbronzener Hornton,
geisterleere Stadt
grau und bleich, wie eine Drohung gegen das sichtbar gewordene Niemand der scheinbar Abwesenden. Durch den begrüßten Raum oszilliert ein zweites Dröhnen der Hochdruckposaunen in die unbeobachteten Ufersiedlungen. Ein Fenster öffnet sich weit. Abendkerzen flackern im Morgenwind,
alles ist nur noch eine Frage der Zeit!
in Erdfluchten bemessen, die unerheblich und unerhobene Ferne geblieben sind und doch Warnung bleiben vor dem Absoluten und Immergleichen der Normalität. In einer Nähe, die Webbel selber noch nicht ganz sein will, aber in der auch niemand anderes Anwesender sein wird, als er jetzt, erklingt ein dritter, tonaler Schall von der Luxusmarine in der Flussmitte; Überseeflair fluktuiert von den maritimen Chimären durch den Hafenvierteläther, eine Druckwelle unverorteten Weltinnenraums, membranloses Miasma im Diesigen; konzentrische Weitung erschallt Winde und Wehen negierend an Webbel heran, dem in warmen Steppdecken Eingemurmelten, der die Gefährten der Träume noch ahnend und dem die Wesen des Interieurs, der blauen Stunde und der Aurora, das Sternenauge des vergangenen Nachthimmels und die unzähligen Spiegel und Fensterreflexionen noch gegenwärtig sind, Dimensionen, in der Stationen das Memorative betanken und mit den Zentren der Erinnerungen des Gelebten ein Mantra bilden. Leben an sich billigend, die imaginierten Gefahren des Verschmurgelns und Zerstäubt-Werdens durch die assimilierende Dröhnung der an dem Dampfhorn musizierenden Seeschiffer, die kerygmalose Offenbarung von dem Triumph der Begrüßung geblieben sind,
Erwachung und Erwartung
euphorische Elbduette im Takt flacher, langanhaltender Mollsonanzen, die sich schon wieder Entfernenden, Ankündigungen von den Kriegen der Welten noch unbekannter Quaoaren auf dem Weg zu dem Delta ihrer Ankunft, weiter noch, in die Ozeane ihrer Wiederholung. Webbels Geist flieht nach Norden; in den lichtreichen Kreisen finnischer Sonnenewigkeiten schwemmt er den Sand von der Vertiefung zweifach mondrunder Metallschalen im Flusswasser und seziert die goldenen Partikel heraus, putzt seine Zähne in Anwesenheit der trinkenden Rentiere. In den Gebirgen Ragnaröks bricht Webbel lavaschwarze Steine auf und entdeckt die kristallbewachsenen Höhlungen in den funkelnden Krusten der naturbeschliffenen Klumpen, die von Sonnenlicht noch nie erreichten Innenwelten des mineralischen Wachstums.
In zerfallenen und leerstehenden Fabriken kreist lautlos die Fledermaus, huscht Runde um Runde ohrecht und reagiert auf jegliches Schnippen Webbels. Aus einem Baum an der Küste schrickt ein gigantischer Schwarm kleiner Vögel empor, der sich im Geäst aufgehalten und mit den Blättern des Baumes ein faunales Chamäleon gebildet hat, das sich im rauschenden Abflug flatternd zerstreut und sich als Gebilde einer Harpyienscheme zu sinistrer Hoheit am Himmel erhebt, die Webbel zurücklässt bei den Farben der gerodeten, erdoffenen Schichtungen der Krume um das verfeuerte Gartenhäuschen, dem sich anhebenden Rauch erloschenen Feuers, durch den die Kinder über die verbrannten Reste des schwarz schwelenden und tieforange glimmenden Orakels hinwegspringen, in dem die verborgen geformten und zusammen verschmolzenen Talismane aus durchglühtem Draht, Glas und Kiesel unter der aufwehenden Asche liegen, die lichterlohhoch zusammen mit dem weißen Rauch des verdampfenden Wassers aszendiert; die steinumrundete Feuerstelle, die mannshohen Gartenzäune und Garagenwände, der von unzähligen Stöcken, Brettern, Latten, Hölzern, Stämmen und Scheiten durchpflügte Garten, barbarisch ziseliert und beschriftet mit den kohleschwarzen Glyphen Webbels, der die Flora ausrupfend und den Rumpelstilzchen tanzend, den armlangen fackelnden Span lodernd und leuchtend-rotierend zwischen Ernte und Unkraut drischt. In den Tagebüchern Webbels steht ihm heute noch geschrieben,
zu träumen ist wichtig, das Erahnen der Nacht!
an den Horizonten, die zersägten Hälften von Pflastersteinen, Schritt für Schritt der Straße wieder Weg, dabei selber zu Stein geworden: Webbel bei den siebenstrahligen Wasserwerfern, die Aberhunderte in Kesseln zusammentreiben und als Chaoten in die Gullies spülen, deren Megaphone die Rede durch Gegenrede verbieten, deren Besatzungen Brechmittel in Dealer spritzen, Urinierende zu Identitätsausweisungen nötigen und angrenzend Bürgerkriege entfesseln, genauso auf den Fußballplätzen die Durchfilzungen und Personalienaufnahmen von den Kindern zugewanderter Familien verlangen, kleptomanen Minderjährigen Handschellen anlegen und sie aus Kaufhäusern entfernend unter Schmerzenstränen in Limousinen zu den Wachen verfrachten. Gummi- und Lederbehandschuhte mit Stabkameras und anderen Insignien gefährdender Bedrängung, die Sperrmüllstöberer und Pfandwertbehälter-Sammelnde, Spazieren-Gehenende, Poroglomane, wanderlustige Borderlinerinnen, die Botschafter der Skateboardreligionen und auf dem Boden ansässige Wegelagerer und Gefährten, den ganzen Marsch der Bettler auf die Drei-Groschen-Oper des Lebens gradlinig arretieren: „Ah, da sind sie ja!“
Webbel meditiert an den Fjorden mit den Sommerwendzeiten,
durchschaut in Möglichkeit und Bedeutung sind unsere Visionen Erinnerungen,
transzendiert in Wahrscheinlichem wird die Vorschau tiefere Rücksicht
seine Hymnen klingen,
oh, cura me! ich ziehe nicht für Dich in einen Krieg, wer die Vergangenheit zur Zukunft macht, der hat die Intensitäten von Gegenwart und Jenseits schon verwechselt
Webbel fühlt sich am Glück entdeckt,
wie vertrieben aus den Hütten
In Webbels nächtlichem Traum befahren signalfarbene Geisterporsche 911 ´er Runde für Runde den Hockenheimring. Kein Fetzen Werbung ist in der Arena zu sehen, alles ist unbedruckt, auch die Sportwagen, aus deren Auspuffrohren volle Myriaden von Papierzettelchen durch die Luft quellen. Konfettischnipsel flattern rotierend umher, verdichten sich zu einer weißen Scheme fluoreszierenden Lebens, während dazu eine Tonkonserve verhallt aus den Stadionmegaphonen erklingt: „Oh Lord, won´t You buy me …. my friends all drive…“.
Webbel bleibt an einem Tresen zwischen dem Gespräch einer Cyberbohemin und eines Digitalfeministen hängen. Edel und laut doziert sie bei einem Bier an der Theke der Barbarabar: „ Ich bin aus Erdreaktion und Eisenreflex, eine echte Ministerin der Atomenergiebehörde meines Harnstoffreaktors selber: Pippi, Urin, Strulle, Piesche, Pinkel, Pisse!“ Sie biegt sich schallend vor Lachen nach hinten: „Ich kann das auch alles verbalisieren!: pullern, pieschen, strullen, pinkeln, pissen, urinieren, alles, auch als an-, be-, zu-, ab- und weg-, vor allen Dingen: alles rausstrullen.“ erklärt sie: „Anwegpinkeln, voll auspieschen, richtig alles zubepissen!- Die Duftsteine der Haushaltschemie bequem und locker aufuriniert, die Gesichte und Chimären an den Porzellanschüsseln in der Arena der klöternden Zweikämpfe, im Wettspiel der Notdurft auf den Aktions-Pissoirs: lauter, schneller, länger, im Stehen und auch auf den `Bitte, nur im Sitzen erlaubt´ - Klosetts.“
Sie trinkt einen Schluck aus dem Bierglas: „Danach Abrauschen, Spülung betätigen oder friedlich die lichtgelben Lachen und glitzernden Pfützen, die Spritzer auf den Kacheln, die kleinen Seen auf dem Boden so lassen und gehen, die Rivalinnen hinter den verschlossenen Türen unbeachtet, und den Drehknauf leise zu erst geöffnet habend; die ungepuderte Nase und ohne eine ausgedrückte Talgdrüse, ohne jeglichen, geringschätzenden Blick in den Nassraumspiegel: `Erste!, und `cooling out´ für das Endzeittheater.´“ Die Gegnerin auf dem Nebenhäuschen behauptet sie habe prompt `jetzt auch Erste!´ an die Wand geschrieben, und sie habe als die unbesiegt Gebliebene die ihr schon heimisch gewordenen Sanitäranlagen verlassen. Die Vorjahressiegerin, erwähnt sie, hätte auch ihr Strichelchen hinter dem `Erste! ´gemacht und dann wohl ihre Glücksdopingdroge als Geheimpreis für die ahnungslosen Gewinnerinnen der internen Pippiwetten hinter den Nassraumspiegel in kleine Plastiksäckchen und gefaltete Briefchen gesteckt. Sie zieht die zuletzt von ihr erwähnten Gegenstände geheimnisvoll aus einer Tasche und legt diese noch geheimnisvoller auf den Bartisch: „ Oh!, mal ausprobieren. Vielleicht springen wir danach ja aus dem Fenster, puder-puder, hm, ich merk gar nichts!”
„Soda oder Speisestärke - kadrabodka!?“, hört Webbel ihn fragen: „In anderen Kreisen zieht jetzt jemand die Waffe und knallt Dich ab, wenn Du das verkaufen willst!“, kontert ihr Gesprächspartner.
„Nein, nein, das habe ich aus Versehen entdeckt, - hinter dem Kneipennassraumspiegel; das konnte ich gar nicht wissen. Dieser weiße Staub hier wirkt auch nicht richtig!“
„Hey Cyborgine, wir gehören hier nicht zu BIFORMIAS Acheronten! Ich hab einmal geträumt, wie einbeinige, holzprothesentragende Wassermänner Davidssterne von der rechten Zinne einer imperialen Kultstätte brechen und sie in den Bunkersockel des Bismarckdenkmals fliehen sehen. - Weißt Du, allein der schwertumgreifende Mittelfinger ist einen Meter lang und auf dem wird wohl eine gerechtere Clownin ihre Walpurgisnacht mit ihren Nornen, Parzen, Bakchen, Walküren, Kampflesben und Superheldinnen feiern!“
Und Webbels Nacht auf der Stadt; im Geiste des Aufgegebenen formieren sich Raubvögel, die ihre leergesogenen Gewölle auf die Asphaltstraßen speien und auf denen Katzen regenwurmfressende Singvögel am Genick packen, während die unzähligen, verflinsten Splitter der Fenster und Glaskörper, ihrer Kontaktlinsen, beglasten Gestelle, Lupen, Dioptrien, Mikroskope, angeschliffenen Facetten und Kaleidoskope, der den Augenklappen entsprungenen, murmelgroßen Televisoren aus Quarz, Soda und Kalk, die hinweggestreut liegen über die ausgewürgten Haarknöllchen der Katzen, den ausgeworfenen Skelettballen der Greife und den Ausgeburten von Hyronimus Bosch mit den aus Käfigen und Körben entfliehenden Bienen und feuerfressenden, roten Swastikapferden, die sich zur Detonation verhelfen und sich das aus dem explodierenden Projektilwerk öffnende Purgatiotor, welches unzählige Scharen Nackter mit bauchig gruppiertem Dynamit entläßt, die in die wartenden Mengen laufen und in Freude alle umarmen, den Blaugeflügelten zum Segen zerreißend unter die Wartenden zu bringen und unangekettet, an Händen und Füßen frei, zu den Straßen zurückzukehren, an denen die Heere der Gebeine der auf der Flucht Verendeten und während der Migration in den Tod Gehetzten dörren und die Umherstehenden Dakapo verlangen: „Once more.”
„Noch einmal! Fangt an!”
„Hosianna…oh Lord, won´t You buy me……my friends all drive……a night on a town…”
Webbel findet aus dem Kopfbahnhof nicht heraus. Der Zugführer, der vor Webbels Augen aus der Lok aussteigt, zieht eine Schachtel Zigaretten hervor, entnimmt ihr einen Lungentorpedo und steckt ihn in den Mundwinkel. An einem gleisnahen Kiosk holt er sich eine Brause und einen Schokoriegel. Von dem Rückgeld, das ihm gegeben wird, nimmt er einen Schein und entflammt ihn an einem offenen Kerzenlicht auf dem Thekenbrettchen. Er hebt den brennenden Schein vorsichtig, um an der Kippe schmauchend den Tabak in Glut zu entfachen, und raunt: „Bahnhoftraumzeit für die radikale Individualsubjektivität. - Warte hier nicht auf einen Zug, der erst nächsten Morgen fährt!“
Bahnhoftraumzeit
ich verharre momentan in Gedenken an die, die gewesen und nicht gegenwärtig
Uniformierte Ordnung steht bereit, sich nicht zu denken, und droht mit ultimativer Aufmerksamkeit. Und von selber erhoben, vom traurigen Stein zum aufrechten Weg, geht Webbel an dem Bahnsteig entlang.
„Ach, da sind sie ja.“, erschallt ein freundschaftslos grinsendes: „Wieder erkannt?“
Zwei, händeklatschend, greifen gummibehandschuht zur Willkür. Sie notieren sich die Folgewirkungen schonungslosen Eingreifens in die Sozialstruktur eines einzeln Stehenden: „Durch den Zugriff erregt, löste dieser wohl Verkrampfungen, eine Art von Epilepsie, Mutismus und sporadische Hysterie aus.“
Geduld.
„Nach den unbeantworteten Fragen und dem geduldigen Abwarten mit dem Aufgegriffenen erfolgte der Telefonanruf des Diensthabenden an die rot-weiße Miliz. Danach geleitet aus den Büros in den Wagen, Bein für Bein, Schritt für Schritt. Deutlich alles gegen den Willen des Unidentifizierbaren!“,
ich habe zur Freiheit kaum gesprochen und viele Fragen gewartet
Aus dem Wagen in das Gebäude, ein Geleit, der langer Gang von Schwestern und Ärzten, nachts um drei: „Angenommen auf P4, willkommen.“ „Abgeschieden?“ „Die ist Kult.“ „Ja welche?“ „Die grüne oder die ovalen Tropfen?“ „ Nein, diese weiße Pille, die so schäumt.“ „Ja, was die wohl machen?“ „Kredenzt ihm den Kult doch auch noch aufm Löffel.“ „Die Zimmer sind alle belegt!“ „Im Gemeinschaftsspeisesaal wird noch Platz sein für ein Bett.“
Erste Nacht, ein Bett und kein Glockenschlag mehr zu vernehmen,
alles ein leeres Wachen
„Er spricht nicht!“
Webbels irreversibler Beschluss, mit dem Betriebspersonal nicht zu sprechen. Ausgangsverbot, Auskunftsverweigerung und die ersten Versuche zur pharmazeutischen Erziehung beginnen,
ich lehne ab, normaler zu sein
Alles ist ein leerer Raum,
ich stehe viel herum und studiere die Maserung der Raufaserwände, alles ist hörbar, das Grunzen aus Zimmer Fünf, die leise Musik aus dem Raum daneben, die Schritte aus einem anderen Ende des Ganges, das einfallende Licht, der aufgewirbelte Staub, Psychiatrie
Webbels erste Versuche, mit sich selber zu telefonieren,
ich habe vergessen, die Nummer zu wählen, Besuche, französisch - visiter
„Diese Stippvisiten sind der Versuch, den Insassen in sein eigenes Leben zu tunken.“
Webbel legt erleuchtet den Hörer auf den Kastendeckel des Telefonapparates und flieht schallend auflachend den Flur hinauf, springt händeklatschend in die Luft und überschlägt sich vor Freude.
„Ja, er kam wie glücklich über die Berge gehüpft und hatte plötzlich einen von diesen Anfällen, so dass wir ihn von dem Boden aufgehoben und sorgfältig im Fernsehraum abgesetzt haben.“
ich habe die Ironie der Herausgerissenheit begriffen, ich verweigere, den Geburtsnamen und die Anschriften von Verwandten oder Bekannten preiszugeben
„Sie sind ohne Ausweispapiere hier aufgenommen worden.“,
das geht Sie nichts an, ich wollte nach Z. mit dem Intercity, doch der fuhr erst morgens, so habe ich an dem Bahnhof gewartet
Schweigen.
Die erste, wirklich freche Frage an Webbel: „Wie verdienen Sie ihr Geld?“,
ich habe meinen Nachnamen gestanden, doch keiner von Ihnen hat mir zunächst
geglaubt, fragen Sie doch in der Führerscheinstelle nach: mich gibt es wohl nicht!
„Beobachtungsaufenthalt!“,
ich lehne die Eigendiagnose ab, haben sie schon mal versucht, einer Ärztin zu erklären, dass man unter epileptischen Anfällen leidet
„Ach, ohne dabei absent zu werden. Etwa auch ohne zu zucken?“,
NEIN, ohne Absencen beim Anfall
„Wie fühlt sich das denn an?“, lautete die erste, wahrhaft böse Frage,
hab ich hier doch gerade erklärt
„Enttäuschend! Unser Patient ist nicht bereit, einen epileptischen Anfall in unserer Anstalt zu haben.“
„Wie fühlen Sie sich heute!“,
ein Mal gucken
Warten.
„Wir haben eine Hausordnung. Sie dürfen bumsen, Sie dürfen rauchen, Sie dürfen sich helfen lassen, nicht erlaubt ist Körpergeruch, das Rauchen auf den Zimmern, Fremd- oder Eigengefährdung oder die Abbitte um Euthanasie am weißen Kittel der Halbgötter.”
Ausgangsverbot wird verhängt: „Finden sie selber heraus!“,
Was?
„Wie es geht.“,
Wem?
„Ihnen!“
„Visite Ende.“,
die Diagnose bleibt mir unbekannt, verschwiegen und verheimlicht werden diese zweifacettigen Rotlichtansichten der Medicuse mit ihrer schamanischen Wassertreterei, immer wieder Gnosis!
„Sie dürfen sterben, esoterisches Großmütterchen, wir danken mit heilenden Worten.“, raunt der Flüsterwald.
Schweigen.
Die Gemeinschaft tagt im Speisesaal,
ein jeglicher tafelt für sich selber, interessanterweise nie Futterneid, alle aasen in Frieden, die Mahlzeiten, drei am Tag: ausgewogene, ideale Pharmazie,
so klingt Webbels Hausordnung,
sie drohen mit Medis - essen macht glücklich!
Webbel hört auf zu essen,
ich bin kein Schluckautomat
Gnosis des Tages: „Ausgangserlaubnis!“
„Verdammt, zu störrisch.“, sagt die Schwester: „ Sie stinken! Wenn sie duschen, dürfen Sie raus. Kein Mammon! - kein Geschäft!“
gegenwärtig werden nur Worte getauscht
Webbel begreift das Geheimnis der Bibliothekspassage im Speisesaal, in dem drei druidische Alchimistengefäße und ein Krug mit Wasser stehen,
altes Traubenzucker und wohl ohne tiefere Bedeutung, hm, ein Mal sehen, Freiheit und Gleichheit, Liebe und Frieden, Mensch und Tier, alles auch noch zum Zusammenmischen und Wieder-Entquirlen
Jemand fragt: „Wer spricht mit dem wahren Kranken und Psychopathen, den Wegelagerern an dem Kreuzweg zur organischen Materie des Körpers?“
„Was Webbel? - Der muss bumsen!“
Webbel singt,
Libido, Libido, wenn ich bumse, werde ich froh
Summend klingt eine Biene von Tür zu Tür der gemischten Anstalt,
alles wird zu dem Versuch, sich freizubumsen
Folgerichtig behauptet Webbel bei der Visite,
wer mit jederlei gebumst hat, darf gehen!?
„Sie sind krank!“,
Sinnkrise, dennoch keine Glaubenskrise
„Wir sind alle Brüder im Geiste. Patient und Arzt sind eine Einheit. Und in der Diagnose: Vierfach.“,
und in der Diagnose: Gevierteilt!
spricht Webbel mit,
ich werde hier eingespeert von Behauptungen
„Wir beginnen einmal den Versuch, Ihre Vergangenheit als Deutungsgrundlage des Jetzt- und Hierseins zu denken und die Oberfläche Ihrer Erscheinung als eine Historie des Begreiflichen zu deuten.“
vielleicht ein geschickter Freund, aber seit Kabul leider schon gefünfteilt!
meint Webbel.
„Das Leben ist immer der erneute Versuch, die Vergangenheit umgreifend zu erfahren. Und alles andere später!“,
ach so, ich bin ihre Doktorarbeit, schon verbucht als gesprächige Notiz
Webbel hört: „Eltern? Sie haben doch Eltern!“, flüstert die Schwächung: „Haben Sie die geliebt?“,
unausgesprochen!, ja, ich habe Eltern, ja, ich habe sie geliebt!, wer ich bin, was ich sei, krank und gesund
„Wie lang wollen Sie noch bleiben?“, die Natriumdampflampe hatte gesprochen,
wo war mein gelbes Licht
ruft Webbel,
ein jeglicher Mensch hat eine andere Farbe
Die Befreiungsspiele mit den Mitpatienten und Insassinnen beginnen. Nach einer Woche ein erstes Friedensangebot des fünfköpfigen Starstaatsaufgebots, das Webbel nicht akzeptiert,
fünf Ärzte bitten mich um meine Entlassung gegen ihren Rat, schwarz auf weiß, mit schreibendem Stift dazu
„Das Dokument ihrer Entlassung. Unterzeichnen!“
Webbel erneuert den Beschluss, auch nichts zu unterschreiben.
„Begriff!“,
Mitsprache
„Der Beschluss!“,
gesund zu werden, das Essen schmeckt und fängt an glücklich zu machen
denkt Webbel im gemeinschaftlichen Speisesaal. Erster Freigang,
alles ist die Welt Da-Draußen
Webbel glaubt an den Dachschaden fürs Leben. Zweiter Freigang,
alles ist Innen und Außen, alles ist Psychiatrie
Dritter Freigang,
ich habe Boule spielend das Gras des Rasens begriffen, den Frühling diskutiert, Bäume in Frucht begriffen, Himmel geatmet, kennt Ihr möglicherweise Teebeutelweitwurf?
Alle silbernen Bälle sind aufmal magisch.
ein Hund kommt vorbei geflogen
Webbel spricht von seinem Großvater,
der war Werftarbeiter und Sänger im Kirchenchor H. gewesen, auf den Rasen gefallen und eingeschlafen
Die Sonne leuchtet warm. Webbel steht auf,
wo ist meine Psychiatrie?
Webbel geht zur Tür,
ein Idiot bin ich gewesen, Freunde drinnen wie draußen
Er klingelt. Als ihm geöffnet wird, geht Webbel hinein,
Abendbrot im Saal
Abends um neun, fernsehen, Spiele spielen und Debatten, ob Psychiatrieinsasse Berufung sein könne. Webbels erstes wahrhaft pathologisches Erlebnis in der Badewanne,
wir sind Onans Fossilien, Verstorbene in einer heißen Badewanne
sagt Webbel in das Telefon,
mein Zimmergenosse hat sich aufgeregt, keiner weiß wieso
Nach Webbels Rückfrage,
„Du behandelst die Frauen schlecht.“
Webbel steht auf und geht los,
ich habe im Raucherraum rauchende Frauen begriffen und den Wunsch gehabt zu tanzen, am Seidenfaden Chauvinist geworden?
fragt Webbel sich fest und flüchtet durch den Speisesaal an den jungen Militärs vorbei, die im Delirium abgegeben worden waren,
die leben ihre Trance hier einfach weiter
bemerkt Webbel,
und danach, lange Suche-kurzer Sinn, dieselben kameradschaftlichen Verständnisprobleme, die sie in der Kaserne zurückgelassen haben
Die Frau mit Tablett tritt ein. Erneut lehnt Webbel die medikamentöse Behandlung ab und akzeptiert im Gegenzug Elektrokardiogramm, Elektroenzophalographie und Computertomographie,
von zwei Halbgöttinnen Libers verkabelt, sanft mit kühlenden Substanzen den Kopf eingerieben bekommen!
schwärmt Webbel. Seine erste Vermutung,
Elektrotherapien sollen heilend wirken
Er überlegt lange,
ein Eimer Wasser über den Kopf soll ja auch so bekömmlich sein
Im Takt, im Atem und zusammen mit den sanften Aufforderungen der Frauen: „Augen öffnen und wieder schließen.“
„Da, ein Lidzucken. Sind Sie nervös?“,
endlich im Nirvana für Mäuse
Webbel erbebt bei der sterilen Aufzeichnung der Herzkranz- und Pulsbewegungen,
ich bin ein Indianer auf dem Seziertisch Leonardo da Vincis!
Aus dem Keller geht Webbel in die P3 zurück,
alle leben noch, ein paar Leute scheinen um Jahre gealtert, bin ich lange weg gewesen?
fragt Webbel. Tags darauf fährt ein Taxi vor, Schiff in die wahre Außenwelt von einigem Niemandsland,
CCT heißt die Zauberformel, berufen zu dem CCT
lautet die Diagnose. Mit ein paar Zetteln in der Hand geht Webbel bescheinigt zu einer vorübergehenden Mündigkeit, in einem Taxi zu fahren, an der Uni der Stadt K. Fluchtgedanken zu haben und zweimal ohne Orientierung um das Gebäude zu kreisen,
die Welt ist voller Menschen
sagt sich Webbel und bemerkt einen Anflug von Raumphobie,
ich habe die Freiheit begriffen und die Berufung begrübelt, ich bin gelaufen, ich habe gegrüßt und mich zurückgewandt
Webbel liegt in der Röhre. In einem Weltraumsarg aus Musik wird Webbels inneres Universum spektographiert und er ist nach sieben Minuten wieder zurück. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Forums Photakrophean halten eine Debatte zu dem Retrozustand des kolonialbiologischen Bewusstseins ab. An dem ovalen Konferenztisch des Medienmoguls M.F. Teleolo sitzen die ehemals Gekidnappten und im Hintergrund M.F.Teleolos Emblem einer goldenen Handfeuerwaffe auf schwarzem Marmor. Die Intarsie der gravierten Inschrift lautet: - Die Ketten sind so stark wie ihre schwächsten Glieder - .
Dr. Ceruza Nievelstien (1999 aus St.Alamo entführt) beginnt: „Wir sind angelangt beim ersten foetogenen Phoetologen: dem fötalen Messias, als telegen prophezien, lichtbar gemacht, als Presbyterium versprochen abgelichtet, fotogen transparent geworden, das poetischere Wunder: früher, die aufspringende Rose auf den verwilderten Friedhofsgräbern oder die Aufschreckung des Trottels, der glaubte, einem Narrenscheren entkommen zu sein.“
Dr. Marissa Goncalves, gekidnapped an einem frühen, kühlen Sommermorgen anno 1998 aus dem Kreise ihrer schlafenden Familie, spricht: „Heute erstrahlt schon im wesenfluid Androgenen gesichtete Sorgfalt von unserer Fotagraphea: strahlenförmiger Triumph der Geometrie, die Zukunft der Ausbreitung der Drei-Grad-Kelvin Hintergrundsstrahlung, die ewige Expansion des Universums, an deren Schwelle die erste Bewegung in Assimilation der Wanderung mit der zweiten einen Potentialwall birgt, der umschleunigt und von einem Licht durchtunnelt, geboren aus Erde und Wasser, in Luft und Feuer entstanden, elementar genauso: das Zelluloid.“
Sexologe Stahlmann (der Unentführte in der Runde und engster Berater des Moguls) philologisiert skandierend: „Le ciel: französisch: der Himmel; zele: französisch: der Eifer; der Kiel: deutsch: unter dem Wasser liegende Schiffsnut zu Heck und Bug; das Ziel: hebräischer Plural: zi-im; Phantastika: Zimen, Ziehmewirke, Zimmenroth; a cell: englisch: eine Zelle, ein Zimmer; the cinamon: englisch: der Zimt und: Sim sala Bim: die Zellulose!”
Seraphita Indolenzia (im folgenden S.I. genannt, 1999 entführt aus den Reihen eines hookarauchenden Fightclubs): „Erübrigt an den Menschen und ihm überlassen, die folgenden Bewältigungen der Irre und der Abwege!“
Stalkerin Gripps (schon 1996 zufällig dazu gekommen): „Das Fotografieren gegen den Abgott, die Fotographie gegen die Irre.“
S.I.: „Die Vollendung des Poetischeren durch die Entdeckung der Gleichnisse des exakt identifizierten, abtrünnigen Jenseits.“
Dr. Marissa Goncalves: „Summe der versinnbildlichenden Theorien von Nicht-Bewegung in der Ablichtung von Vergangenem und die Projektion objektiv historischer Konstellationen zu Zukünftigem.“
Dann, in Aufruck sich erhebend, Graf Grabim (1998, nach spektakulärer Flucht und mehreren Schüssen in die Autoreifen, entführt): „Die Negativität simulierende Gegenwart.“
S.I.: „Die Helixification der Megaelixierseren.“
Sexologe Stahlmann: „Ein Abzug von einem Abgrund schon abziehender Entwicklungen.“
Dr.Marissa Goncalves: „Das Abziel des Zelluloids selber.“
Graf Grabim: „Den ganzen Erdölmist im Biodiesel-Lkw durch Europa liefern!“
S.I. :„Nutzen wir das Fotografieren der Abwege.“
Graf Grabim: „Vorerst wird das AB getrunnt sein.“
Dr. Marissa Goncalves: „Und der Abt betrünnt.“
S.I.: „Gegenteilbauten?“
Dr. Ceruza Nievelstien: „An, auf, zu und von.“
Sexologe Stahlmann: „Aha, die Bausteine der passiven Ordnung der Bewegung.“
Dr. Marissa Goncalves: „Wohl eher die universelle Abgegend im antigegen Kosmos.“
S.I. :„Nicht zielt es auf etwas hin oder gar an Raum (sie macht eine Pause), sondern doppelplusununterschieden negativ: nichts zielt daraufhin und zwar nirgends.“
Sexologe Stahlmann: „Und die Verschmelzung von ab, hin und an im Ziel visiert? Blieben Luzifer und Ahriman im Mittelalter nicht unfotografiert?“
Dr. Ceruza Nievelstien: „Ergo! Abkontrolle der Menschheit durch Telepathie.“
S.I. (aufbegehrend): „Fotographie braucht nicht Abtrunn zu heißen!“
Raumatisiert wirft Webbel ein,
dann fotografiert soeben alles AB!
Medienmogul M.F.Teleolo: „Auch den Abt!“
M. F. Teleolos Handy läutet.
Er nimmt an: „Ah, eine Diskonnexionsnotiz! Ein Zufallsprotokoll?“
Er notiert: „Die Mitwebung und Mitbewebung, die Mitanbewebung, die Abwebung unabwebend, unanweblich Webewirke, so, so!“
Er fragt: „Und die Retrozustände der biologischen Klassenloyalität!? (lange Pause), was?!, nur noch die trunngedrillten Replikanten in Schatullen und Truhen!“,
Ende vom Lied!
beschließt Webbel, als er morgens erwacht. Ausgepfiffen von den Publiken seiner Träume steht er auf und packt seine Sachen in eine Reisetasche. Webbel sagt,
Tschüss!
Er versteht nur noch,
Bahnhof !
Webbel erlebt aufatmend,
Entlassung!
Er fährt nach N. und lebt nahe den ganzen Herbst lang in einem Zelt. An seinen Wänden hängen Nacktschnecken. Eine Gruppe Kinderkrieg wirft ihm einen Stein auf die Plane,
alles ist klamm
bemerkt Webbel und darf von Amt aus eine Wohnung beziehen, in dessen Parkett Fußbodenspalten sind, die Filzläuse beherbergen. Webbel stellt sich einen Tisch mit schwarz-weißem Mosaik in das Zimmer,
darauf ein großer Benjamin, das Bett in die Küche, das Radio auf die Fensterbank und die Flamme im Gasofen: gentrificaçion, que tal?!
beschließt Webbel und geht spazieren. Bei der Rückkehr glaubt er den Schlüssel zur Wohnungstür verloren zu haben,
die braucht jetzt sowieso keiner mehr
Er tritt die Tür mit Schuh und Fuß ein und findet den verloren geglaubten Schlüssel im Zimmer auf dem vierbeinigen Mosaiktisch mit dem Benjamin wieder. Webbel hat Zettel und Stifte und schreibt einen Brief in sein Tagebuch,
Mehr als zwei Jahre hatten wir unsere Wohnung auf dem Bilzacker, einer Siedlung für die Kasernenleute und ihre Kinder Zwischen hohen Tannenwäldern und abfallenden Hängen in tiefe Täler fanden die ungezählten Siedlungsfeste, Osterfeuer, Kleinkriege, Geburtstage, Grillabende und Besuche bei der die Hangstraße aufwärts lebenden Lehrerin unserer Schule `Algenroth´ statt Wir waren eine norddeutsche Familie und durch die Versetzung des Vaters von Schleswig-Holstein nach I.-O. gelangt Zwei Dörfer waren im Laufe der Jahrhunderte zusammengewachsen und hatten von den Edelsteinen gelebt, die in den Wäldern auch für uns noch reichlich ausgestreut lagen Einst opak versiegelt im Mineralischen, funkelten nun Rosenquarz und Tigerauge in den Auslagen der Souvenirläden, Achate, blankgeschliffen mit polierten Sedimenten, einfacher, unzähliger Geist, der Sonne entgangen und dadurch an Kraft stärker geworden Die Kristalle hatten der Gegend den touristischen Charakter gegeben und dem Handel den Ursprung tradiert, die alten Schleifmühlen mit den wasserradbetriebenen und mannsgroßen, geriefelten Wackerrädern entstehen lassen, vor denen Ledersättel zwecks bäuchlings Liegen angebracht waren Das Wasser plätscherte an den Relikten, die uns vorkamen wie Folterwerkzeuge intriganter Raubritterfehden, durch die man eher Gefahr und Tod fand, als die Lehre der Edelsteinschleiferei zu begreifen Kristalle waren das ganze Glück und auch für uns Kinder der unartikulierte Beweis, dass irgendein Gott in der Schöpfung existieren musste, jedenfalls hatten die Eltern sie allda nicht versteckt, sowie sie zu Ostern oder Weihnachten Geschenke zu verpacken oder zu verstecken pflegten Diese Fundstücke waren mehr wert als das wöchentliche Taschengeld, aber dennoch unverkäuflich und echter Gewinn, Augenblick der Freundschaft unter uns Findenden Alle hatten eine Sammlung ihrer Fundstücke in einem Karton im Keller deponiert, sie waren konvertierbarer Tauschgegenstand untereinander, Pfand und Lohn zugleich und verschwanden in unseren Kisten und dunklen Kellern genauso, wie sie vorher Jahrtausende in der Erde gelegen hatte Ich fand sie auch nach Jahren noch wieder, zusammen mit den rostigen Metallstücken von Automobilen und einer Comic-Heft-Sammlung aus einem Zweitehand-Laden In einer langen Autofahrt, die von vormittags bis nachts andauerte, erreichten wir die Siedlung und probierten die zugesandten Schlüssel aus Die passten und wir betraten erstmals die Wohnung, in der sich jahrelang wahre Kindheit ereignete, unkonsternierende Orientierung an einer bunt zusammengewürfelten Ablenkung aus englischen Militärfamilien, deutscher Kasernenbesatzung und die ersten Schuljahren, die durchgehend von einer jungen Lehrerin geprägt waren, die uns, genauso wie Mutter und Vater, aus dem Zustand der wechselnden Verfeindungen untereinander nicht erretten konnte und uns, nur durch ihre Art zu wissen, kommunikationsoffen und redegewandt meisterte, so dass wir sie gerne auch nach der Schule besuchten Sie versorgte uns mit Tee und Gebäck Ein krakeliger Haufen Lebensprüfung waren wir, der definitiv ebenso viel anstellte und durchlitt wie sie, während wir in dieser überdimensionierten Erwachsenenwelt zwischen Kränen und Neubauten beschlossen, Zement anzumischen und einen Türeingang dichtzumauern oder ein Feuerchen im Rohbau zu machen, nachdem die Bauarbeiter Feierabend hatten Tatsächlich fuhr eines Tages eine Polizeistreife Routine, um uns Störenfriede von der Baustelle zu holen Alles in allem war das schon ein Phänomen, was für eine Macht wir auf uns ausübten und auf alle in unserer Umgebung, anbei wir immer wieder ermahnt wurden und dennoch zurücktrottend zu allen Abendbrotrufen die Verwicklungen und Gerichte auflösten und vergaßen Die Kaserne war Arbeitsplatz vieler Väter und lag hinter einem Karstwald Wir konnten sie täglich, wenn wir wollten, in der Ferne sehen Sie war offenbar nicht für uns gebaut und schien uns durch unsere Fahrräder nicht zu erreichen, aber meistens wurden wir grundsätzlich mitgenommen, weil ein `Tag der offenen Tür´ anlag und Kindern in Begleitung das Betreten der Kaserne gewöhnlich nicht verboten ist Dabei, erinnere ich heute, war alles gleichgeschaltet mit all den Kasernen, die ich noch betreten durfte, die Maschinen waren laut und aufregend, jede war anders auf den weitläufig angelegten Terrains und ich erinnere keinen anderen Unterschiede Alles hatte den gleichen Anstrich und im Zuge der Jahre voranschreitender Mündigkeit und Fähigkeit zur Meinungsbildung artikulierte ich nach dem x-ten `Tag der offenen Tür´ für die Schutzpatronin St.Barbara des achtzehnten Panzerregiments von dem zweiundsechzigsten Bataillon arglos aus Routine die Meinung, den Kriegsdienst zu verweigern Jahre vor der Wehrerfassung irritierte ich meinen Vater damit so sehr, dass er wohl das erstmals an der Zukunft seines Sohns zu zweifeln begann und damit alles schlimmer wurde Ich beschloss, das Städtchen meiner ersten Grundschulzeit nochmals mit dem festen Willen und der unzerstörbaren Gewissheit zu durchreisen, diesem Kleinodium die Geheimnisse abzulauschen, zu deren Lösungen ich als Kind noch keinen Gehorsam hatte Das Wiesenwäldchen mit dem Baumhaus schien endlich wie ein aus einem Bombenkrater entstandenes Ein runder Trichter im welligen Boden mit Bäumen entsprechenden Jahrwuchses, der Wald aus Hängen und Wegen gab keinen einzigen Kristall mehr her, sicher waren sie endgültig aufgesammelt von den Kindern der späteren Familien und als Findlinge in Kisten verstaut, den Kellern steinernes Herbarium Damals war ich das erste Mal Fahrrad gefahren, gewappnet mit den ersten Kenntnissen der Verkehrszeichen über die Kreuzung gebraust Wichtig galt, alles zu beachten, und angenehm war, die Kreuzung immer wieder zu queren, gleich umzudrehen und nochmals das komplizierte Ritual, welches der Knotenpunkt einem abverlangte, zu praktizieren und geschwind durch das belebte Chaos zu fliehen Aufregung befiel mich beim Betreten des Schulhofes, der Baum stand noch da, groß und in Blüte summte er voller Bienen, war Erinnerung und Rührung an die Kämpfe um Zuneigung und ungewöhnlichen Zwietrachten Einen Hang höher lag die Schule der Älteren, dort verbrachte ich die Nacht im Freien und da Sommerferien war, erwachte ich am nächsten Morgen allein geblieben und blinzelte in die frühe Sonne Auch die Physiognomie der Stadt war geblieben, die Hanglage der Straße hinunter in den anderen Stadtteil, die oft gequerte, große Kreuzung oben Passanten grüßten freundlich, als ich mich auf einer Bank setzte und Schrippen aus einer Bäckerei auspackte Lu ma doh!, erinnerte ich, das wahrscheinlich einzige, pfälzische Sprichwort, das ich noch kenne und bei dem meine Mutter damals, als ich das Aufgeschnappte bei ihr anbrachte, die Nerven verlor und mich ermahnte, den Kauderwelsch sofort wieder zu vergessen und ich hatte hoch und heilig zu schwören, nicht nochmals pfälzisches bei ihr anzubringen
Webbel beschließt,
jetzt will erst recht alles rekonstruiert werden, die ganze Reise des Gewordenseins, genauso jeder verlorene Koffer und jede verlassene Wohnung
Er bemerkt die Bruchstücke, Fortsetzungen und Rapporte geschlossener Aoristen, die aktuorengleichen Fragmente in den Konfigurationen, ein graues Rauschen im Lautsprecher. Dioden flackern am Drehknauf, nahe Welten in unbekannten Sprachen mitteln ihre Kodizes, Musikfetzen schallen auf, verklingen zu Sinuswellen und seriellen Tönen elektronischer Muster und strikter Geräuschsphären, durchmischen sich überlagernd, während aus dem grauen, verzerrten Nichts der Bandbreite ein unbekannter Muezzin anhebt:
„KUBA, Du Seher des Vaterlandes, der atomare Erstschlag war die Häresie okkzidenter Physiker Okkzidentaliens, die in ihren letzten Begriffen auf einer gevierteilten Endlostreppe den entfalteten Pfaffnir auf den Schreibtischen Eschers nicht geschnallt haben. Ob ein Volk zerstreut wird und sich erneut zur Welt versammelt, eine Welt zusammenbricht und erneut zu einem Volk sich erfindet: Kultur belohnt sich und entstammt wieder der Idee, zu scheitern!“
das Radio gibt gar keine Erinnerungen preis
bemerkte Webbel und bastelt sich daraus eine biedere Funkanlage zusammen. Ein Mikrophon mit Taste, eine Gegensprechanlage mit Lautsprecher. Webbel besorgt sich schwere Batterien für die entsprechende Leistung,
ein jeglicher will empfangen, denn ein jeglicher kann senden
Webbel verliest seine Aufzeichnungen in dem weltoffenen Äther, wartet in den rauschenden Tiefen wachsender Urkristalle auf Antwort, als der unbekannte Muezzin erneut seine Stimme erhebt und seine Enthalpien in die knisternden Sphären der opaken Erdspektren aus Glas und Strom gospelt: „Hosianna Kazan, Du Perle des Orients, das alte und neue Europa sind paradigmenlose Propaganda von Kulturtunten. Die Islam Nation hat den Malcolm X im Amiland schlichtwegs abknallen lassen und der andere, der hat sich dement geboxt, und ein nicht näher, nicht unnominierter Afrikaner mit Karten, auch ein erfolgreicher Zairebesucher, der behauptet der IXI stehe für das kenianische Stammeszeichen der Niloten. Wir brauchen nur noch ein Mandalakreislein herumzuzeichnen, schon entsteht die zirzensische Maske in einem Regen aus Styreporkügelchen im Visier der versierten Nacktarschsöldner, die den Rap nicht mehr lebt und das Mikro auch noch peinlich an die `seit wann denkst Du wie eine´ - Waffe weggibt und in der Begeisterung eines vollkommen planlos-chaotischen Aufbruchsignals des Ungelenks selber in einer absolut bizarren Landschaft gigantisch pechschwarzer Schaumstoffquadern den Strukturen und Theorien der Verschwörungen, Metzeleien und Massaker, den Passionen Bahöls, der unbändig schreienden Klausentreiberei stammesloser Wolpertinger und kubrickscher Poeten von den glattgestrichenen Asphaltschichten der metropolen Uhrwerke europider Ebenen einen `Guten Abend!´ wünscht.“,
Hallo, nicht dauernd dieses `fear le fence´, als ob Lehm und Odem den Tofugolem gegen den Opossumbrotmann antreten lassen, während Deine dazu konspirierende Ausatmung jahrtausendlang innegehaltenen Miasmas Dir wohl aus den grünen Lungen eines unbekannten ERDTEILS emaniert, deren Urwesen Dir wohl nicht mehr erahnbar werden, sich gegenwärtig die Granitbissen aus den konkreten, historischen Bauten der bewohnten Kontinente herausreißen und die Herzen der Geliebten ihrer Väter genauso unter die Höhlendecke hängen, alles in Bestimmung wandelnd Initialisierte aus dem doppelt Ununterschiedenem sich selbstsynthetisierenden Zeichen sichtbar machen und sich all die Bewegung auch noch zu einem gordischen Knoten bestimmen und sich, so komplett selber mit durchschlagend, in die traditionelle Bundlosigkeit abschleifen, anbei die Putschquoten pro Jahr und Land zu Graffitisemiotiken an die Betonhäuserwände finden und der Erdball auf Zerfleischung der wilden, grauen Pferde und bunten Kühen getrimmt wird, ich sage Dir!, eher haucht Sista Amchra aus Dornach ihren Sieg an die Stirn eines präkolumbianischen Profimörders, der seit sechstausend Jahren grundlos getötet hat und salbt ihn mit den Aufträgen und Missionen für eine neue Gesellschaft, eine intelligentere Welt und für viele, gute Werke von morgen
„Deine Nighthawks über den Spektren der Anthrax-Trois-Eglise empfangen wohl schon erschöpfend kontraproduktive Anweisungen von dem Chromosomenring Siebzehn b der Anthrax-Substanz selber oder gar schon von den verrückten achtundachtzig Chromopärchen, zähl mal auf den ganzen sogenannten Euro-Boulevard, wen Du was auf ´m Kasten hast!“
auf Ring dreiundzwanzig f !?:
„Nein!, da sind nur Bürger und Irre, Freaks und Kretins, Patrizier und Bohemien, Drogies und Instinktos, Proleten und Studenten, Psychopathen und Pharmazeuten, Klassen und Stämme, Anarchisten und Fürsten, Generäle und Maler, Mönche und Fußsoldaten, Gremien und Aktionäre, Heiopeis und Penner, Obrigkeiten und Untertanen, Beamte und Adelige, Klabautermänner und Landrättinnen, Superhelden und Singles, Introvertierte und Extrovertierte, Plebejer und Patronen, Gourmets und Gourmands, Trottelinnen und Tollpatsche, Magiere und Zauberinnen, Angestellte und Vorgesetzte, Selbstständige und Verfassungsschützer, Veganer und Schlachter, Öffentlichkeiten und Publiken, Stände und Arbeiter, Pimpfe und Zwerge, Genien und Dämonen, Eliten und Klientel, Ex-Psychagogen und Revolutionäre, Sgobbos und Sboggos, Therapeuten und Pharmakologen, Insassen und Schüler, Geißeln und Pilgern, Liturgen und Demiurgen, Mystagogen und Gladiatoren, Grenzgängern und Migranten, Tunten und Agenten, Surfer und Patienten, Macher und Mobber, Punker und Banker, Ökologen und Artisten, Baristéen und Szenen, Ungetauften und Schismatikern, die das ganze Abkommando nach Kashmer, omnes in tres partes divident, befehlen, während uns die ganze Flugrakete Rakisaufender mesopotamienstatuettenbeladen flugs auf den `we are angry Sikhs, hulla-hulla, Gyanendra.´ - Siachengletschern aufschlägt. HEY!, selenischer Webbel am Zaun von Heiligendamm! Notier Dir die Nachrichten für den Erdball auf einer leeren Rolle Kassenbon,! Wirf die Hunde durch den Klub im Hundeklub Wir sind Mallorcas Kids, immer der Sonne hinterher in die Dunkelheit von Morgen Hooligans sind keine Verbrecher Hooligans wir feiern nur ohne Deutsche wir fahren nach Berlin ohne Deutsche wir fahren nach Berlin das ist jetzt Dein Leben, das sind Deine Gedanken dann saufen wir Hartalk weil das das Gehirn kalkt HEY SELENISCHER WEBBEL wirf die Handys durch den Klub im Handyklub im Handyclub.“
Epilog
Fronleichnam kommt der Priester von der Nachbardiakonie ein Haus weiter zu Besuch in die Redaktion: „Das Kreuz ist jedoch aus ganz schlichtem Holz: Natur und ohne Leiche.“, bekräftigt der Priester: „Das mag doch jedermann sehen, so ein gutes Symbol.“, und so lehnt das naturfarbene Gestell mit der angebrachten Halterung halb an der Wand, die noch kein kommensurables Pendant hat: „Ich bin nicht ganz fertig geworden, das große Kreuz direkt neben dem Hauptcomputer an der Wand zu befestigen. Aber das macht ja nichts. Ich komme gleich wieder, daran hätte ich selber denken müssen.“
„Der Initiator der Initiative hier wurde neulich angezeigt, “, sagt der Chefredakteur warnend: „weil er auf dem Motorrad Fahrradfahrer erschreckt hat, von denen er vermutete, dass sie zur Mafia gehören. Bevor man sich einen Job bei der Amtskirche kauft und so losweidet, na ja. Jedenfalls, - `christozentrisch´ wirkt dieses leichenlose Mordinstrument bei der Höhe auch nicht, das geht ja fast bis unter die Decke. Wieso will dieser Motorradkleriker uns tatsächlich die Kulturnischen plattfahren? Sagt ein Mal!, das Gratispriesterchen Marke Aureole Universaldilettant deponiert auch noch Spendengefäße im Café? - Also wir wollen hier keine von den eisernen Alraunen á la mode Stauffenberg junior als Altar. Vielleicht muss dieser Armutspfleger erst noch den gesamten, schuldstolzen Beichtstuhl der Vergebung und Legitimierung aller sich kreuz und quer in Gewohnheiten Verleumdenden aus seiner quasiintakten Scheinwelt mit ihren agnostischen Geometrien, untheologischen Bögen und Hyperbeln bei Mutter, Tochter und der heiligen Geistin auffahren? - Ich sage Euch, Jetflieger, Motorradfahrer, Hockenheimringer, Motorbootfahrer und vornehmlich die Distanzkleinkalibergewehrschützen, aber auch diese Jagdschein- und Sarganfertiger, diese `Mission erfüllt´ -Visagen bei abgenommenem Helm, die den Wumms mächtig abgehen lassen und originales Material verlangen: frische Libido-Burnouts, wirkliche Midlifekrisen und unolympische Kühlschrankdisziplinen. Ah! , - der Volontär Webbel! , Sie meinen doch bestimmt auch, dass Gott eine schwarze Frau ist, oder? Aber ganz im Gegenteil, Monsignore Volontär; weißt Du, was sich zurzeit bezahlt macht?! , wenn er propreußisch ist oder Jude…haha, der kleine, elektrokalorische Volontär Webbel für den Chefposten auf dem technologischen Rechnersessel, offenbar für gar nichts zu haben heute? - Früher war alles besser, da hatten die Leute noch `quelle idee rouge´- Zeitungen, um etwas von dem Bauerhof von nebenan zu erfahren oder den Kollektiven einer anderen Metropole, die denkbar genauso ablief wie der eigene, rote Schal um den Hals.“ Der Chefredakteur springt vor den Augen der Anwesenden auf den Versammlungstisch und fängt stehend an zu singen:
Die dreizehnte Gerionskalifatrie
„Hola, ich bin noch nie in einem KZ gewesen, Mister Laotse junior!
Gieß uns die frohe Neurotat in den Kolben,
Die uns gestern schon ins Neuro getreten hat!
Wir sind polytoxikoman in Shivas Tempel
Multitransparenter ¯En-Er-Gie-Gen-Es-Is¯,
Zentralisiert wird unsere Isolation!
(er zerwirft eine Serie von Porzellanuntertellern vom Versammlungstisch an der Wand)
Nur im Zerbrochenen finden wir Zugang und Anschluss!,
In Kleidern, die von Sand und Wind schon leicht abgetragen,
Und durchpflügt in der hinreißenden Dämmerung von den geflügelten Rädern,“,
Er turnt im Flickflack von dem Redaktionstisch herab auf die Flöre des Großraumbüroteppichs: „ und den Tröpfcheninfektionen Hypnotisierter. Bevor Ungefragte Verträge und unnötige Konflikte aus dem Gleichgewicht stürzen! - nochmal der Zalmoxisbote aus `Hype it, Peenemünde!´“
Der Chor der quaoarischen Ratten erscheint am Kreuzweg zum Klassengang. Geweiht betreten die abgekochten, gedunsenen, angedünsteten und aufgeschwemmten Ratten die quaoarische Bühne und beginnen den folgenden Chanson:
„Balance und Überfluss, Balance und Überfluss
Sind die Imperien der Freiheit
In den Quantenschäumen der turbokapitalen Kirchweih.“
Der Chefredakteur rollt eine der Zalmoxis-Ausgaben zu einer großen Mesusa zusammen und psalmodiert:
„Wir sind rechtlose Brezel,
Schatten in unserem Glück.
Das ganze Jahrhundert hat regiert,
Kein Quentchen Jota hat´s int´ressiert.
Der alte Drache beginnt
Gebaut von einem Wiesel,
Fliegenflügel zerbersten am Glas.“
Er schlägt einem Jesuiten, der an einem der Rechner sitzt, mit der Zeitschrift auf den Kopf:
„Das Stückchen Sieg im Strom der Worte,
Alles groß, geil und gut!“
Der Chor der quaoarischen Ratten: „Alles groß, geil und gut!“ (2 *)“
Der Chefredakteur:
„Im flairgefrästen Pfauenthron,
In den Paradiesen der replikabolen Retrostaaten,
In den Weltwasserkonzilen des kollektiven Unterbewusstseins,
Der blaugoldmythologische Ökon!“
Arie der quaoarischen Oberratten im polyphonen Kanon:
„Oh sieh, ein graues Klassikpferd säuft aus dem Klo und krepiert.“
Der Chefredakteur:
„Versiegende Hydren voll strukturalisiert
Mit Dogmaforte°r und Semitogeneral,
Universelle Synopsen,
Ultraprivilegierter Phänomene,
Konsensuale Halluzination!
An den alten Schwellen nur neue Ufer
Zu den eiligen, medialen Sozialuteren welcher Nationen auch immer!“
Alle quaoarischen Ratten zusammen:
„Wer gebar uns den Grund der Bewegung und die prima Bewegungskraft,
Wer die passive Ordnung so urkinetisch und wer die aktive Macht?“
Ein gigantisches Kulissenbild wird an schweren Stahlseilen herabgelassen, auf dem sich zwei gewundene Schamottoneleysen von Piech Spiraldvi gleich sternhagelvollen Füllhörnern in gegenseitiger Inthronisation auf einem Schild schnurstracks HERVORRUFUNG anbieten, ornamentiert mit lanzenstraffen Zitteraale, Schleichen, Nattern, Vipriden, Squamaten, Serpenten, Otterschlangen, Kobren, Pythen und natürlich mit K. Kundalinis Fragezeichen in Leuchtlettern zu der sie am Mittelpunkt greifenden Faust, die K. restrikt härtet, stringent stählt, geradewegs stabilisiert, streckt und bedächtig zur reinen, angespannten Muskulatur geformter Bereitschaft werden lässt. „Davon geht die Welt nicht unter!´ flüstert eine Souffleuse und erscheint mit dem Skript zu `PROBLEMFAN, -Einakter in siebenunddreißig Szenen´ und der erwachenden Fähigkeit zu Kritik und Aufklärung aus ihrem Kabuff: „Diese Sequenz, wo er sich mit den Megaseren des diastolischen Urgelees beschäftigt und in den Dialog über die Elemente einer neuen Herrschaft der Körpergrößen eintritt, ja, beim Konzert des Therapeutischen Orchesters für tantaristischen Umbruch in Szene Zweiundzwanzig, passen da nicht besser diese tanzenden Riesenkanülen auf Stelzen, die sich zu den singenden Adern blutübersprühter Felder zugesellen. Wenn diese Sakraltürme anfangen mit den kleinen Blutspiegelwerten in dieser stupiden Kompetition zentrumslos miteinander zu kommunizieren, die Zeile mit dem: `Ach, dieses Anti-Plodion-Komplott energiegebauter Käseglocken und gehypter Typologien Dagewesener und im Ungeist Aufgegebener…´, ersetzten durch ein chorales: `Bibabutzeweib!, die Du die Köpfe der Verlausten mit Floralwerk kränzest und mit schimmernden Buketts aus Stacheldraht die Programmierer, Ingeneure, Erfinder und Spieltheoretiker angewandter Wissenschaften zerklirrender Techniken auf den brachen Feldern des abtauenden Nordpols krönen willst.´!“
Der Chor der quaoarischen Platzratten aus der Unterschicht intoniert sphyngisch-flüsternd:
„Phantome, Gespenster und Widrigkeiten
Fabrizieren
Die Typen, Schatten, Marionetten und Puppen.
Ödnis, Trübsal, Finsternis, Elend, Dürre
wirken nicht nach ihrer Wirke, sondern nach ihrem erkannten Wesen.“,
Die letzte, quaoarische Kammersängerratte, bekannt unter ihrem Pseudonym King Gemuel Kommie, beschminckt mit den Symbolen der Weltreligionen, wird auf einem hydraulischen Hebewerk von unterhalb der Bühnenbretter in das gleißende Rampenlicht gehoben und intoniert (ad final sol):
„Sista Amchra entsteigt aus dem Meer,
Und Baaht nennt sie Babylon,
Oh, babe my alone!,
Flugs brennt das ganze Land.
Doch der Adler der Freunde fliegt weiter,
Und ich muss zu Fuß nach Dornach, denn
Eines Morgens wird der Mogul begehren,
Mit viel Aufwand seine Truppen zu mustern.“,
Dazu (aus dem Off) die chantenden Rhythmusratten Quaoars:
„Meschugge, meschugge, meschugge, meschugge, meschugge, meschugge!“
King Gemuel Kommie schlägt einen gewaltigen Sound von einem quaoarianischen Gong,
der auf die Bühne gefahren wird und verkündet: „Rabuni serach!“
Webbel blickt von einer Lektüre auf, die er im Redaktionsregal entdeckt hat, und sieht wie der Chefredakteur einige, kurze Aufnahmen von sich mit einer Handykamera macht und damit durch den Raum hantiert,
das Gewicht eines ganzen Lebens besteht doch aus den Erfahrungen, die immer wieder Jahre reichen werden, unser Leben aufrecht zu erhalten, jede Erfahrung, die uns versiegelt, stürzt die Führer und Eliten in hohen Stellungen und eine neue Erfahrung zu machen, ist nicht geringzuschätzen, wir wollen nur das leben, was wir auch in uns vorfinden, wieso das so schwer ist?
„Vielleicht Experimentalfilme, nach mir benannte Straßennamen, Multikonzerne und Biofrühstücken, das heißt, erst einmal bis Mittags von Supermarkt zu Supermarkt hechten, die sozial faireren Bioartikel aus den Regalen suchen und öffentlich beim Spazierengehen verzehren, bis der verabredete Treffpunkt, `Los, alle bringen einen Snack mit!´, bei der Kirche erreicht ist, an der auf einer Palettenbühne die Band `Den Iukustulesk´ ihre Hitsingles `Gendreck weg´ und `Das Mädchen mit dem Megaphon´ hervorrockt und als Zugabe vor einem unersättlich bangenden Zuhörer an der Monitorbox und unzähligen, moschenden Zuhörerinnen auf dem Platz ihre letzte Nummer: `Muss Schluss das Faschismus-denn das bist DU Schuld!´ hinausmetallt.“
Er legt die Luftlyra beiseite: „Die hat mir der Vorjahresweltmeister aus Oulu zugespielt. Mit diesen Öko-Leuten kannste nur noch das Eiweißbankenpersonal geißeln, `Los!, wir räumen die Spermabank aus.´, volontär!, ab zu den alkenden Kampfttrunk- und Dunstkreisuniversen des kolonialbiologischen Bewusstseins, `save pour seeds!´, das sich durch das Leben ejakuliert, um wohl endlich in Ausgelaufenheit zu enden und dem missionarischen Phantasmus der Gemahlin Eduard von Schlecks zu entsprechen, die auf ihrem Domizil Gaga den Narkwal Orkie Poernchjen aus dem Aquarium hieven und auf dem Boden vor Notar und zahlenden Gästen mit Lebensmittelfarbe grün anschlecken ließ, während sich die ganze parthogenese Ost-West-Ehe der Frauenbewegung an ihren Stammtischutopien zum donogenismayosen Sohar glänzende Eiweißseen spendieren lassen wollen, in Abmessungen die Onans Stämme noch in den entfruchtenden Untergang für die ´Neu-Baum`-Genomika treiben, vor der sich die Damen und Frauen Selbstbefruchterinnen flugs weiter beraten, ob sie sich als Erklonungsphantastinnen den eubiontisch Paarungswilligeren wegen seiner überlangen Fingernägel von der importierten Stammzellengehilfin, die eigentlich für die sauberen Fingerchen zwischendurch bestimmt, dann den eubionisch geklonten Eiweißspender personalgerecht einführen lassen, bis der glänzend ordentlich in der roten Pussiritze steckt am globalen Spermasee Proenzym, an dessen Strand die grinsenden, lauen Gerippe und schlaffen Hüllen Ausgelaugter, leermasturbiert, zweckentfremdet und logisch entmolken in den Spendierhosen der Entfruchtungsindustrie liegen, `…begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses´ und archiviert die letzten Triebe aller Urvölker in laminierten Doppelhelixsammelsurien, die wohl jetzt schon transplantatideologide Historie in den Menschenlaboratorien patentierter Lebewesen sind und damit zugleich zu Dr.Schnissel-Schnaßels forensischem Klientel gehören: `Hallo, liebe Laborpatienten, festes Doping und Organhandel machen bei uns die Rechnung auf der Linie“
Der Chefredakteur nimmt ein metallenes Magazin in die Hand, das stets in der Schublade im Schreibtisch liegt: „Im Rotadurchflexwegverfahren bewiesen! Auch die Funken schimmern ihrem Wesen nach bleich und die Bleiche schimmert auch auf den Metallen. Ich bin doch nicht der Zalmoxisbote aus Peenemünde! - und jetzt: `Ataraxia vs. Apostasia´- volontär! , aufgepasst Webbel! Aufgepasst! Spielstand: Nein zu Ja, Halbzeitpause, Rückrunde in unserer `Intimen Arena´ hier im bifaschistiat miteinander Verrissenen. - Zu den Weltfluchtinitialien!: Überbehelmte signalisieren ihre Initiiertheit zur telepathischen Abkontrolle der Menschheit, Gekränzte, Gekrönte, Bepanzerte, durchlöchert und kaleidoskopisiert von ausdringenden, tröpfelnden Lichtinstanzen, mythische Spolien, die die promachoide Privilegiertheit in genuiner Trance profanieren: die Sakralturm reflektierende, stochastische Absence der außersinnlichen Wahrnehmung von Schmalhans Küchenmeisters Speisekarte: Schifferscheiße von der Titanik mit Labskaus, zwei Euro achtzig, eine litschimelone Limonade mit Pfefferminztee, ein Euro zehn und die gute, alte C-14 Methode für den Kot der häuslich-lutheranischen Fäkalgrube.“
Der Chefredakteur wirft ein paar Bündel irakische Husseindollars, die er unvermutet in seinen Jackettaschen findet, auf einen Tisch mit lachenden Smiley-Aufklebern und den Darstellungen eines planlos chaotischen Rudels bei der Anwendung und Anforderung von multifunktional schikanierenden Technologien: „Zalmoxis! Das sind Deine Statistiken: Psychologia, Biometria und eine statische Aussicht ohne Utopie; ohne die wird es doch auch keine aufklärende Rationalität geben, da sie sonst, sich im Protest sinister und obskurant dem Zuspruch aberkennend, den Distributivgesetzen der Infamie entwachsene Spottwut bleibt, während die pessimistische Realisierung der Transparenz den Möglichkeiten des Vermögens einer Idee zu folgen, Gesetze des Herzens zu postulieren und sich selber aufbürdend geltend zu machen, der zairischen Volkswärme die Gemeinschaft beim Hairdo die Riots entfacht und nicht bezüglich irgendwelcher, abstrakten Angelegenheiten sondern offensichtlich wegen der hyperintransparenten Gentrifizierung inszenierender Kassen und Kreise an dem Kreuzweg, der das Verhältnis von Elite und Klientel, Öffentlichkeit und Ordnung zur Befehdung regelt, während die nun komplett narzisslarmoyante Beautyqueengesellschaft auf einem sehr schnellen Flug zurück zur Noropaburg fliegt, sich gegenseitig Dessous aus berühmten Filmen versteigert und, eher den alteuropäischen Kulturtunten und Kunstsoldaten zuliebe, als dass auf dem `unbewussten Kontinent´ Frieden werde, ihren junggebliebenen, römischzirzensischen Verstand an das allgemein abgeschaffte `ius prima noctae´ quasen. Jedenfalls ist das Oberhaupt der Vereinigten Afrikanischen Staaten jetzt eine Frau, die genau weiß, dass das Wort `muslim´ das arabische Adjektiv `dunkel´ meint: also muslime Nacht, muslime Farbe, muslimes Universum, muslime Bürokratie-halbe Welt! Trotzdem ist die ganze, zairische Volksmenge bahnbrechend auseinandergestoben, bevor der Laufsteg überhaupt gebaut werden konnte. Das hat allen dunklen und christlichen, moslemischen und hellen Männer die eigene Heimatstadt entbrannt und geviertelt. Jedenfalls seit die IXIen auf Apparat und Apartheid ausgeschlachtet werden, wird jeder hier im Westen zum Alkoholiker oder Säufer verurteilt sein, während der Nachwuchs der Verurteiler den Verurteilten in hellseherischer Bescheidenheit den Gebrauchtwagenerwerb predigen will, die abgewaschenen Gläser in den Häusern als beschmutzt erachtet, das Fahrrad zertreten zurückbringt und im selben Atemzuge die älteren Geschwister zur Hurerei anbietet oder einen Tee im Harem des Archimedes! - Ich hör immer, Tee im Harem des Archimedes? In dem Nargileeklub war wohl ein Schuss Wodka im russischen Rauchtee.“
Webbel entdeckt in der Ausgabe der `Monopolisierte Bürowelten´ einen Artikel, der betitelt ist als `DIE SKULPTUR im öffentlichen Raum´,
„Maß, Metrik, Körper und Orientierung haben sich im Minimalen mit Richtung, Leere, Bewegung und Farbe zur Mahnung oder gar zum Fatum jederlei sehenden Wesens zu maximieren und im Zentrum der Kommunikation in einer ganz neuen, sachlichen Schmächtigkeit, ohne die bonzenden Realismen der Moderne oder den grotesken Proportionalitäten einer dilettantischen Präsidialdiktatur zu korrespondieren.“,
liest Webbel und denkt,
ich bin also irgendetwas Architektursoziologisches, offenbar eher eine Art Luftziegel, der richtig an Ort und Stelle, an der Traufe, mit vielen ähnlich deponiert da liegt und das gut ist, wie integriert und doch genau, authentisch und einzig, Schuppe von Schuppen, dem gefiederteren Teil der Straße näher!, vielleicht wird alles besser, Wirkenlassen!, was sich bis zur Verwirkung verwirklichen will, erst an Wirklichkeit erfährt die Wirkung sich selber, - lieber einen erhabenen Kreis aus Flieder und Magenta
„Na ja, krikl-krakl, Volontär Webbel, nichts als niegelnagelquatschiges Krikl-Krakl, das taugt ja nichtmal zu `ner Mohammed-Karikatur, was Sie gegenwärtig bei mir abliefern. Und dieser seltene Bilduntertitel: `Im Zeitalter des Katzenauges´. Wohl nur für die Verrückten! , - der Volontär Webbel ist wohl nur für Verrückte, oder was?! Volontär Webbel?! - nun mal nicht so schüchtern hinter dem Redaktionsregal. Du kannst mir mal eben helfen, Webbel, ich bekomme die Patronen einfach nicht in das Magazin geladen. Ich habe so tattrige Hände, die rutschen mir dauernd aus der Hand. HEY Webbel, komm mal ran, hilf mir mal beim Laden, ich schaff es einfach nicht, mich alleine zu erschiessen.“
Appendix
Einige Briefe, die von den Ex-Mitgliedern des Redaktionskreises geschrieben und zum teil erhalten sind, unbeantwortet zurückgesendet wurden und teils wegen mangelnder Frankierung gar nicht angenommen oder in der Postsammelstelle des Cafés verwahrt worden sind. Bei den Recherchen im Festplattendossier der Redaktion konnten einige Fragmente der Texte aus den Festspeichern der Redaktion aktiviert werden, die jedoch eindeutig zuzuordnen, nicht gelingt. Sämtliche Ausgaben der veröffentlichten Zeitschriften aus dem Kellerarchiv, teilweise noch mit dem Namen `Zalmoxis´, aber auch schon mit dem Titel `Überdosis N°37´ (später als 37° Funkstille erschienen) und die Ausgaben der arabischsprachige Gazette `Ziqqurad Irthikal´, die zu den sich ansammelnden Abonnements gehört, geben keine rechte Rekonstruktion über die vollen Zusammenhänge. Der Vorgang bleibt sich Institutionalisierendes oder unterliegt der Solistikation aller Beteiligten. Hier ein vollständiger Abdruck der rekonstruierten, elektronischen Fragmente und postalischen Eingänge, die erhalten sind.
Schreiben № 1,
An Webbel, B., Aug.20..,abends
Sohn des Antimufarka S. Lugeamus,
Auf dem gebrannten Tisch einst ein glühender Topf, Verflämmter, in sengendem Brand eine Mahnung Entkommener jedenfalls einen Flammenwurf weit entfernt von der Architektur der Städte, die unsere Spuren verwischen - leben wir im Feuer, der Weg dorthin führt durch die dunkelbunten Gegenwarten ohne ein Trommeln oder gar Bücher. Die Fehlverhafteten, die Dich schon `Superwebbel´ oder gar unverblümt den Kränzen gehorchend, `Schöner Webbel, so erhaben verhaftet! ´ rufen, haben den Hierarchien der Generationen in den langen Museen der Nacht Aktion und Performance geboten. Sie waren ausgezogen, den Reichtum mit eigenen Augen zu sehen, sind dafür kranker gewunden zu Boden gegangen oder gar greiser angegafft und stehen nun ohne Gefolgschaft an der Schwelle zur sozialen Leere. Kohlrabi und Zwiebel liegen still auf der entgegengestreckten Hand, Währung der Händler, während das Volk auf der Straße ihnen für Salat zu demonstrieren scheint. Sie selber, bestiefelt und bewaffnet, ein goldenes Land an der Mütze für den Schauprozess, der die Leute in die Verhaftung oder die Kugel in den Kopf treibt. Freie Wahl an den Mensatrögen und zum `Geburtstag viel Glück´! Alle singen mit, auch die nicht mitsingen wollten.
Mit freundlichen Grüssen,
Dein Lichtkrieger O´Dwa Hzwotel
Schreiben № 2,
Hallo Webbel, B, den 09.08., vermutl.20..
(…)
Meiner Lebenssituation ist dies alles so unhilfreich und bedrückend devot, habe ich doch schon genug Probleme mit inkompetenten Führungspersonen in bezahlten Stellungen, die in ihren Vertragskäfigen vor sich hin vergoldend transpaternalisieren wollen. Anbei, ich leide immer noch an Albträumen, auch tagsüber, in denen mich eine t-shirtbedruckende Heuschrecke durch Aggressionen erpressen will, schlimmeres zu tun, weil ich nicht einmal mehr in meiner Heimatstadt lebe. Von diesem Ding fühle ich mich heute noch durch werktätig beamtetes Versagen diskriminiert. Ich neige nicht zu Xenophobitäten oder wäre je besonders heimatliebender fanatisch aufgefallen, meine aber, dass die Heilshaltung dieser zugezogenen Einbrecher mit gildebourgeoiser Mentalität zu obskur und sogar partiell verblendet von Niederem ist. Wir leben nicht in einem Patrizier-, Telepathen- und Wohlfahrtsstaat, in dem unausweichlich wird, in einer sozialen Aktion nicht zu kommunizieren. Mögen diese Menschen sich mönchisch oder dergleichen in Askese oder Hygienewahn isolierend die Beknieung seines Beamtenstatus zur monetären Bedingung gemacht haben: im Umgang mit dem Klientel erweist sich der Reiner als misanthroper Quassler, den man wie einen besessenen Ewok von den Zäunen Heiligendamms pflücken wird. Loslassen, nicht ziehen, sondern losziehen und nicht ablassen. Ich meinesteils wünsche mir einen weniger sexoiden Messingabgott statt dieses korrupten Superheldentums, das garantiert therapeutisch effektiver in seiner eigenen Geburtsstätte weiter wirkt. (….) Webbel, denk Dir, diese Dämonen, die ihre Mitmenschen nicht lieben, sind unser Alltag! Diskreditierte Erfahrungen und desorientierte Ordinaten habe die Zukunft zerschmetternd das Schwierige zur Routine gemacht, Erinnerungen sind lebendig, die einzige Erniedrigung: der Arenabaalismus innerhalb der supranationalen Schriftreligionen, ein verschnitzter, zweiköpfiger Drache, der im Okkultismus ataviert. Die Arbeitslosenindustrie, diese ewige sozial- vs. antipsychiatrische Abgleicherei sprachmedizinischer Ökoirrtümer, die die Irrenkataloge den Pharmazien annivellieren: seit neustem sowieso überall CIA-Kalifen und noch poetischere Staatshobbys am Synapsenspalt. Dieser strukturierte schwarz-weiße Klein- und Größenwahn, Das spannt doch eine Monstranz der Aggression um das rationale Flämmchen Ewigkeit! `Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht! ´ Die Volunta kämpft wider den Vertrag, sich erkrankt den Kränkungen hinzugeben und uneingeworfen in der Volkssouvereignität zu bleiben, aus der sie sich distanziert. Verzicht ein Wagnis und der Wagen für die Einzigen und ihre Finsternis. Halb abgewendet von den Wahrheiten hat sich der ewige Abstieg wahngebildegleich zu Investitutionen kristallisiert und entbrennend gleichgültig wird der Generationskonflikt zum Hardwarekrieg; wie sehr kujoniert uns der technologische Reichtum vor der höchsten Geduld? In den Lohnbuchabteilungen werden Preis und Ehre zur Höhe des Gehalts. Standhaft bleibt rechfertigungslos ein unbewusster Kokon der Irrealität. Werden wir der Wahrheit nicht gerecht, möge der Schöpfer uns in neue Charakterpanzer gießen! Aber gegenwärtig macht die Kapitalbeschleunigung in Europa eine jede und jeden zum Schmied oder Schmiedin und den mächtigsten Luxus in der Verlassenheit. Guter Webbel! , wirf eine von den runden Plastikküchenuhren gegen die Mauer aus Zeit, die Gewalt gilt unserer Selbstgerichtetheit.
Vielen Dank für die Schlüssel
Deine Impressaria
N.
p.s.: Ich kann die SuperheldinnEn der Komikwelten von denen der Edda oder anderer, vormoderner Gewaltmythologien nicht mehr unterscheiden. Kommt wirklich keine Komikheldin von Gott gesandt?
Schreiben № 3,
An den Vorstand des Cafés, H., den 21. Jan.20..
Sehr geehrte Damen und Herren,
Hiermit beantrage ich einige disziplinarische Abmahnungen gegen das Therapeuten-Team `Heckl und Heckl´ an der Brücke von der Wrangelstraße, insbesondere der Reiner!
Im Jahre …. bin ich dort fünf Tage lang Mitarbeiter bei der Bedruckung von T-Shirtstoffen gewesen. Wir bedruckten zudem mit australischen Tiermotiven in schwarz-gelb, die alsdann auf dem kommenden Markt in K. feilgeboten werden sollten.
In diesen fünf Tagen sind dem gruppenleitenden Angestellten, die durch und von ihm praktizierten Zurückstellungen nicht bewusst geworden, so dass ich beschloss den Kurs abzubrechen, da mir der Therapeut als Anleiter zu Lebenshilfen immoralisch und auch seinen spärlichen Vergangenheitsbekundungen nach sich eher indiskutabel ausnahm. Die zu verrichtenden Arbeitsgänge in dieser Werkgruppe sind wenige, so dass einem angeblich geschulten Betreuer doch jedenfalls rechnerisch aufgefallen sein will, welcher Klient welchen Arbeitsvorgang noch nicht getätigt haben kann.
Als ich eine Postkarte und Jahre später beschloss, mir die Werkstätten erneuert anzugucken, wurde ich weder wieder erkannt, noch respektvoll wahrgenommen. Obzwar ich damals vom Arbeitsamt durch Herrn Schöndings oder wie der noch heißen mag, jedenfalls, devoten Aufforderungen im Rahmen des Heute `Ein-Euro-Job´ genannten Programms an dem manufakturiellen Werkkreis mit teilnahm und damals auch krankheitstechnisch die Bedingungen dazu erfüllte, hat sich doch dieser Harmoniezwang zu einem manufakturiell mehrwertproduzierenden Kollektiv aufgrund dieser dämlichen Schreibtischtäter in Knilchknechtsmanier zum Abfron in einer psychoaktiven Idiotenwelt kontaminiert, in der die konstruierten Berufewelten von Halblaienklerikern ursächlich an den Generationskonflikten und Kriegsverdrehungen werden. Der bedruckte Idiotenplunder soll Ihnen das Klopapier in den eigenen vier Wänden ersetzen.
Bis bald Kyrill Nollywood
p.s.: Religionsfreiheit statt Klientelssektiererei! p.p.s. : Ich darf wohl auch noch die Putzgruppe machen, wenn in der Teestube Pillenbrunch ist!
Schreiben № 4,
Dear O´Dwa, Quickborn, den 15.Okt.20..
Wir sind immer noch frei hier in Amerika!
Eingeweiht von den Pseudonymen der Herrlichkeit und von Zertifikaten zernormt durch die orthographischen Gremien: schiefe Türme jetzt in jedem Land und wohl schöner anzusehen als die vorherigen Restaurationen. Im Gebäude der Ideologiekritik: alles gut, geil und richtig. Lichte Sonne am anderen Ende des Ausgangs, vor dem ein Sektglas Galaxien ausgegossen wurde. Nicht koexistiert der Arbeitsprozess mit den Nicht-Tuenden, noch integriert sich der Verstand zu den Schaffenden wider das Nichts. Geschichtliche Deutung streut sich durch das Wetter bioklimatischer Theologien: alles eindeutig auswegslos und ohne Klassenwillen, Einbahnstraße von Beobachtern des Proletariats im Feldzug gegen den Luxus durch den Freiraum der Neonthrone eines elektrifizierten Pfaus mit lauten Schuhen, vor dem alle sich zu neuen Jagden und irren, juristischen Termini versammeln, um `Erben statt Arbeiten´ zu spielen.
Unabsehbarer als in den langen Museen der Nacht Wächter zu sein, unvorstellbarer als die Macht der Versuchung selbst die Neiddebatte um CO² anheizt, die Melodien der Bronchen astmathophon erklingen, die Buße einflößend der Geringschätzungen Klischees bedient und Selektion kultiviert, die durch Fehl die Dimensionen des Leids verdoppeln und sich vormodernen Mythologien anhängen, mehr als Lärm, Rauch und Wind im Strom des Vergessens sein werden, am Quell der Verjüngung, der Eiszeit, des Tauwetters. Gegenwärtig fängt der Nordpol an! In der Entzifferung der Glyphen besprayter Robben, die Rettung durch Umkehr.
Im atavaten, neoprimitiven, archaischen, frontalverspiegelten und hintergrundlosen Abprall vom Glanz der Dinge, die nicht manifestierbaren Bekehrungen zur Rückständigkeit; in den Hartacrylkuben, für die uns eine Software die Asche der Verwandten aus den Urnen zu Luftbläschenholographien sprudelt, während sich Landschaften entleerter Grabgefäße, Totenbretter und Pestsärge um den Q-Q-bikschen Schrein aus Verstorbenen ansammeln: interieure Gesichter, die wir beim zweiten Besuch nur noch mit dem Originalfoto wiederfinden können, während in Strunz und Stänkers Mikrokosmen der Vitamin C-Kristalle werfenden Drogenpäbste, paramilitärische Dna-Cops anheuernden Gengewerkschaftlern, der Gladiatoren in ihren Pharmaziearenen DAS PERSONAL des Wettbüros zu den Trabrennbahnen enthelixisierender Karrieren in aufgebrochenen und kurzgeschlossenen Rapsölautomobilen, die Stammzellen, Brennstoffe, zu gross angelegte und vorgeschlossene Miniaturen, unbelichtete Photozellen, Bytes und Körner geladen haben, sich zu Demeters Ärzten der Auflösung des Phänomens selber karren.
Wir behaupten doch in uns einen Weltinnenraum, ein Zeitfenster im Winter, eine Intimsphäre, in der wir uns Worte nicht mehr zurechtlegen wollen!
Dein alter Freund
Antimufarka S. Lugeamus
p.s.: Anbei noch ein altes `drei mal drei ´ - Wortspiel aus `opossums kadaver philologia`
serkalo prawda soda
+ tupik swastika molokka
= ame´miriola lametta bazar .
Schreiben № 5,
An die Gebrüderarena von Fukurokuju und Juröjin, N., Sonntag, den 3.Mai 20..
Ich lebe zurzeit mit meinem Insekt und mein Insekt ist edel, aus Blut und Metall. Mir war eh geweissagt worden, ich werde einst der sein, der mit den Insekten lebt. Jetzt überwache ich die untätige Bestimmung ihrer Dromomachie, die mir eine wahnsinnerregende Schutzstätte simuliert. Gelegentlich kitzele ich mir einige Elektronen von meinem Insekt und zwar von den Fühlern, was mir Belebung verspricht oder jedenfalls das Bewusstsein verschafft, auch an den Fingerspitzen mit ihren Riffelungen noch zu existieren. All die aseptischen Abartigkeiten irritieren doch sehr und mahnen mich durch Neuralgien, das Voranschreiten nicht zu verdrängen. Mein Insekt will mich, den Waffenlosen, nicht lieben und bleibt schuldstolz Maske eines aus einer eisernen Jungfrau entkommenden Wesens unter Teslanern und Medusen, die in uns ein Paar sehen, mit rapportiertem Rand, gleich einem Nullzirkel, dessen abrollende Spur eine geschichtliche Zeile auf das Blatt signiert, ununterschieden den langen Tag nach dem langen Tag durchläuft, deren abzeichnende Maserung immerfort dieselbe Bewegung der Momente, der Walz zur Gravitation, beschreibt und letztenendes lauter werdend, zum Erliegen klappernd erklingt und so erlegen Behauptung offenbart: zwei sich Berappende, die den Sonntag passieren lassen, um mit Limonade und Selter anzustoßen, Schuster werden wollen, die bei den Leisten geblieben sind und dazu das Krachleder mit den Nadeln durchstechen, die ihnen keiner anvertraute. Die infernale Anordnung der Knöpfe am Boden, die wohl vor Ärger vom Leib gesprengt und zu Boden abgefallen sind, liegen, wie von den Nähten Geplatztes, als Spreu zu inkonstruktiven Szenen und Zeichnungen. sich sichelnd den Posten Saturns, Satyrs, Priapus oder Miraculix innezuhalten, ohne den Abglanz der nächst Kämpfe zu erahnen oder gar verhindern zu können, Anstrengung und Bewegung gegen den Fleiß genauso verachtend sich freigeben und in ihrer Geschorenheit bis zu den letzten Einstechungen ein sinnloses Schuhwerk aus germanischer Mythe und Ariadnes Wollfäden zusammenfrickeln. Der Sonntag passiert doch anders, die Briefe werden nicht geschrieben und so auch keine Wege beschritten, die Zukunft verschaffen, sondern das Zögern selber bleibt die Verfehlung und so zu Boden geritten, anerkennt sich endgültig verzagt: die Wolke triumphierend verschwunden, das Fenster unzerbrochen, ein Gespinst des sich selber Pikierenden, des sich Akupunktur Verschaffenden und mit dem Hirntraum Nadelnde, lässt nach den zurückblickenden Kriegen genügend Stiche herabregnen für die sich so Ewiggrünen jeder Festzeit, die schon kalendarisch, Jahr ein - Jahr aus, vorgemerkten, sich nie Zusammengesellenden weder im Affekt noch voreilig, sondern als zeichenlos Verbliebene in der Entmachtung der letzten, unbetuchten Elemente und Ideale rieseln wir wieder zum Fenster und werden auf den Feldern zerklirren!
Schöne Festtage wünscht Dir
Bibabutzemann aus Neuglatt an der Spree
Aus dem Festplattendossier,
(α)ein elektronisches Fragment, die Gliederung einer Novelle Webbels, zu finden auf der Festplatte„A-Café, Jg. 07/20…“-635727e6736873z:
Die Papierdocke
Oder der Sieg der Sprachregelung über die öffentliche Zensur
Novelle in vier Stunden
Erste Stunde-
Der Heuwagen
Mafibrosis Sufismen in den Nebengalaxien - Sonne und Stroh des Generationskonfliktes -Piñatamaché und Keramik
Zweite Stunde-
Das Narrenschiff
Kriegsverdrehung und Begeisterung im Gender-Mainstream
Dritte Stunde-
Die schiefen Türme
er geht hinunter zum Flusse Jordan, trinkt und lacht - das kämpfende Schwert in den Städten - Kerze und Wasser
Vierte Stunde-
Die Zauberschulen
Parallelgesellschaften - der dreibeinige Mensch im biologischen Spiegel
Die innere Uhr☺∞
Der Monolog des Parteidenkers
Pferd und Wespe oder die Geburt des Tanzes aus dem Geiste der Zwecklosigkeit - die Aussöhnung
(β)das elektronische Fragment dreier, kurzer Fabeln Webbels, zu finden auf der Festplatte
„Rאּ~ Café Jg. 5/20..“-937648ue67778e:
⅓- Das Depot an der Endstation der polyterraischen Straßenbahn war angefüllt mit Spinnen, die aus Kängurus Haie machten und Wölfen, die aus Haien Austern klonten; nächstbei schufen Austern aus Ratten Drachen. Sinnierend schritt Aboobaker Al Fia um die Wägen seines Cirque Combiné und sinniert sich durch den monophylitischen Sufismus des Tages. Hatte die nutriegenomische Erbgutanlagengravitation wirklich aus Würmchen Menschen konfiguriert? Aboobaker Al Fia schien dies alles aus der manipulierten Akte einer Hebamme, die ihn gegen sich selber aufbringen wollte. Wieder einmal- revisited- schloss er das Depot sorgfältig ab, um zu einer Verabredung in den Bodybuilding-Club zu gehen.
⅔- „Hey Dicker, pass Du auf die Tüten auf!“ Eine Münze war in dem Boxautomaten mit der großen Lederpflaume hängengeblieben. Gleich nach dem ersten Schlag war sie nicht noch mal hochgekommen. Zwar hatte die Anzeige die Zuschlaggeschwindigkeit angezeigt und die potentielle Deformiertheit des Kamcorder-Gesichtes auf einem Monitor simuliert, aber die Lederpille wollte nicht noch einmal emporschnellen. „Dicker, ich geh nur zur Spielhallenaufsicht und lass mir die Münze zurückgeben.“ (…) Auf dem Spielbudenplatz schwebte in acht Meter Höhe eine Sonnenbank am Kran. Sie war mit Lastgurten an einem großen Haken befestigt. Eine Gruppe von Leuten, die in Sonnenmilchkostümen gekleidet ist, lief umher und verteilt Flyer, die zu einer Art Tombola aufriefen, schließlich war der moderne Hochleistungsbräuner auch noch unterzeichnet von Größen und Stars aus Funk und TV.
3 - Piñata Claridad will eine wirklich große Papierdocke bauen, eine, die man in den Baum hängen kann; überlebensgroß soll sie werden und androgyn. Jahrelang hatte sie Brotfiguren für Brettspiele, Regalwände und Vitrinen geformt, sich aus bunten Zuckerbonbons und Brausepulvern Mayong, Tetris, Wallpipe und Pagoda erfunden. Während die Kollegen ihrer Zunft sich Porzellane zurechtgemischt und Ton gebrannt, Krippenspiele gebaut, sich allerlei Hölzer zurechtgeschnitzt und an Fäden aufgehangen hatten, hatte sie Strohpuppen und Vogelscheuchen zurechtgeflochten, die sie still, wenn ihr erwähltes Sternzeichen am Abendhimmel Jahreszeit hatte, zu einem großen Gremium zusammengeordnet hatte, das sie mit der kommenden Sternzeichendescension wieder verbrannt hatte. Doch das hatte alles nicht wirklich geholfen, auch die Brotfiguren hatten in wattehaftem Schimmel gebauscht und auf den Feldern geflockt, waren zur sporigen Staubwolle auffallenden Spielraums geworden, diesmal soll es eine Papierdocke werden, am besten aus einem Drahtgeflecht und collagiert mit einer Reihe zerlesener Exemplare von Werbezeitschriften, die mehrmals wöchentlich im Briefkasten lagen, dazu der Stapel mit den Tagesblättern. Sie rührt eine Ausgabe von M.Gorbatschovs `Perestroika´ mit hinein, ebenso sämtliche Bände der Burg Schreckenstein Ausgaben von O.Hasenkamp, schüttet Kleister hinzu und beginnt ihr Werk. Zur selben Zeit fährt Kyrill Nollywood auf seinem selbstgebauten Floß an der Zunftwerkstatt vorüber und legt am Ufer an. Er beschloss sein Logo an die Mauern der Zunftwerkstatt zu pinseln. Das Gebäude gefällt ihm gut, wie er vom Floß aus bemerkt. Die große Papierdocke im Baum erregt sein Aufsehen: „Hier will man logographieren, ein rechter Ort für eine gelungene Unterschrift.“, und in großen Lettern schreibt er `K. Nollywood´ an die Werkstattmauern.
(γ) ein elektronisches Fragment eines Konzepts für ein Musical (wahrscheinlich sogar Webbel zuzuordnen) mit dem Titel `harlekinal´, auf der Festplatte Ä*we-Café Jg.09/20…, 34773243erregrefdr„, transkribiert:
HARLEKINAL oder das Karussell der Technolithen
Eine ökologische Evolution in vier Tänzen
Charakter I Der ewige Abstieg, Chronik der Katalysatoren
Charakter II Zukunftsmotor Stadtentwicklung, Rezentralisierung
Charakter III Glaon und Militär,Defizit und Distanz, Disenter-Discenter°
Charakter IV Brutstätte der Besessenen, Ordo und Willkür
°Das Betreten entzentralisierter Zonen ist untersagt
Eine kompletter Reprint der Zeitschrift `37° Funkstille´:
Ölfarben auf Malpappe, Leinwand